Düsseldorf. Die SPD in Nordrhein-Westfalen fordert ein landesweites Programm zur Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum. Anlass sind deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede beim Sicherheitsgefühl, insbesondere nach Einbruch der Dunkelheit. Die Partei spricht von einem Eingriff in Mobilität, Freizeitverhalten und gesellschaftliche Teilhabe, wenn Frauen den öffentlichen Raum aus Angst meiden.
Deutliche Zahlen zeigen nächtliche Unterschiede
Nach Angaben einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Bundeskriminalamts gab nur noch knapp jede fünfte Frau in NRW 2024 an, sich nachts auf Straßen, Wegen oder Plätzen „eher“ oder „sehr“ sicher zu fühlen. Bei den Männern stimmte dieser Einschätzung etwa jeder zweite zu. In weiteren Bereichen – etwa an Bahnhöfen, in Bussen und Bahnen oder in Parks – lag das Sicherheitsgefühl der Männer nachts demnach um mehr als 20 Prozentpunkte über dem der Frauen.
Für die eigene Wohngegend wichen die Angaben etwas ab: Hier nannten 61 Prozent der Frauen, nachts in ihrem Viertel sicher zu sein; bei den Männern lag der Wert bei rund 80 Prozent. Tagsüber hingegen waren die Werte in diesem Bereich bei beiden Geschlechtern vergleichbar und lagen bei etwa 97 Prozent.
SPD: Frauen sollen an Planung beteiligt werden
Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Lisa Kapteinat, betonte, dass Frauen in Planungsprozesse einbezogen werden müssten. Sie argumentiert, dass viele Unsicherheitsgefühle aus eigener Erfahrung bekannt seien und deshalb gezielt beseitigt werden könnten. Das Land solle die Kommunen bei einer frauenfreundlichen Stadtplanung stärker unterstützen und „Angsträume“ sichtbar machen.
„Frauen müssen stärker an der Gestaltung des öffentlichen Raums beteiligt werden.“
Konkrete Maßnahmen: Safety Walks und städtebauliche Veränderungen
Als konkrete Instrumente werden unter anderem sogenannte „Safety Walks“ mit der Polizei genannt, bei denen unsichere Orte gemeinsam identifiziert werden sollen. Zudem wird eine stärkere Berücksichtigung von Gender-Perspektiven in der Stadtplanung gefordert: Beleuchtung, Sichtachsen, Nutzungsmischung, Aufenthaltsqualität und Verkehrsführung können laut SPD Einfluss auf das Sicherheitsgefühl haben.
- Erfassung „Angsträume“ durch lokale Begehungen mit Polizei und Bürgerinnen
- Berücksichtigung weiblicher Alltagsroutinen in Planungsprozessen
- Finanzielle Unterstützung der Kommunen für konkrete Umgestaltungen
Folgen für Alltag und Teilhabe
Die SPD weist darauf hin, dass eingeschränktes Sicherheitsgefühl nicht nur individuelles Unwohlsein bedeutet. Einschränkungen bei nächtlicher Mobilität, Rückzug aus städtischem Leben und geringere Nutzung öffentlicher Angebote beeinflussen laut Partei auch gesellschaftliche und demokratische Teilhabe. Das betrifft Berufspendlerinnen, Menschen in Schichtarbeit, Studierende sowie Eltern mit Kindern.
Wozu das Land beitragen kann
Konkrete Aufgaben, die das Land übernehmen könnte, sind die Bereitstellung von Fördermitteln, Fachberatung für Kommunen sowie die Einbindung von Sicherheits- und Gender-Expertise in Planungsleitlinien. Die SPD fordert zudem eine bessere Datengrundlage, um zu erfassen, wo Unsicherheiten besonders ausgeprägt sind und welche Maßnahmen wirken.
| Kontext | Frauen (Nächtlich) | Männer (Nächtlich) |
|---|---|---|
| Straßen, Wege, Plätze | ~20 % | ~50 % |
| Eigene Wohngegend | 61 % | ~80 % |
| Tagsüber (Wohngegend) | ~97 % | ~97 % |
Kritische Fragen an Umsetzung und Finanzierung
Offen bleibt, wie ein mögliches Programm konkret finanziert und gesetzlich verankert werden könnte. Auch die Abstimmung mit bereits bestehenden kommunalen Sicherheitskonzepten sowie die Wirksamkeit einzelner baulicher oder organisatorischer Maßnahmen müssen geprüft werden. Eine Erfolgskontrolle wäre wichtig, damit Investitionen messbaren Nutzen für das Sicherheitsgefühl und die tatsächliche Sicherheit bringen.
Die Debatte in NRW zeigt: Sicherheit im öffentlichen Raum ist ein Thema mit großer geschlechtsspezifischer Divergenz. Die SPD setzt darauf, dass partizipative Planungsprozesse und gezielte Maßnahmen dazu beitragen können, diesen Unterschied zu verringern – sofern Land und Kommunen bereit sind, Ressourcen und Planungskapazität zu bündeln.