Die Mainzer Forschungslandschaft bleibt ein Zentrum der mRNA-Entwicklung: Das Gründerpaar Ugur Şahin und Özlem Türeci hat am 1. September in Mainz die neue Firma „Arife“ gegründet. Damit geben die beiden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Vorhaben auf, BioNTech bis spätestens Ende 2026 zu verlassen und ihren Forschungsschwerpunkt aus der Stadt wegzuverlagern. Die Entscheidung wurde in Mainz mit deutlicher Erleichterung aufgenommen.
Neue Firma, gleiche Ausrichtung
Nach eigenen Angaben soll Arife pharmazeutische Produkte entwickeln, herstellen und vermarkten. Der Fokus liege auf der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis, kündigten die Gründer zuvor an. Şahin hatte bereits im Frühjahr erklärt: „Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten.“ Die konkrete Gründung am 1. September bestätigte, dass dies am Standort Mainz geschehen wird.
Auswirkungen für Mainz und die Finanzen
Die Entscheidung hat für die Landeshauptstadt auch finanzielle Bedeutung. Mainz hatte in den Jahren 2021 und 2022 insgesamt fast 3,3 Milliarden Euro an Gewerbesteuern eingenommen. Zudem überraschte kürzlich eine Nachzahlung, die der Stadt unerwartet 75 Millionen Euro einbrachte. Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) begrüßte die Firmenneugründung ausdrücklich und betonte, dass die Stadt „konsequent daran gearbeitet“ habe, „optimale Rahmenbedingungen am Standort für weitere Investitionen zu schaffen.“
- Arife wurde am 1. September in Mainz gegründet.
- Gegenstand: Entwicklung, Herstellung und Vermarktung pharmazeutischer Produkte auf mRNA-Basis.
- Mainz verzeichnete in 2021/2022 rund 3,3 Milliarden Euro Gewerbesteuereinnahmen; zuletzt gab es eine Nachzahlung von 75 Millionen Euro.
„Dass Ugur Şahin und Özlem Türeci diese hervorragenden Bedingungen in Mainz weiterhin schätzen und sich auch persönlich hier sehr wohlfühlen, freut mich außerordentlich.“ — Oberbürgermeister Nino Haase
Die Gründung unterstreicht die Rolle Mainzer Forschungseinrichtungen und Biotech-Unternehmen in der internationalen Gesundheitsforschung. BioNTech war während der Corona-Pandemie weltweit bekannt geworden, weil es zusammen mit dem Partner Pfizer als erstes Unternehmen eine Marktzulassung für einen Covid-19-Impfstoff erhielt. Dieser Erfolg hatte dem Unternehmen erhebliche Gewinne beschert und gleichzeitig Mainz als Standort für Biotechnologie sichtbar gemacht.
Standortvorteile und Perspektiven
Die Stadtverwaltung sieht die Entwicklung als Bestätigung ihrer Standortpolitik. In der öffentlichen Darstellung wird betont, dass die Stadt in den vergangenen Jahren aktiv Rahmenbedingungen geschaffen habe, die Investitionen und Ansiedlungen erleichtern. Für Mainz bedeutet die Entscheidung der Gründer nicht nur einen Prestigegewinn, sondern auch praktische Effekte: Forschungsvorhaben, mögliche neue Arbeitsplätze und weitere Wertschöpfung in der Region.
| Jahr(e) | Gewerbesteuereinnahmen / Nachzahlung |
|---|---|
| 2021–2022 | ~3,3 Milliarden Euro |
| Aktuell | 75 Millionen Euro unerwartete Nachzahlung |
Wie sich die neue Firma genau entwickeln wird, bleibt Gegenstand künftiger Beobachtung. Bekannt ist, dass sich die Gründer dem Feld der mRNA-basierten Therapien widmen wollen. Für Mainz ist die Nachricht ein klares Signal dafür, dass der Standort weiterhin attraktiv für forschungsintensive Unternehmen ist. Die Stadtverwaltung und die lokale Wirtschaft werden nun darauf achten, welche konkreten Investitionen und Projekte aus der Gründung folgen.
Die Präsenz von forschungsstarken Unternehmen wie BioNTech und jetzt Arife kann langfristig dazu beitragen, Fachkräfte anzuziehen, Zuliefernetzwerke zu stärken und den Wissenschaftsstandort Mainz zu verfestigen. Die Entscheidung der Gründer dürfte damit über den unmittelbaren Jubel hinaus auch strukturelle Bedeutung für die Stadt haben.