Die Kreisvolkshochschule Uckermark (KVHS) hat in einem Treffen mit Bewohnerschafts- und Werkstatträten der Stephanus-Stiftung konkrete Bedarfe von Menschen mit Behinderung aufgenommen und reagiert damit auf wachsende Nachfrage nach barrierearmen Bildungsangeboten. Vertreter der Einrichtungen, die Leitung der KVHS sowie Dozentinnen und regionale Koordinatoren berieten am 13. August gemeinsam über Kursformate und Lernziele.
Teilnehmer und Anliegen
An dem Austausch nahmen nach Angaben der KVHS unter anderem Wolfgang Kronfeldt, der Bewohnervertretungen des Templiner Waldhofs betreut, die Leiterin der Kreisvolkshochschule, Jeanette Stockmann de Caro, sowie der Regionalstellenleiter in Templin, Carsten Ablaß, teil. Ebenfalls anwesend waren Dozentinnen und Mitglieder der Bewohnerschafts- und Werkstatträte der Stephanus-Stiftung.
Die Teilnehmenden brachten persönliche Lernwünsche vor, die von grundlegender Lese- und Schreibförderung über Sprechtraining bis hin zu begleitenden Ausflügen reichten. Als bereits etabliertes Angebot wurde das Lerncafé genannt, das regelmäßig besucht wird und den Teilnehmenden Raum zum Üben und Austauschen bietet.
Konkrete Bedürfnisse und bereits genutzte Angebote
- Kommunikationsförderung: Ein Teilnehmer äußerte den Wunsch, deutlichere Aussprache zu erlernen.
- Grundbildung: Lesen und Schreiben stehen weiterhin auf der Agenda einzelner Bewohnerinnen und Bewohner.
- Soziale Teilhabe: Exkursionen, etwa Fahrten nach Berlin, wurden als wichtige Möglichkeit genannt, neue Orte und Menschen kennenzulernen.
„Ich möchte deutlicher sprechen lernen.“
Dieses Zitat eines Teilnehmers zeigt, wie direkt die Anliegen formuliert wurden und wie praxisnah die Erwartungen an die Volkshochschule sind.
Das Lerncafé als Praxisbeispiel
Das Lerncafé der KVHS wird als konkretes Angebot genannt, das bereits genutzt wird und positive Effekte für die Teilnehmenden hat. Ein Bewohner beschreibt, wie er dort Texte am Computer verfasst und sich dadurch in der Arbeitssituation besser einbringen kann. Die feste Struktur des Angebots schafft Verlässlichkeit und Lernfortschritte.
| Angebot | Wochentage | Zeiten |
|---|---|---|
| Lerncafé | Montag, Mittwoch | Montag: 13:00–16:00, Mittwoch: 09:00–13:00 |
Folgen und Perspektiven
Der gemeinsame Austausch zwischen Volkshochschule und Vertretungen betreuter Einrichtungen kann Modellcharakter für eine stärkere Ausrichtung kommunaler Bildungsangebote haben. Die KVHS signalisiert durch ihr offenes Entgegenkommen, bestehende Formate anzupassen und neue Kurse zu entwickeln, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung zugeschnitten sind. Für die Teilnehmenden bedeutet das konkret:
- erhöhte Bildungs- und Beschäftigungsfähigkeit durch gezielte Qualifizierungsangebote;
- mehr soziale Integration durch gemeinsame Exkursionen und Treffpunkte;
- Verbesserung von Alltagskompetenzen wie Lesen, Schreiben und mündlicher Kommunikation.
Die Initiative zeigt, dass niedrigschwellige Angebote wie Lerncafés und begleitete Kurse eine Brücke zwischen stationären Einrichtungen und offener Bildungsarbeit schlagen können. Entscheidend wird sein, wie die KVHS Ressourcen, Lehrkräfte und barrierefreie Materialien langfristig bereitstellt und wie Träger und Kommune dauerhafte Kooperationen etablieren.
In der Uckermark bleiben die nächsten Schritte nach dem Treffen abzuwarten: Konkret wurden bereits Bedarfe formuliert, nun geht es um die Umsetzung in curricularen Angeboten, Finanzierung und die Fortbildung von Lehrkräften für inklusionsgerechte Didaktik. Das Treffen markiert jedoch einen klaren Impuls hin zu mehr Teilhabe durch Bildung in der Region.
Der Austausch zwischen Bewohnerschaften, Werkstätten und der KVHS ist ein Beispiel dafür, wie öffentliche Bildungsinstitutionen ihre Angebote öffnen können, wenn sie die Perspektiven der Betroffenen ernst nehmen und strukturelle Anpassungen prüfen.