Die Brandenburger Polizei hat nach der Sabotage am Umspannwerk nahe dem Kraftwerk Jänschwalde die Ermittlungen erweitert und führt unter anderem Verfahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das Brandenburger Polizeipräsidium in Potsdam teilte mit, die Ermittlungen richteten sich zugleich gegen die Störung öffentlicher Betriebe, das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und die Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel.
Suche nach Beweisen und Absperrungen
Nach Angaben der Polizei dauern die Maßnahmen am Tatort an. Einsatzkräfte durchkämmen die betroffene Fläche, um weitere Spuren zu sichern. In diesem Zusammenhang komme es zu großflächigen Sperrungen; nähere Details dazu wurden mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht genannt. Ziel der Maßnahmen sei es, die Tat exakt zu rekonstruieren und mögliche Tatbeteiligte zu identifizieren.
Angriff mit leitfähigem Material
Landesinnenminister Jan Redmann (CDU) beschrieb im Innenausschuss des Landtags die Vorgehensweise der Täter: Demnach hätten die bislang Unbekannten leitfähiges Material in die Höchstspannungsleitungen eingebracht, wodurch es zu Kurzschlüssen kam. Nach Redmanns Darstellung erreichte von mehr als einem Dutzend eingesetzter "raketenähnlicher Gegenstände" lediglich ein Geschoss das vorgesehene Ziel und stellte eine leitfähige Verbindung zur Erde her.
„Dass wir da verdammtes Glück gehabt haben“,
so Redmann über das Ausbleiben einer noch schwereren Schadensfolge. Er betonte zugleich, die eingesetzten Flugkörper seien nicht mit handelsüblichen Silvesterraketen gleichzusetzen, wohl aber in der Wirkung vergleichbar.
Unklarheiten zu Täterschaft und Motiv
Nach aktuellem Erkenntnisstand liegt weder ein Bekennerschreiben vor noch gebe es Hinweise, dass eine fremde Macht mit geheimdienstlichen Mitteln hinter der Tat stehe, sagte das Innenministerium. Die Ermittlungen würden in alle Richtungen geführt. Die Behörden vermeinten eine Abweichung zur bisherigen Musterlage: Die Tatausführung unterscheide sich nach bisherigem Kenntnisstand von früheren Anschlägen auf die Stromversorgung, die in der Vergangenheit der linksextremistischen Szene zugeordnet worden seien.
Konkrete Ermittlungsansätze
Die Polizeiarbeit konzentriert sich nach eigenen Angaben derzeit auf folgende Punkte:
- Sicherung und Auswertung von Spuren am Tatort
- Ermittlung nach möglichen Beobachtungen im Umfeld der Hochspannungsleitungen
- Analyse der eingesetzten „raketenähnlichen“ Vorrichtungen und des leitfähigen Materials
- Abgleich mit vergleichbaren Vorfällen
Gefahrenpotenzial und Folgen
Die Sabotage führte zu einer kurzzeitigen Unterbrechung von Stromleitungen in der Region südlich von Cottbus. Konkrete Ausfälle in Haushalten oder Industrie nannte die Polizei zunächst nicht. Minister Redmann warnte vor den potenziellen Folgen: Durch die gezielte Herbeiführung von Kurzschlüssen können Leitungen und Umspannwerke schwer beschädigt werden; in der Folge stünden Versorgungssicherheit und Gefährdungslagen für Menschen sowie kritische Infrastrukturen im Raum.
| Tatort | Betroffenes Objekt | Ermittlungsstände |
|---|---|---|
| Turnow-Preilack (Grenze zu Sachsen) | Höchstspannungsleitungen/Umspannwerk nahe Kraftwerk Jänschwalde | Ermittlungen wegen Terrorverdachts, Spurensicherung vor Ort |
Offene Fragen bleiben
Trotz der laufenden Maßnahmen gibt es zur Motivation der Täter, zu ihrer Zahl und zur Herkunft der eingesetzten Materialien bislang keine belastbaren Informationen. Die Behörden betonten, dass weitere Details nicht veröffentlicht würden, um die Ermittlungen nicht zu gefährden.
Für die Bevölkerung bedeuten die Ermittlungen vor allem erhöhte Präsenz von Einsatzkräften in der Region und mögliche Verkehrs- oder Zutrittssperren im unmittelbaren Umfeld der betroffenen Infrastruktur. Die Landesregierung sowie die Betreiber des Stromnetzes arbeiten nach eigenen Angaben eng zusammen, um Versorgungssicherheit weiterhin zu gewährleisten und Folgeschäden auszuschließen.
Die Polizei bittet Zeugen, die im relevanten Zeitraum Beobachtungen gemacht haben oder Hinweise zu Personen im Umfeld der Leitungen geben können, sich zu melden. Angaben zu einer möglichen Belohnung, Meldekanälen oder Kontaktstellen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Die Ermittlungen dauern an; weitere Erkenntnisse sollen veröffentlicht werden, sobald sie die Ermittlungsarbeit nicht beeinträchtigen.