Der extreme Sommer mit gebrochenen Temperaturrekorden hat im Schleswig-Holsteinischen Landtag eine Debatte über besseren Hitzeschutz ausgelöst. Die SPD-Fraktion forderte am Donnerstag die Erstellung eines umfassenden Hitzeaktionsplans für das nördlichste Bundesland und kritisierte die schwarz-grüne Landesregierung, das Thema nicht ernst genug zu nehmen.
SPD verlangt konkrete Maßnahmen
In ihrer Rede verwies die SPD-Abgeordnete Birte Pauls auf die außergewöhnlichen Werte des Sommers: „Am letzten Wochenende im Juni hatten wir in Schleswig-Holstein Temperaturen von bis zu 38 Grad messen können“, sagte Pauls. Als Folge seien zahlreiche Veranstaltungen abgesagt worden, unter anderem um Teilnehmende sowie Hilfsorganisationen und Rettungsdienste vor Überlastung zu schützen.
„Und das war auch richtig so.“
Pauls wies zudem auf die bisher registrierten hitzebedingten Todesfälle hin und betonte, Hitzeschutz sei immer auch Gesundheitsschutz. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden in diesem Jahr bundesweit rund 14.000 hitzebedingte Sterbefälle geschätzt; allein in der besonders heißen 26. Kalenderwoche seien es 9.600 gewesen. In Schleswig-Holstein seien bisher 70 solcher Todesfälle registriert worden, so Pauls.
Besonders gefährdete Gruppen im Fokus
Die SPD machte deutlich, dass viele der Betroffenen zu vulnerablen Gruppen zählen: Patientinnen und Patienten in Krankenhäusern, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen, chronisch Kranke, Kinder sowie Obdachlose. Pauls betonte, dass die traditonell kühleren Verhältnisse in Schleswig-Holstein nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass auch hier Schutzmaßnahmen dringend nötig seien.
Als zentrale Forderungen nennt die SPD im Antrag folgende Punkte:
- Ermittlung des landesweiten Bedarfs an Klimaanpassungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit Krankenhaus‑ und Pflegeeinrichtungen.
- Unterstützung bei der Erarbeitung und Umsetzung von Hitzeschutzkonzepten.
- Förderung klimaresilienter Pflegeeinrichtungen.
- Stärkung des Schutzes vulnerabler Gruppen, zum Beispiel durch erweiterte Trinkwasserangebote im öffentlichen Raum.
Landesregierung in der Pflicht?
Die SPD warf der schwarz-grünen Landesregierung vor, das Thema nicht ausreichend zu behandeln. Konkrete Erwiderungen aus der Regierung lagen zur Debattezeit nicht in vollem Wortlaut vor; Vertreterinnen und Vertreter der Koalition müssen sich nun zu den vorgeschlagenen zentralen Schritten äußern.
Kontext: Klima, Gesundheit und Infrastruktur
Die Forderungen der SPD fügen sich in eine bundesweite Diskussion über die Folgen häufiger werdender Hitzewellen ein. Gesundheitliche Risiken und infrastrukturelle Herausforderungen, etwa für Krankenhäuser und Rettungsdienste, stehen dabei ebenso im Blick wie soziale Fragen: Wer sorgt für ausreichend kühlende Aufenthaltsräume, Trinkwasserstellen oder mobil erreichbare Angebote für Menschen ohne festen Wohnsitz?
| Angabe | Zahl |
|---|---|
| Geschätzte hitzebedingte Sterbefälle deutschlandweit (Jahr) | 14.000 |
| Davon in der 26. Kalenderwoche | 9.600 |
| In Schleswig-Holstein registrierte hitzebedingte Todesfälle | 70 |
| Maximal gemessene Temperatur in SH (Ende Juni) | 38 °C |
Was jetzt zu tun wäre
Fachpolitisch geht es nun darum, den Vorschlag der SPD in konkrete Arbeitspakete zu überführen: Bedarfserhebungen in Kliniken und Pflegeeinrichtungen, Förderprogramme für Gebäudesanierung und Klimaanpassung, sowie koordinierte Schutzkonzepte für Veranstaltungen und öffentliche Räume. Ebenfalls erforderlich sind klare Zuständigkeiten auf kommunaler und Landesebene sowie eine Finanzierungsperspektive für mögliche Maßnahmen.
Wie sich die Landesregierung positionieren wird und welche konkreten Schritte daraus folgen, bleibt abzuwarten. Für Schleswig-Holstein geht es um die Frage, wie das Land seine Gesundheits- und Sozialinfrastruktur besser gegen die zunehmenden Folgen extremer Hitze wappnen kann.
Korrespondent: Malte Boysen, WE NEWS, Kiel.