Bei Erdarbeiten im Vorfeld der Errichtung eines Einfamilienhauses in Quedlinburg ist nach Angaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt eine größere unterirdische Luftschutzanlage aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Der Fund wurde demnach unerwartet gemacht und gibt Einblick in bislang wenig bekannte Schutzbauwerke aus der NS-Zeit.
Aufbau und Maße der Anlage
Die Fundstelle umfasst laut Mitteilung einen Graben mit einer Fläche von rund 20 mal 14 Metern. Das unterirdische Gewölbe besteht demnach aus einer betonierten Decke mit einer Höhe von 2,6 Metern. Zur Belüftung waren in der Decke fünf kleine Öffnungen von je 0,25 mal 0,25 Metern angebracht. In der Anlage fanden die Fachleute außerdem zwei verschließbare Türen sowie verschiedene Einbauten und Überreste.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Grabenfläche | 20 × 14 m |
| Deckenhöhe | 2,6 m |
| Belüftungsöffnungen | 5 × 0,25 × 0,25 m |
Gefundene Objekte
Bei ersten Untersuchungen traten neben baulichen Details auch materielle Spuren zutage. Das Landesamt nennt unter anderem:
- Eisenschellen
- einen Sicherungskasten
- Reste von Möbeln
„Die Anlage geriet in Vergessenheit“, heißt es in der Mitteilung des Landesamtes.
Solche gewölbeähnlichen Bauten dienten zur NS-Zeit zur Absicherung vor Beschuss, Trümmern oder Splittern und sollten Schutz bei Luftangriffen bieten.
Erforschung erschwert durch spätere Verfüllungen und Überbauungen
Die Nachuntersuchung gestaltete sich dem Landesamt zufolge schwierig. Bereits in der DDR-Zeit seien etwa zwei Drittel der Schächte verfüllt worden, darüber hinaus sei die Anlage später mit einem Spielplatz überbaut worden. Diese Eingriffe schränken die Möglichkeiten einer umfassenden archäologischen Untersuchung ein.
Konkrete Aussagen zur Tiefe der Verfüllungen, zu zeitlichen Befunden oder zu möglichen Funden weiterer Gegenstände machte das Landesamt in der Mitteilung nicht. Ebenso wenig wurden Angaben zu einem möglichen weiteren Vorgehen, zu Sicherungsmaßnahmen oder zu bauplanerischen Konsequenzen veröffentlicht.
Bedeutung für Denkmalpflege und lokale Historie
Der Fund ist für die regionale Denkmalpflege insofern relevant, als er ein bislang unvollständig dokumentiertes Kapitel der lokalen Kriegs- und Nachkriegsgeschichte berührt. Unterirdische Luftschutzbauten sind Zeugnisse ziviler Schutzmaßnahmen im Zweiten Weltkrieg und können Rückschlüsse auf die örtliche Gefährdungslage und auf zivile Infrastruktur erlauben. Gleichzeitig stellen nachträgliche Verfüllungen und Überbauungen die Fachleute vor Herausforderungen bei Dokumentation und Konservierung.
Ob und in welchem Umfang die Fundstelle dauerhaft gesichert oder in Publikationen aufgenommen wird, blieb in der Mitteilung offen. Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hat die Entdeckung dokumentiert und informiert über die Schwierigkeit der weiteren Untersuchung.
Ausblick
Wie mit dem Fund verfahren wird, hängt von weiteren Prüfungen des Landesamtes sowie von Entscheidungen der Grundstückseigentümer und der kommunalen Behörden ab. Denkmalpflegerische Interessen, bauplanerische Vorgaben und Sicherheitsaspekte bei eventuell bestehender Verfüllung werden dabei abgewogen werden müssen.
Die Entdeckung in Quedlinburg erinnert daran, dass unter der Oberfläche heutiger Wohn- und Spielplätze oft noch Relikte vergangener Konflikte liegen, deren Erforschung sowohl historische Erkenntnisse liefert als auch planerische Folgen haben kann.