Schwächelnder Start ins Jahr: Tourismuszahlen geben Anlass zur Aufmerksamkeit
Berlin hat im ersten Halbjahr 2026 einen Rückgang bei Besucherzahlen und Übernachtungen verzeichnet. Nach Angaben des Amt für Statistik Berlin‑Brandenburg kamen in den ersten sechs Monaten rund 5,9 Millionen Besucherinnen und Besucher nach Berlin – das sind 0,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutlicher fiel der Rückgang bei den Übernachtungen aus: 13,6 Millionen gebuchte Nächte entsprechen einem Minus von 2,7 Prozent.
Ausländische Gäste fehlen
Die Entwicklung wurde laut Statistik maßgeblich durch weniger internationale Gäste geprägt. Knapp zwei Millionen Besucher kamen aus dem Ausland und buchten insgesamt 5,2 Millionen Übernachtungen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres bedeutet das einen Rückgang der ausländischen Gästezahlen um 4,1 Prozent und bei den Übernachtungen sogar um 6,4 Prozent.
- Die meisten ausländischen Gäste kamen aus europäischen Staaten, an der Spitze steht das Vereinigte Königreich.
- Zweitwichtigstes Herkunftsland waren die USA, dort gingen Besucherzahlen und Übernachtungen ebenfalls merklich zurück.
- Die Inlandsnachfrage entwickelte sich hingegen positiv: 3,9 Millionen Inlandsgäste waren in Berlin, ein Plus von 1,8 Prozent.
Kurzere Aufenthalte trotz mehr Inlandsgästen
Obwohl die Zahl der Besucherinnen und Besucher aus dem übrigen Deutschland stieg, blieben sie im Schnitt kürzer. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus anderen Teilen Deutschlands ging leicht um 0,3 Prozent auf 8,3 Millionen zurück.
„Mit den großen Messen wie der IFA oder der Innotrans, Sportevents und Kongressen im zweiten Halbjahr hat Berlin gute Voraussetzungen, zusätzliche Nachfrage zu gewinnen und neue Zielgruppen anzusprechen“, teilte Visit Berlin mit.
Folgen für Hotellerie, Messen und Stadtmarketing
Die Zahlen werfen Fragen für Hoteliers, Veranstalter und die Stadt auf. Ein leichter Rückgang der Besucherzahlen bei gleichzeitig stärkerem Rückgang der Übernachtungen deutet darauf hin, dass zwar wieder mehr Menschen nach Berlin kommen, diese aber kürzer bleiben oder anders buchen. Für die Hotellerie bedeutet das potenziell weniger Umsatz pro Kopf und erhöhten Wettbewerbsdruck, insbesondere in Segmenten, die stark von internationalen Gästen abhängig sind.
| Kenngröße | Erstes Halbjahr 2026 | Veränderung ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| Besucher insgesamt | 5,9 Mio. | -0,3 % |
| Übernachtungen insgesamt | 13,6 Mio. | -2,7 % |
| Ausländische Besucher | ~2,0 Mio. | -4,1 % |
| Ausländische Übernachtungen | 5,2 Mio. | -6,4 % |
| Inlandsgäste | 3,9 Mio. | +1,8 % |
| Inlandsübernachtungen | 8,3 Mio. | -0,3 % |
Städtische Akteurinnen und Akteure sehen in der stärkeren Inlandsnachfrage eine Chance, zugleich drängt die Notwendigkeit, neue internationale Märkte zu erschließen und Aufenthalte attraktiver zu machen. Visit Berlin betont die Bedeutung „aufmerksamkeitsstarker Reiseanlässe und attraktiver Angebote, die Berlin als Reiseziel noch erlebnisreicher machen“.
Ausblick: Hoffnung auf das zweite Halbjahr
Für das zweite Halbjahr setzt der Tourismusverband auf das Messe‑ und Veranstaltungsprogramm: IFA, Innotrans, Sportevents und Kongresse gelten als Zugpferde, um verlorene Nachfrage zurückzugewinnen und neue Zielgruppen anzusprechen. Ob diese Hoffnungen greifen, hängt nicht zuletzt von internationalen Reisebuchungen, Flugverbindungen und dem Wettbewerb mit anderen Metropolen ab.
Für Berlinerinnen und Berliner bedeutet das: Hotels und Gastronomie könnten saisonal stärker ausgelastet werden, die Stadt wird bei Kongressen und Großveranstaltungen erneut im Blickfeld von Gästen stehen. Gleichzeitig behalten Stadtverwaltung und Branchenvertreter die Entwicklung im Auge, um kurzfristig reagieren zu können – sei es mit bewerblichen Maßnahmen oder mit Angeboten, die längere Aufenthalte fördern.
Bleibt zu beobachten, ob die zweite Jahreshälfte die Statistik wieder ins Plus drehen kann – oder ob Berlin an seiner internationalen Strahlkraft weiter arbeiten muss.