In der Folge des Formats „VORANGEDACHT“ vom 3. September 2026 skizziert die Bildungsreformerin Margret Rasfeld eine umfassende Vision für das deutsche Schulsystem. Rasfeld, Gründerin mehrerer Bildungsinitiativen, fordert eine Abkehr von reinem Leistungsdenken hin zu Schulen, die Kreativität, Eigenverantwortung und Gemeinschaft stärken.
Kernaussagen der Bildungsinnovatorin
Im Gespräch mit t-online-Chefredakteur Florian Harms benannte Rasfeld zentrale Mängel des gegenwärtigen Systems: ausgeprägter Leistungsdruck, vermehrte Fälle von Burnout und eine Bildungspraxis, die häufig an den tatsächlichen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen vorbeigehe. Ihre Kritik richtet sich weniger gegen einzelne Akteure als gegen Strukturen, die nach ihrer Auffassung verhindert, dass junge Menschen befähigt werden, ihre Zukunft aktiv zu gestalten.
Rasfeld hob hervor, dass Lehrkräfte nicht primär als Wissensvermittler, sondern als Lernbegleiter agieren sollten. Dabei spielen pädagogische Konzepte eine Rolle, die auf Autonomie, Mitbestimmung und projektorientiertes Lernen setzen. Für sie sind Mut und Innovation die zentralen Voraussetzungen, um Schulen neu zu denken und die Bildungsqualität nachhaltig zu verbessern.
Konkrete Ansatzpunkte
Konkrete Reformschritte nannte Rasfeld in der Folge nur pointiert: Statt punktueller Anpassungen brauche es systemische Veränderungen, die Lehrkräfte befähigen, Lernumgebungen zu gestalten, in denen Schüler ihre Fähigkeiten praktisch erproben und Verantwortung übernehmen können. Zugleich betonte sie die Bedeutung von Unterstützungssystemen, damit Lehrkräfte diese veränderte Rolle überhaupt übernehmen können.
- Reduktion des Leistungsdrucks: Prüfungs- und Bewertungskonzepte überdenken, die zu Stress und Burnout führen.
- Stärkung der Selbstverantwortung: Lernformen fördern, die Eigeninitiative und Mitbestimmung der Schüler begünstigen.
- Lehrkräfte als Lernbegleiter: Professionelle Entwicklung und strukturelle Rahmenbedingungen schaffen, die diesen Rollenwandel unterstützen.
Rasfelds Ansatz zielt darauf ab, Schulen als Lebens- und Lernorte zu begreifen, in denen neben kognitiven auch soziale und kreative Kompetenzen gefördert werden. Sie betonte, dass solche Veränderungen nicht allein auf der Ebene individueller Schulen entschieden werden können, sondern eine Kombination aus lokaler Innovation und politischer Rahmensetzung benötigen.
Einordnung und mögliche Folgen
Die Forderungen Rasfelds treffen auf eine seit Jahren geführte Debatte: Wie viel Vermittlung von Standardwissen braucht ein modernes Bildungssystem, und wie viel Raum muss für individuelle Entfaltung bleiben? Diskussionen um leistungsgerechte Bewertung, Inklusion oder digitale Kompetenzen sind Teil dieses größeren Kontextes. Rasfeld ergänzt diese Diskussion mit einem klaren Fokus auf die Rolle der Lehrkräfte und auf die psychische Gesundheit von Schülern.
| Problem | Rasfelds Forderung |
|---|---|
| Leistungsdruck und Burnout | Bewertungssysteme überarbeiten, Stress reduzieren |
| Ungenutzte Potenziale der Schüler | Projektorientiertes und selbstbestimmtes Lernen fördern |
| Rolle der Lehrkräfte | Weiterbildung und Rahmenbedingungen für Lernbegleitung schaffen |
Welche konkreten Politikschritte aus diesen Vorschlägen folgen könnten, blieb in dem Gespräch offen. Entscheidend wird nach Ansicht vieler Experten sein, wie sich bildungspolitische Initiativen, Ressourcenausstattung und Lehrerfortbildung miteinander verbinden lassen, um nachhaltig Wirkung zu erzielen. Rasfeld plädiert dafür, Reformen nicht als Einmalmaßnahme, sondern als fortlaufenden Prozess zu denken.
Ihre Botschaft richtet sich an Schulen, Schulaufsichten und Bildungspolitik zugleich: Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, traditionelle Routinen zu hinterfragen, seien unerlässlich, wenn Schulen künftig mehr leisten sollen als die reine Wissensvermittlung. Damit verbunden ist die Forderung, Lehrkräfte als zentrale Akteure ernsthaft zu unterstützen, damit sie neue Rollen übernehmen können, ohne dabei zusätzliche Belastungen zu erfahren.