Ermittlungen in Dortmund gegen hochbetagenen Beschuldigten
In Dortmund führt die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen 105 Jahre alten Mann wegen des Vorwurfs der Beihilfe zum Mord. Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Behörde seit März. Die Zuständigkeit war aufgrund örtlicher Kompetenz von der Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg an Dortmund übergeben worden.
Ursprünglich hatte die Zentralstelle zwei Vorermittlungsverfahren gegen ehemalige Wachmänner des Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 VI K Senne an die Dortmunder Staatsanwaltschaft abgegeben. Ein zweiter, rund 100 Jahre alter Beschuldigter sei zwischenzeitlich verstorben, so die Sprecherin der Behörde.
„Bei recht guter Gesundheit“
Zur Verhandlungsfähigkeit der Beschuldigten äußerte die Staatsanwaltschaft, man prüfe grundsätzlich auch, ob der Betreffende noch verhandlungsfähig sei. Zu dem 105-Jährigen heißt es nach bisherigen Angaben, er sei noch „bei recht guter Gesundheit“. Konkrete Angaben zu möglichen Beweismitteln oder zum Ermittlungsstand machte die Behörde bislang nicht öffentlich.
Historischer Kontext des Lagers Stalag 326
Das Kriegsgefangenenlager Stalag 326 VI K Senne bestand von 1941 bis zum Kriegsende 1945. Es war ein Durchgangsort für zahlreiche sowjetische Kriegsgefangene, von denen jeder dritte, der nach Nazideutschland gebracht wurde, dem Lager zugeordnet worden sei. Im Lager waren zudem Gefangene aus Frankreich, Polen, Serbien, Italien und Belgien untergebracht.
| Ort | Zeitraum | Registrierte Kriegsgefangene | Befreiung |
|---|---|---|---|
| Stalag 326 VI K Senne | 1941–1945 | 180.000–200.000 | 2. April 1945 (durch die U.S.-Army) |
Nach Informationen der Gedenkstätte wurden die Kriegsgefangenen unter anderem zur Arbeit in produzierenden Unternehmen, Betrieben und der Rohstoffgewinnung eingesetzt. Die Bedingungen im Lager führten zu einer hohen Belastung und zahlreichen Opfern.
Folgen für die lokale Erinnerung und Justiz
Die Übergabe von Fällen an die Dortmunder Staatsanwaltschaft durch die Ludwigsburger Zentralstelle folgt dem Prinzip der örtlichen Zuständigkeit. Solche Verfahren rücken lokale Gedenkarbeit, Erinnerungsorte und die Verantwortung der Justiz in den Vordergrund. Gerade in Dortmund und der näheren Region stehen Gedenkstätten und Initiativen, die sich mit der NS-Vergangenheit beschäftigen, seit Jahren im Austausch mit Ermittlungsbehörden und Historikern.
- Die Ermittlungen gegen den 105-Jährigen laufen seit März.
- Die Zentralstelle in Ludwigsburg hatte das Verfahren weitergegeben.
- Ein weiterer Beschuldigter (ca. 100 Jahre) verstarb vor Abschluss der Vorermittlungen.
Die Staatsanwaltschaft hat bisher keine weiteren Details zu Tatvorwürfen oder Beweislagen veröffentlicht. Ob und wann es zu einer Anklage kommen wird, ist offen und hängt unter anderem von dem Verlauf der Ermittlungen und der Frage der Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten ab. Für Dortmund bedeutet der Fall eine erneute Auseinandersetzung mit belastender Zeitgeschichte und der Rolle der regionalen Justiz bei ihrer juristischen Aufarbeitung.
Die Behörde betonte, dass Ermittlungen gegen hochbetagte Beschuldigte an sich nicht ungewöhnlich seien; entscheidend sei stets die rechtliche Bewertung von Schuld und Verhandlungsfähigkeit. Die Stadt und lokale Erinnerungsinitiativen verfolgen solche Verfahren aufmerksam, da sie Bedeutung für Opfer, Hinterbliebene und die öffentliche Erinnerung haben.
Weitere Auskünfte sollen die zuständige Sprecherin der Dortmunder Staatsanwaltschaft erteilen, wenn der Ermittlungsstand es erlaubt.