May el‑Toukhy hat für ihren Film „Woman Unknown“ den Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig erhalten. Die Jury gab die Entscheidung am Abschluss der 83. Festspiele bekannt. Die Auszeichnung macht die 49‑Jährige zur acht-ten Frau in der Geschichte des Festivals, die diesen höchsten Preis trägt.
Wichtige Auszeichnungen und Preisträger
Neben dem Goldenen Löwen wurden mehrere weitere Hauptpreise vergeben. Besonders hervorgehoben wurden:
- Beste Schauspielerin: Mathilde Arcel (für „Woman Unknown“).
- Bester Schauspieler: John Malkovich (für „Wild Horse Nine“).
- Großer Preis der Jury (zweithöchste Auszeichnung): „Possible Love“ von Lee Chang‑dong.
- Spezialpreis der Jury (Dokumentarfilm): „NAZA“ von Yuval Abraham und Rachel Szor, ein Film über israelische Luftangriffe im Gazastreifen.
- Beste Regie: Ilja Chrschanowski für „Dau“.
- Bestes Drehbuch: Stéphane Brizé gemeinsam mit Coralie Amédéo und Olivier Gorce für „Un bon petit soldat“.
Die Entscheidung setzte ein deutliches Zeichen: In diesem Jahr wurde zum achten Mal in der Festivalgeschichte eine Regisseurin mit dem Goldenen Löwen bedacht. Gleichzeitig steht die Auswahl des Wettbewerbs in der Kritik, weil von insgesamt 21 Wettbewerbstiteln nur zwei von Frauen stammten – eine Tatsache, die Jury‑Präsidentin Maggie Gyllenhaal als ein strukturelles Problem bezeichnete.
Worum geht es in „Woman Unknown“?
Das Historiendrama schildert die Geschichte von Marie, einer jungen Dänin kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Vor ihrer Heirat mit dem wohlhabenden Arbeitgeber droht ihr Aufstieg, weil ein Geheimnis aus der Besatzungszeit ihre Existenz gefährden könnte: Marie hatte eine Affäre mit einem deutschen Soldaten. In einer von Rache geprägten Nachkriegszeit steht alles auf dem Spiel, als sie versucht, ihr mühsam aufgebautes Leben zu schützen.
Kontext und Bedeutung
Die Filmfestspiele von Venedig zählen – neben Cannes – zu den international bedeutendsten Festivals. Die Auszeichnung für el‑Toukhy ist nicht nur ein persönlicher Erfolg, sie wirkt auch in die Branche hinein: Festivalpreise erhöhen die Sichtbarkeit von Filmen und ihrer Besetzung, beeinflussen Verleiherentscheidungen und können Programmplanungen für Filmhäuser und Festivals im deutschsprachigen Raum nachhaltig prägen.
| Preis | Gewinner/Film |
|---|---|
| Goldener Löwe | May el‑Toukhy („Woman Unknown“) |
| Großer Preis der Jury | Lee Chang‑dong („Possible Love“) |
| Beste Schauspielerin | Mathilde Arcel („Woman Unknown“) |
| Bester Schauspieler | John Malkovich („Wild Horse Nine“) |
| Spezialpreis der Jury (Dokumentarfilm) | Yuval Abraham & Rachel Szor („NAZA“) |
Für Kinobetreiber, Filmveranstalter und Programmverantwortliche in Österreich ergeben sich mehrere praktische Konsequenzen: Die ausgezeichneten Filme werden in den kommenden Monaten verstärkt bei Festivals, in Arthouse‑Kinos und eventuell bei retrospektiven Reihen zu sehen sein. Für Zuschauerinnen und Zuschauer bedeuten Festivalgewinne oft eine Empfehlung für künstlerisch anspruchsvolles Kino abseits großer Streaming‑Produktionen.
Meine Tipps, um die Festivalgewinner im Blick zu behalten:
- Programmkino‑Spielpläne prüfen und für Herbst/Winter vormerken.
- Regionale Filmfestivals beobachten – viele zeigen prämiertes Festivalkino.
- Filmplattformen und Verleiherseiten abonnieren; Festivalpreise beeinflussen Veröffentlichungspläne.
Die 83. Filmfestspiele von Venedig fanden ab dem 2. September statt und bestätigten einmal mehr ihre Rolle als Schaufenster für Autorenfilm und Entdeckungen. Ob die Debatte um die geringe Frauenquote zu einer nachhaltigen Veränderung in den Auswahlgremien führt, bleibt eine der offenen Fragen, die das Festival in den kommenden Jahren begleiten wird.