Konstanz. Das Awoli-Festival kehrt vom 11. bis 13. September in die Stadt zurück und verspricht drei Tage mit Musik, Tanz, Workshops, Debatten zur globalen Verantwortung und künstlerischen Arbeiten, die die Verbindungen zwischen Europa und Afrika thematisieren. Initiator und Organisator ist Eric Kamguia, der das Festival als Plattform für Austausch und Begegnung versteht und zugleich mit dem bewussten Spiel auf Erwartungen und Klischees arbeitet.
Konzept: Klischees bedienen, um sie zu brechen
Kamguia räumt ein, dass Elemente wie Masken und Trommeln offenbar „sein“ müssen, damit ein Publikum Zugang findet. Gleichzeitig nutze er diese stereotypen Erwartungen, um sie zu hinterfragen und aufzulösen. Ein konkretes Beispiel liefert der Künstler Seppo C. Kaiser aus Konstanz: Er bearbeitet derzeit ein Werk, in das er ein Loch bohrt, um dort eine afrikanische Maske zu integrieren. Kaiser, der keine afrikanischen Wurzeln hat, beschreibt den Prozess als offen: Er soll Afrika „auf seine Art interpretieren“ und versucht, typische Motive wie die geometrischen Muster der Bakuba in seine Arbeit einzubeziehen.
„Ohne Masken und Trommeln geht gar nichts.“
Der Satz macht die Spannweite des Festivals sichtbar: Es will einerseits populäre Vorstellungen bedienen, andererseits Blickweisen erweitern und lokale Künstlerinnen und Künstler mit Diskursen zur globalen Verantwortung verknüpfen.
Programmorte und Beteiligte
Ein zentraler Ausstellungsort ist der Wolkensteinsaal im Kulturzentrum am Münster, wo Kaisers Arbeiten während des Festivals gezeigt werden sollen. Darüber hinaus sind Live-Auftritte, Tanzdarbietungen, Kochstationen und Diskussionsrunden angekündigt. Ziel ist, unterschiedliche Facetten afrikanischer Kultur zu präsentieren und zugleich die lokale Gesellschaft in Konstanz zu vernetzen.
Finanzierung: Enger Etat und steigende Kosten
Das Festival wird mit einem Gesamtetat von 45.000 Euro geplant. Die Stadt Konstanz unterstützt das Projekt mit einem Zuschuss in Höhe von 12.000 Euro. Kamguia machte deutlich, dass ein nicht unerheblicher Anteil dieses Zuschusses allein für die Platzmiete anfällt: 4.800 Euro entfallen auf die Miete des Münsterplatzes.
| Position | Betrag (Euro) |
|---|---|
| Gesamtetat | 45.000 |
| Städtischer Zuschuss | 12.000 |
| Miete Münsterplatz | 4.800 |
Nach Angaben der Organisatoren steigen neben den Mietkosten auch die Auflagen und Infrastrukturkosten. Als Beispiel nannte Kamguia, dass die Betreiber nachweisen müssen, dass gemietete Schläuche so sauber sind, „dass daraus gutes Trinkwasser entnommen werden kann“; dafür sei eine Probe erforderlich. Solche Anforderungen erhöhen den organisatorischen Aufwand und die Kosten für kleinere Initiativen.
Auswirkungen für das lokale Kulturleben
- Das Festival stärkt das kulturelle Angebot in Konstanz und fördert lokale sowie internationale Vernetzung.
- Steigende Gebühren und Auflagen belasten die finanzielle Planung kleiner Kulturveranstalter.
- Städtische Zuschüsse sind zwar vorhanden, reichen aber angesichts gestiegener Fixkosten nur begrenzt aus.
Für Konstanz bedeutet das Awoli-Festival mehr als ein kurzfristiges Kulturangebot: Es ist ein Testfall dafür, wie die Stadt mit migrantisch geprägten Formaten, öffentlichen Flächen und dem wachsenden Verwaltungsaufwand umgeht. Organisatoren wie Kamguia appellieren an die Bereitschaft der Stadt und der Fördergeber, flexible Lösungen zu finden, damit kulturelle Vielfalt trotz steigender Kosten erhalten bleiben kann.
Das Festival wird auch als Beitrag zum Dialog verstanden: Durch Kochstationen, Workshops und Diskussionen sollen Besucherinnen und Besucher nicht nur konsumieren, sondern in Austausch treten. In einer Zeit, in der kulturelle Veranstaltungen zunehmend wirtschaftlichen Zwängen unterliegen, zeigt das Beispiel Awoli, wie lokales Engagement und städtische Rahmenbedingungen zusammenspielen müssen, damit ein vielfältiges Kulturangebot in Konstanz Bestand hat.