Düsseldorf – In Nordrhein-Westfalen hat die Rückkehr vieler Schulen zur neunjährigen Gymnasialzeit (G9) zu einem spürbaren Rückgang der Abiturientenzahlen geführt: Nach Angaben des Bildungsportals des Schulministeriums legten 2026 rund 30.000 Schülerinnen und Schüler ihr Abitur ab, im Vorjahr waren es noch etwa 78.000. Trotz dieses starken Einbruchs bleibt die Wohnraumsituation für Studienanfänger in den großen Hochschulstädten angespannt.
Hohe Nachfrage in Kölner Wohnheimen
Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt: In städtischen Studierendenwerken herrscht weiter großer Druck. Das Studierendenwerk Köln verzeichnet sogar mehr Bewerbungen als im Vorjahr. „Wir haben immer noch eine große Nachfrage“, teilte der Pressesprecher des Werkes mit. Nach Angaben des Hauses lagen 2025 rund 2.700 Bewerbungen vor; für 2026 sind es bisher 2.829.
„Wir haben immer noch eine große Nachfrage“, sagte der Pressesprecher des Kölner Studierendenwerks.
Die Zahlen zeigen, dass die reine Versorgung mit Wohnheimplätzen nicht allein von der Zahl der Abiturienten abhängt, sondern von einer längerfristigen Angebots-Nachfrage-Dynamik in beliebten Städten.
Wartelisten in Aachen und Münster
In Aachen steht einer Sprecherin zufolge derzeit eine erhebliche Zahl Studierender auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz. Demnach liegen rund 11.000 Interessenten gegenüber etwa 5.000 vorhandenen Wohnheimplätzen. Nur ein kleiner Teil dieser Kapazität wird pro Semester frei – ein Verhältnis, das den Druck auf dem Markt seit Jahren verdeutlicht.
Auch in Münster berichten die Verantwortlichen von vollen Bewerberlisten. Das Studierendenwerk Münster führt ergänzend wie in früheren Jahren Notunterkünfte, hier sind es zusätzlich 29 Plätze, die bereitgestellt werden. Diese Kapazitäten reichen aber nach Einschätzung der Behörden nicht aus, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum substanziell zu decken.
Sozialer Wohnraum bleibt knapp
Finanzielle Engpässe vieler Studierender verschärfen die Situation weiter: Günstiger und sozial geförderter Wohnraum wird nach Einschätzung des Studierendenwerks Bielefeld deutlich häufiger nachgefragt als angeboten. Der Geschäftsführer des Werkes weist darauf hin, dass es einen anhaltend hohen Bedarf an bezahlbaren Wohnungen gebe.
- Starker Rückgang der Abiturjahrgänge 2026 in NRW: rund 30.000 statt 78.000 (2025)
- Hohe Bewerberzahlen in Kölner Wohnheimen: 2.829 Bewerbungen 2026 (gegenüber 2.700 2025)
- Riesiges Ungleichgewicht in Aachen: 11.000 Wartende bei rund 5.000 Plätzen
- Begrenzte Notunterkünfte: in Münster wie in Vorjahren 29 zusätzliche Plätze
Regionale Folgen und Auswege
Die dargestellte Schieflage hat lokale Folgen: Lange Anfahrtswege, erhöhte Mietpreise in Studentenvierteln und zusätzlicher Druck auf bereits knappe günstige Wohnungen sind zu erwarten. Hochschulen und Studierendenwerke setzen weiter auf eine Mischung aus kurz- und mittelfristigen Maßnahmen – Ausbau von Wohnheimkapazitäten, Kooperation mit privaten Anbietern, Vermittlungsplattformen und zeitlich befristete Notunterkünfte. Konkrete Bauprojekte oder zusätzliche Förderprogramme wurden in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Für Studieninteressierte und aktuelle Studierende bedeutet das: Rechtzeitige Bewerbung bei Wohnheimen, Nutzung von Plattformen zur WG-Suche und frühzeitige Kontaktaufnahme mit den Studierendenwerken sind ratsam. Ebenfalls wichtig: Informationen über soziale Wohnungsangebote und Beratungsstellen einholen, da finanzielle Unterstützung und sozial geförderte Plätze begrenzt sind.
| Ort | Bewerbungen / Warteliste | Verfügbare Plätze |
|---|---|---|
| Köln | 2.829 Bewerbungen (2026) | nicht spezifiziert |
| Aachen | ~11.000 Wartende | ~5.000 Plätze |
| Münster | voll belegte Listen | zusätzlich 29 Notunterkunftsplätze |
Fazit
Der deutliche Rückgang der Abiturientenzahlen in diesem Jahr hat in Nordrhein-Westfalen nicht automatisch zu einer Entspannung auf dem Wohnungsmarkt für Studierende geführt. In Ballungsräumen bleiben Wohnheimplätze knapp, Wartelisten lang und die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum hoch. Kurzfristige Notlösungen können Engpässe lindern, langfristig sind jedoch systematische Investitionen in studentischen und sozialen Wohnraum erforderlich, um die Versorgungslage nachhaltig zu verbessern.
Deniz Sahin, Korrespondent Nordrhein-Westfalen, WE NEWS.