Vier Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres in Oberösterreich sind weiterhin 162 Lehrerstellen — sowohl in Voll- als auch in Teilzeit — unbesetzt. Das geht aus aktuellen Angaben der Bildungsdirektion des Bundeslandes hervor. Betroffen sind vor allem Allgemeine Pflichtschulen (Volksschulen und Mittelschulen), während an höheren Schulen nach Angaben der Behörde die Stellen weitgehend besetzt seien.
Verteilung der offenen Stellen und betroffene Fächer
Besonders stark nachgefragt werden Lehrkräfte für die Kernfächer Deutsch, Englisch und Mathematik. Darüber hinaus bleiben Stellen in den Naturwissenschaften, in der inklusiven Pädagogik sowie in Bewegung und Sport unbesetzt; auch Religionslehrkräfte werden gesucht. Die Bildungsdirektion kündigte an, für die Allgemeine Pflichtschule eine weitere Ausschreibungsrunde ab dem 27. August zu starten.
- 162 unbesetzte Voll- und Teilzeitstellen
- Rund 22.000 Lehrkräfte insgesamt im Bundesland
- Dies entspricht etwa 0,74 Prozent der Stellen
- Oberösterreich belegt im Ländervergleich Rang 8, nur Vorarlberg ist stärker betroffen
Wie die Bildungsdirektion die Lage einschätzt
Die Bildungsdirektion zeigt sich nach eigenen Angaben trotz der offenen Stellen zuversichtlich. Auf Grundlage früherer Jahre geht die Behörde davon aus, dass die offenen Stunden an den Allgemeinen Pflichtschulen vor Schuljahresbeginn noch abgedeckt werden können. Als mögliche kurzfristige Maßnahmen nennt sie unter anderem die Neuausschreibung frei gewordener Stellen sowie den gezielten Einsatz von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern.
„Gemäß den Erfahrungen aus den Vorjahren gehen wir davon aus, dass die offenen Stunden an den APS abgedeckt werden können und der Schulstart im Herbst gut gelingen wird.“
Als weitere Notfalloptionen werden in der Debatte Überstunden und fachfremder Unterricht genannt. Solche Maßnahmen gelten jedoch meist als temporäre Lösungen und belasten bestehendes Personal zusätzlich.
Politische Reaktionen und strukturelle Probleme
Die Grünen kritisieren die Situation als dauerhaftes Problem, das sich jedes Jahr insbesondere zum Schulbeginn zuspitze. Der Bildungssprecher der Partei bezeichnete das wiederkehrende Aushilfsmanagement als unbefriedigende Praxis und forderte strukturelle Maßnahmen, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Dazu gehöre insbesondere eine Entlastung der Lehrkräfte von administrativen Aufgaben und Bürokratie. Fehle es an solchen Reformen, werde es nach Ansicht der Grünen beim „permanenten Löcher-Stopfen“ durch Überstunden und fachfremden Unterricht bleiben.
Die Kritik verweist auf längerfristige Herausforderungen: Demografischer Wandel, arbeitsorganisatorische Belastungen und mangelnde Entlastung durch Verwaltungstätigkeiten können die Attraktivität des Berufs mindern. Gleichzeitig stellt die kurzfristige Deckung offener Stellen durch Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger die Forderung nach Qualitätssicherung vor Herausforderungen, insbesondere bei Kernfächern wie Deutsch, Mathematik und Fremdsprachen.
Kurzer Blick auf die Zahlen
| Gesamtlehrkräfte | ~22.000 |
|---|---|
| Unbesetzte Stellen | 162 |
| Prozentualer Anteil | 0,74 % |
| Platz im Ländervergleich | 8 (nur Vorarlberg schlechter) |
Für den kommenden Schulstart bleibt somit unklar, inwieweit die angekündigten Maßnahmen ausreichen werden, um Unterrichtsausfall zu vermeiden und die Qualität an den betroffenen Standorten zu sichern. Die Bildungsdirektion setzt auf Erfahrungswerte und weitere Ausschreibungen; die politischen Forderungen zielen hingegen auf nachhaltige Maßnahmen zur Entlastung und Attraktivitätssteigerung des Lehrberufs.
Konkrete Aussagen darüber, wie viele der offenen Stellen bereits durch Bewerbungen abgedeckt sind oder wie viele Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger eingeplant werden, machte die Bildungsdirektion bisher nicht. Ebenso liegen keine detaillierten regionalen Aufschlüsselungen der offenen Posten vor, die Aufschluss über besonders betroffene Gemeinden geben würden.
Vor dem Hintergrund des anstehenden Schuljahres dürfte die Entwicklung in den nächsten Wochen zeigen, ob kurzfristige Maßnahmen ausreichen oder ob die Diskussion um strukturelle Reformen in der Bildungsverwaltung an Dringlichkeit gewinnt.