In Brandenburg und Nordrhein-Westfalen haben Unbekannte innerhalb kurzer Zeit Anschläge auf die Stromversorgung verübt, die Ermittler halten in beiden Fällen Sabotage für wahrscheinlich. Nach Angaben der Behörden entstanden gefährliche Eingriffe in Höchstspannungsleitungen, in einem Fall wurden mehrere Kraftwerksblöcke vorsorglich abgeschaltet. Die Vorfälle sorgten am Mittwochabend für intensive Fahndungs- und Ermittlungsmaßnahmen.
Parallelen zwischen den Taten
Die Landespolizei und die Staatsanwaltschaft berichten von auffälligen Gemeinsamkeiten: In der Nähe des Umspannwerks Turnow-Preilack in Südbrandenburg versuchten Unbekannte am Dienstagmorgen nach Angaben des brandenburgischen Innenministers Jan Redmann (CDU), die Stromversorgung zu stören. Sie setzten dabei selbstgebaute Flugkörper ein, die Silvesterraketen ähnelten, um leitfähiges Material in Richtung der Höchstspannungsleitungen zu bringen. Nach bisherigen Erkenntnissen kam es dort zu keinen flächendeckenden Stromausfällen.
Nur wenig später meldete Nordrhein-Westfalen einen ähnlichen Angriff an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln. Dort hätten Unbekannte Kabel über eine Oberleitung gebracht, was einen Kurzschluss zur Folge hatte, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). Die Ermittler stufen auch diesen Vorfall als vorsätzliche Tat ein und prüfen, ob es sich um verfassungsfeindlich motivierte Sabotage handelt.
„Das war Absicht. Wer da rangeht, greift unser Land an.“ — Herbert Reul
Gefundene Vorrichtungen und Auswirkungen
Bei einer Suchaktion in einem Maisfeld bei Bergheim entdeckten Einsatzkräfte nach Angaben der Ermittler insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Diese Vorrichtungen waren so konstruiert, dass pyrotechnische Gegenstände einen Draht über die Stromleitungen führen konnten. In der Folge seien mehrere Kraftwerksblöcke abgeschaltet worden; nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei dadurch die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung bedroht gewesen.
Der Energieversorger RWE Power teilte am Abend mit, dass von fünf betroffenen Kraftwerksblöcken inzwischen drei wieder ans Netz gegangen seien. Für die verbleibenden zwei Blöcke werde eine Wiederinbetriebnahme im Laufe des kommenden Wochenendes erwartet.
Ermittlungsstand und Behördenreaktionen
Die zuständigen Staatsanwaltschaften und Landeskriminalämter prüfen derzeit, ob ein Zusammenhang zwischen den Taten in Brandenburg und in Nordrhein-Westfalen besteht. Neben den Abschussvorrichtungen seien an beiden Orten pyrotechnische Materialen gefunden worden, die möglicherweise schon länger installiert gewesen sein könnten. Die Ermittler erwägen deshalb eine überregionale Koordination der Spurensuche.
Innenminister Reul bewertete den Angriff in NRW scharf: Er sprach von einer gezielten Aktion gegen die öffentliche Sicherheit. Konkrete Täterhinweise wurden bislang nicht veröffentlicht; die Ermittlungen laufen.
Risiken für die Versorgungssicherheit
Die Vorfälle zeigen nach Auffassung der Behörden, wie verwundbar Teile der kritischen Infrastruktur sind, wenn Leitungen gezielt manipuliert werden. Ein Kurzschluss an einer Höchstspannungsleitung kann Kaskadeneffekte auslösen, die sowohl die Energieerzeugung als auch -verteilung beeinträchtigen.
- Ort der Vorfälle: Umspannwerk Turnow-Preilack (Südbrandenburg), Umspannwerk Bergheim (bei Köln)
- Gefundene Gegenstände: Abschussvorrichtungen, pyrotechnische Materialien
- Auswirkungen: Kurzschluss, Abschaltung mehrerer Kraftwerksblöcke; drei von fünf Blöcken wieder online
| Faktor | Brandenburg | Nordrhein-Westfalen (Bergheim) |
|---|---|---|
| Tatmittel | Selbstgebaute Flugkörper, leitfähiges Material | Abschussvorrichtungen, Pyrotechnik |
| Auswirkungen | Keine großflächigen Stromausfälle bekannt | Kurzschluss, Abschaltung mehrerer Kraftwerksblöcke |
| Bekannte Ordnungsmaßnahmen | Ermittlungen laufen | Teile wieder ans Netz; Ermittlungen laufen |
Bedeutung für die Bevölkerung und Infrastruktur
Für Bewohner in der betroffenen Region bedeuten solche Angriffe eine reale Gefahr: Unterbrechungen in der Stromversorgung treffen Krankenhäuser, Rettungsdienste, Verkehrssignale und private Haushalte. Obwohl im brandenburgischen Fall offenbar keine großflächigen Ausfälle registriert wurden, unterstreichen die Vorfälle den Handlungsbedarf für Schutzmaßnahmen an kritischen Anlagen.
Die Behörden rufen weiterhin zu Aufmerksamkeit in der Bevölkerung auf. Hinweise, die zur Aufklärung beitragen könnten, sollen umgehend an die Polizei weitergegeben werden. Zurzeit gibt es keine öffentlichen Hinweise auf unmittelbar bevorstehende weitere Angriffe.
Ausblick
Die Ermittlungen werden nun klären müssen, ob es sich um Einzeltaten oder um eine koordinierte Aktion handelt und ob eine politische Motivation vorliegt. Technische Analysen der gefundenen Vorrichtungen, Durchsuchungen und die Auswertung von Spuren an den Tatorten werden in den kommenden Tagen weiter vorangetrieben.
Für die betroffenen Netzbetreiber und Sicherheitsbehörden bleibt die Sicherung von Umspannwerken und Höchstspannungsleitungen eine dringende Aufgabe. Der Schutz kritischer Infrastruktur rückt nach den Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen in den Fokus einer intensiven bundesweiten Prüfung.