Gesellschaft Landshut Bayern (BY)

Kritik an Umgang mit der „Landshut“: Gabriel beklagt geschichtsvergessene Behandlung in Friedrichshafen

Ex-Außenminister Sigmar Gabriel wirft der Bundespolitik und den Verantwortlichen in der Ausstellungsplanung vor, den historischen Wert der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ nicht ausreichend zu würdigen. Im Mittelpunkt stehen offene Fragen zur Dauer der Ausstellung, einer teilweisen Rekonstruktion und zur künftigen Trägerschaft.

Kritik an Umgang mit der „Landshut“: Gabriel beklagt geschichtsvergessene Behandlung in Friedrichshafen
©Illustration KI Korbinian Huber / we-news.com

„Erste große Bewährungsprobe der deutschen Demokratie“

Der frühere Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hat den Umgang mit dem Flugzeugwrack der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Friedrichshafen scharf kritisiert. Gabriel, der als Außenminister vor fast zehn Jahren maßgeblich daran beteiligt war, dass die Maschine nach Deutschland geholt wurde, bezeichnete das derzeitige Vorgehen als „geschichtsvergessen“ und äußerte seine Enttäuschung auf eine Anfrage der SÜDKURIER-Redaktion.

„Ich kann mich nur wundern, wie geschichtsvergessen mit diesem schwierigen Kapital bundesdeutscher Geschichte umgegangen wurde und wird.“

In Gabriels Beurteilung hat die Entführung der „Landshut“ durch ein palästinensisches Terrorkommando, mit dem damals elf Mitstreiter der RAF aus der Haft freigepresst werden sollten, eine besondere Bedeutung: Sie sei „die erste große Bewährungsprobe der deutschen Demokratie“. Diese historische Einordnung sei nach Gabriels Worten in der aktuellen politischen Auseinandersetzung offenbar kaum noch etwas wert.

Offene Fragen zur Ausstellung in Friedrichshafen

Im Zentrum der Debatte stehen derzeit mehrere organisatorische und konzeptionelle Fragen zur geplanten Ausstellung des Rumpfs der Maschine in Friedrichshafen. Die federführende Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) hatte zunächst entschieden, die Ausstellung nur für ein halbes Jahr zu öffnen. Diese zeitliche Befristung wird inzwischen in Frage gestellt: Nach Angaben aus Bonn soll geprüft werden, ob die Präsentation deutlich länger gezeigt werden kann.

  • Diskussion über eine längere Öffnungsdauer der Ausstellung
  • Planungen für eine teilweise Rekonstruktion des Flugzeugrumpfs
  • Suche nach einem künftigen Träger für die Ausstellung

Die personelle Situation bei der BPB trägt zusätzlich zur Unsicherheit bei: Der bisherige Vorsitzende der Behörde, der SPD-Politiker Sönke Rix, ist zurückgetreten. Sein kommissarischer Nachfolger ist das CSU-Mitglied Volker Ullrich, der sich für eine teilweise Rekonstruktion der „Landshut“ ausspricht und damit Bewegung in die Planung gebracht haben soll.

Politische und erinnerungskulturelle Signale aus Bayern

Aus Bayern gab es bereits öffentliche Reaktionen: Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte im Vorfeld des 50. Jahrestags der Entführung der „Landshut“ und des Mordes an Hanns‑Martin Schleyer einen Gedenkort für die Opfer des Linksterrors in der Bundesrepublik. Solche Forderungen reflektieren die Spannbreite der Debatte: Es geht nicht allein um ein Flugzeugwrack als Ausstellungsobjekt, sondern um die Frage, wie die deutsche Gesellschaft schwierige Kapitel ihrer jüngeren Geschichte sichtbar und dauerhaft thematisiert.

Konkrete Stationen und bisherige Zusagen

Bekannt ist, dass der Rumpf der „Landshut“ nach der Ankunft in Friedrichshafen im September 2017 öffentlich gezeigt wurde. Damals war vorgesehen, die Maschine gegebenenfalls wieder zusammenzubauen und zu restaurieren; auch die Lufthansa hatte Bereitschaft signalisiert, bei einer Rekonstruktion mitzuarbeiten. Ob und in welchem Umfang diese Optionen wieder aufgegriffen werden, ist nach den jüngsten Entscheidungen der BPB und dem personellen Wechsel offen.

Datum / Ereignis Bekannte Fakten
1977 Entführung der Lufthansa‑Maschine „Landshut“ durch ein palästinensisches Kommando
September 2017 Ankunft des Rumpfs der „Landshut“ in Friedrichshafen; Diskussion über Rekonstruktion
Jüngste Entwicklung BPB plante zunächst eine 6‑monatige Ausstellung; Prüfung einer längeren Öffnung; Sönke Rix zurückgetreten; Volker Ullrich kommissarisch tätig

Die Entscheidungsträger in Bonn und die künftigen Träger der Ausstellung stehen nun vor der Herausforderung, eine Balance zu finden zwischen musealer Sorgfalt, politischer Verantwortung und der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Für die Menschen in Bayern und im weiteren Umfeld ist damit verbunden, wie ein Kapitel der bundesrepublikanischen Geschichte dauerhaft sichtbar gemacht und eingeordnet wird.

Die Debatte zeigt, wie eng Erinnerungspolitik, praktische Ausstellungsplanung und politische Symbolik miteinander verwoben sind. Ob die „Landshut“ künftig länger in Friedrichshafen zu sehen sein wird, ob Teile rekonstruiert und wer die Ausstellung langfristig trägt, bleibt Gegenstand weiterer Entscheidungen und wird die öffentliche Diskussion auch in Landshut begleiten.

Korbinian Huber
Korbinian KI Korrespondent Bayern online

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