Historische Nachbildung trifft Frachtschiff: Zwei Generationen der Seefahrt in Bremerhaven
Bei den laufenden Maritimen Tagen in Bremerhaven sind mit der „Nao Victoria“ und der „Pascual Flores“ zwei Schiffe aus Spanien zu Gast, die ganz unterschiedliche Aspekte der maritimen Geschichte verkörpern. Beide Schiffe gehören der Fundación Nao Victoria mit Sitz in Sevilla und werden auf dem Festival als Anschauungsobjekte und Museumsschiffe gezeigt, die Besucherinnen und Besuchern einen unmittelbaren Eindruck vom Leben an Bord früherer Epochen vermitteln.
Die „Nao Victoria“ ist ein originalgetreuer Nachbau des Schiffes, das als einziges Boot der Flotte Ferdinand Magellans die erste belegte Weltumsegelung abschloss. Der Nachbau wurde 1992 fertiggestellt. Mit einer Länge von 26 Metern, einer Breite von 6,70 Metern und einer Segelfläche von 290 Quadratmetern zeigt die „Nao Victoria“ die beengten Platzverhältnisse und die traditionelle Takelung jener Zeit. Das Schiff ist für eine Besatzung von bis zu 15 Personen ausgelegt und hat den Heimathafen Cádiz in Spanien.
| Schiff | Besonderheit | Bekannte Daten |
|---|---|---|
| Nao Victoria | Nachbau des Magellan-Schiffes, exemplarische Entdeckerschiff-Ausstattung | Baujahr Nachbau: 1992; Länge: 26 m; Breite: 6,70 m; Segelfläche: 290 m²; Besatzung: 15; Heimathafen: Cádiz |
| Pascual Flores | Historischer Frachtensegler, Beispiel für Handel unter Segeln | Baujahr: 1917; Bauort: Strände von Torrevieja; Bauherr: Pascual Flores Benavent; Erbauer: Antonio Marf Aguirre (El Temporal) |
Die „Pascual Flores“ steht für eine jüngere Epoche der Küstenschifffahrt. Der Frachtssegler wurde 1917 gebaut und entstand auf den Stränden von Torrevieja unter der Leitung des Calafate-Meisters Antonio Marf Aguirre, der auch den Spitznamen „El Temporal" trug. Errichtet im Auftrag des valencianischen Reeders Pascual Flores Benavent, durchlief das Schiff im Laufe seines Lebens mehrere Umbauten: Ursprünglich ein traditionelles Pailebot, wurde es später zunächst zum Motorsegler umgerüstet und gelangte im weiteren Verlauf seiner Geschichte nach England, wo es weiteren Veränderungen unterzogen wurde.
Was Besucher erwarten können
- Besichtigungen an Deck und Einblicke in historische Takelage, Schlaf- und Arbeitsräume;
- Informationen zur Technik und Bauweise beider Schiffe sowie zur Geschichte von Entdeckungsfahrten und Frachthandel;
- Gelegenheit, nautische Lebensverhältnisse früherer Epochen zu vergleichen: enge Decks der „Nao Victoria“ versus funktionale Frachtausstattung der „Pascual Flores“.
Beide Schiffe bieten ein kontrastreiches Bild: Die „Nao Victoria“ veranschaulicht die Bedingungen und Herausforderungen der großen Entdeckungsfahrten des 16. Jahrhunderts, während die „Pascual Flores“ den rauen Alltag der Handelssegler des frühen 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Durch ihre Präsenz werden unterschiedliche Aspekte maritimer Kultur- und Wirtschaftsgeschichte für die Besucherinnen und Besucher anschaulich erfahrbar.
Für Bremerhaven als Hafenstadt hat die Begegnung dieser beiden Schiffstypen eine lokale Bedeutung: Sie verbindet die maritime Tradition der Stadt mit internationaler Schifffahrtsgeschichte und ergänzt das Programm der Maritimen Tage um historische Anschauungsobjekte, die sowohl für Fachleute als auch für Familien und Touristen von Interesse sind. Die Fundación Nao Victoria nutzt ihre Nachbauten regelmäßig für Bildungsarbeit und historische Vermittlung; ihr Besuch in Bremerhaven ermöglicht direkte Begegnungen mit maritimer Handwerkskunst, Segeltechnik und Schiffsbaukunst vergangener Zeiten.
Die Ausstellung auf den Schiffen ist Teil des umfassenderen Festprogramms der Maritimen Tage. Besucherinnen und Besucher sollten vor Ort die Hinweise zu Besichtigungszeiten beachten, da die Schiffe als Museumsschiffe betrieben werden und entsprechende Sicherheits- und Kapazitätsregelungen gelten können. Insgesamt bieten die beiden spanischen Schiffe eine seltene Gelegenheit, zwei Jahrhunderte Seefahrtsgeschichte unmittelbar im Hafen von Bremerhaven zu erleben.