Auf der Burg Querfurt diskutierten am Donnerstagabend sieben Direktkandidaten des Wahlkreises 32 über zentrale politische Felder – darunter Bildung, ÖPNV, Energiepolitik und Finanzen. Rund 80 Besucher verfolgten das 90-minütige Gespräch, das die Merseburger Lokalredaktion als Auftakt ihrer Reihe von drei Wahlforen veranstaltet hatte.
Fokus: Lehrermangel und Unterrichtsorganisation
Im Mittelpunkt der Debatte standen Lösungsansätze für den anhaltenden Lehrermangel. Die Kandidaten machten unterschiedliche Vorschläge zur Qualifikation, Ausstattung und Organisation von Schule sichtbar.
„Wir brauchen eine bessere Ausstattung und kostenfreie Lehrmittel.“
Diese Forderung brachte Andreas Tschurn (Linke) während des Forums vor und betonte damit den Bedarf an materieller Unterstützung für Schulen. Tillschneider (AfD) forderte, die Schule von nichtschulischen Aufgaben zu entlasten, und nannte als Beispiel die Integration von Flüchtlingskindern. Susanne Otto (Grüne) widersprach dem Konzept separater Lernräume für Kinder mit Migrationshintergrund und forderte stattdessen ein gestärktes Lehramtsstudium sowie eine bessere Qualifizierung für Quereinsteiger.
Weitere Vorschläge reichten von praktischen Unterstützungsangeboten bis zu veränderten Unterrichtsformen: Jan Mühlstädt (PDF) plädierte dafür, Referendaren etwa durch kostenlosen Wohnraum den Einstieg zu erleichtern. Ramona Hoyer (FDP) brachte das Modell eines Wechselns von Präsenzunterricht und Homeschooling ins Spiel und betonte, dass Erziehung nicht allein Aufgabe der Lehrkräfte sein dürfe. Eva Feußner (CDU) verwies auf bestehende Initiativen wie die "Weltenretter-Initiative" und die Möglichkeit dualer Lehramtsstudiengänge. Raphael Coccejus (SPD) nahm ebenfalls am Podium teil; sein Redebeitrag wurde im Rahmen der Zusammenfassung genannt.
Konkrete Positionen im Überblick
Die unterschiedlichen Ansätze zeigen die Spannbreite der bildungspolitischen Debatte vor der Landtagswahl: von strukturellen Investitionen über Studienreformen bis zu pädagogischen und organisatorischen Maßnahmen.
- Andreas Tschurn (Linke): Bessere Ausstattung und kostenfreie Lehrmittel.
- Hans-Thomas Tillschneider (AfD): Schule von nichtschulischen Aufgaben entlasten, nannte Integration als Beispiel.
- Susanne Otto (Grüne): Keine Sonderklassen für Migrantenkinder; Lehramtsstudium stärken; Quereinsteiger qualifizieren.
- Jan Mühlstädt (PDF): Praktische Maßnahmen wie kostenloser Wohnraum für Referendare.
- Ramona Hoyer (FDP): Wechselmodelle aus Homeschooling und Präsenzunterricht; Elternverantwortung betonen.
- Eva Feußner (CDU): Verweis auf Initiativen und Möglichkeit dualer Lehramtsstudiengänge.
- Raphael Coccejus (SPD): Teilnahme am Podium; Beiträge zu Bildungsthemen im Rahmen des Forums.
| Kandidat | Partei | Schwerpunkt in der Bildung |
|---|---|---|
| Andreas Tschurn | Linke | Ausstattung, kostenfreie Lehrmittel |
| Hans-Thomas Tillschneider | AfD | Entlastung von nichtschulischen Aufgaben |
| Susanne Otto | Grüne | Stärkung Lehramtsstudium, Integration im Regelunterricht |
| Jan Mühlstädt | Praktische Unterstützung für Referendare | |
| Ramona Hoyer | FDP | Wechselmodell Präsenz/Homeschooling, Elternverantwortung |
| Eva Feußner | CDU | Initiativen und duale Lehramtswege |
| Raphael Coccejus | SPD | Teilnahme am Podium |
Ausblick und Bedeutung für die Landtagswahl
Das Forum machte deutlich, dass Bildung weiterhin ein zentraler Streitpunkt im Wahlkampf bleibt. Während die einen Kandidaten auf kurzfristig umsetzbare praktische Hilfen wie Wohnraum oder Qualifizierung setzen, fordern andere strukturelle Reformen im Studienaufbau und mehr materielle Ausstattung. Die Debatte um Integration und den Umgang mit nichtschulischen Aufgaben zeigt zudem, wie unterschiedlich die Prioritäten innerhalb der Parteienlandschaft gesetzt werden.
Die Veranstaltung auf der Burg Querfurt ist Teil einer Reihe von drei Foren, die der Lokalredaktion Merseburg vor der Landtagswahl am 6. September organisiert. Sie bietet den Wählern die Möglichkeit, sich direkt ein Bild von den Programmen und Standpunkten der Direktkandidaten zu machen.