In Sachsen-Anhalt öffnen am Wochenende des 19. und 20. September wieder zahlreiche Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeitsräume: Beim landesweiten Projekt „Offene Ateliers“ sind in diesem Jahr rund 90 Ateliers beteiligt, in denen insgesamt 154 Kunstschaffende Einblicke in ihre Werkstätten, Ateliers und Druckwerkstätten geben. Die Aktion findet zum 30. Mal statt und erstreckt sich von den größeren Städten bis in ländliche Regionen des Bundeslandes.
Arbeitsprozesse statt nur fertiger Werke
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen laut Veranstaltern nicht nur ausgestellte Kunstwerke, sondern vor allem die Räume und Arbeitsprozesse, in denen Kunst entsteht. Besucherinnen und Besucher können Techniken kennenlernen, laufende Projekte ansehen und direkt mit den Kunstschaffenden ins Gespräch kommen. Neben Malerei und Fotografie gehören auch Schmuck, Druckgrafik und Installationen zu den gezeigten Sparten.
Regionale Vielfalt und niedrigschwellige Teilnahme
Die beteiligten Standorte verteilen sich über das ganze Land: von Halle (Saale) über Naumburg bis in die Altmark. Die Aktion richte sich bewusst nicht nur an Kunstinteressierte in den Städten, sondern wolle auch ländliche Regionen erreichen, heißt es in der Ankündigung. Der Eintritt zu den offenen Ateliers ist grundsätzlich frei.
Workshops und neue Teilnehmerinnen
Einzelne Künstlerinnen bieten auch Mitmachformate an: So hat die Künstlerin Kerstin Rice im Druckatelier Rittergut Schönberg in Seehausen experimentelle Workshops geplant, bei denen Besucher Linolschnitt, Kleisterdruck und Kombinationstechniken ausprobieren können. In Naumburg beteiligt sich erstmals die Künstlerin Laura Baginski; ihr Werk fokussiert sich auf weibliches Erleben sowie auf stereotype Natur-, Körper- und Rollenbilder.
Kooperationen vor Ort
In Halle öffnen Díaz Hublitz Voigt Schwartz und die benachbarte Künstlerin Sophie Wirth gemeinsam ihre Räume in der Paracelsusstraße. Zu sehen sind dort unter anderem Schmuck, Fotografie, Objekte und Installationen. Solche Nachbarschaftskooperationen erleichtern den Besuchenden den Zugang zu unterschiedlichen künstlerischen Positionen an einem Ort.
Herausforderungen: Hohe Mieten
„Das Atelier ist ein zentraler Ort künstlerischer Produktion“, sagte die Geschäftsführerin des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt, Ruth Heftrig.
Heftrig machte zugleich auf ein strukturelles Problem aufmerksam: Viele Kunstschaffende könnten aufgrund hoher Ateliermieten nicht an der Aktion teilnehmen, da sie sich kein externes Atelier leisten könnten. Die Aussage verweist auf eine längerfristige Herausforderung für die freie Szene, deren Produktionsbedingungen von steigenden Kosten und knapper Förderlandschaft beeinflusst werden.
- Datum: 19. und 20. September
- Teilnehmende Ateliers: rund 90
- Teilnehmende Kunstschaffende: 154
- Eintritt: grundsätzlich frei
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Termine | 19.–20. September |
| Anzahl Ateliers | ~90 |
| Anzahl Kunstschaffende | 154 |
| Edition | 30. Jahr |
Bedeutung für Publikum und Szene
Für Besucherinnen und Besucher bietet die Veranstaltung eine seltene Möglichkeit, Produktionsprozesse und handwerkliche Techniken direkt zu erleben und persönliche Gespräche mit den Urheberinnen und Urhebern zu führen. Für die Akteurinnen und Akteure ist die Aktion eine wichtige Plattform, um neue Publikumskontakte zu knüpfen, Verkäufe zu tätigen und auf die eigenen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen.
Praktische Hinweise
Die Veranstalter empfehlen, sich vorab über die Öffnungszeiten und speziellen Angebote einzelner Ateliers zu informieren, da nicht alle Räume durchgehend geöffnet sind und manche Formate begrenzte Teilnehmerzahlen haben. Wer gezielt an Workshops teilnehmen möchte, sollte mögliche Anmeldebedingungen prüfen.
Die „Offenen Ateliers“ zeigen damit einmal mehr die Vielfalt der Kunstlandschaft in Sachsen-Anhalt – gleichzeitig machen sie auf strukturelle Probleme aufmerksam, die die Produktionsmöglichkeiten vieler Kunstschaffender einschränken.