Frankfurt/Main – Der britische Finanzinvestor Attestor wird die Fluggesellschaft Condor vollständig übernehmen. Wie das Unternehmen in Frankfurt mitteilte, zieht Attestor eine vertraglich vereinbarte Kaufoption und übernimmt die bisher von Bund und Land Hessen gehaltenen Anteile in Höhe von 49 Prozent. Der Abschluss der Transaktion (Closing) ist nach Unternehmensangaben zum 31. August 2027 geplant.
„Der Vollzug der Übernahme (Closing) ist zum Stichtag 31. August 2027 geplant.“
Hintergrund der staatlichen Beteiligung
Der staatliche Einstieg bei Condor geht auf die schwere Krise nach der Insolvenz des früheren Mutterkonzerns Thomas Cook sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie zurück. Bund und Land Hessen hatten die Airline damals unterstützt, unter anderem mit einem Kredit der Förderbank KfW in Höhe von 175 Millionen Euro. Condor hat diese Unterstützung nach Unternehmensangaben im Frühjahr 2026 vorzeitig zurückgezahlt.
Wirtschaftliche Lage der Airline
Auch wenn sich einige Kennzahlen zuletzt verbessert haben, bleibt die wirtschaftliche Lage gemischt: Im Geschäftsjahr 2024/25 verbesserte sich das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) um rund ein Viertel auf 151 Millionen Euro. Die Passagierzahl stieg um etwa 13 Prozent auf mehr als 9,6 Millionen.
Gleichzeitig weitete sich der Jahresfehlbetrag jedoch zu: Unter dem Strich lag der Verlust bei 110,43 Millionen Euro, eine Verschlechterung um 13,7 Prozent. Condor führt dies unter anderem auf interne Darlehenszinsen gegenüber Attestor sowie hohe Leasing-Bewertungen für überwiegend neue Flugzeuge zurück.
Auswirkungen für Hessen und den Standort Frankfurt
Condor ist nach eigenen Angaben Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft und ein bedeutender Arbeitgeber am Flughafen Frankfurt sowie an weiteren Standorten in Hessen. Die Neugewichtung der Eigentümerstruktur könnte Folgen für die strategische Ausrichtung, Investitionsentscheidungen und Arbeitsbedingungen haben. Konkrete Pläne von Attestor zur künftigen Geschäftspolitik nannte das Unternehmen bislang nicht.
Für die öffentliche Hand bedeutet der Verkauf, dass Bund und Land Hessen sich aus der direkten Verantwortung für die Gesellschaft zurückziehen. Damit endet eine Phase, in der staatliche Gelder und Bürgschaften den Fortbestand der Airline sichern sollten.
Rechts- und Finanzfragen offen
Zu den finanziellen Details des geplanten Kaufpreises äußerte sich Condor nicht. Die rechtlichen Schritte bis zum Closing und mögliche kartellrechtliche Prüfungen dürften je nach Vertragsgestaltung und Marktanteilen zu beobachten sein. Außerdem bleibt zu klären, wie sich die vertraglichen Beziehungen zwischen der Airline und ihren Leasinggebern sowie Kreditgebern künftig darstellen.
- Kaufoption: Grundlage ist ein Vertrag aus dem Jahr 2021, der Attestor die spätere Übernahme erlaubt.
- Closing: Geplanter Stichtag ist der 31. August 2027.
- Finanzen: Operatives Ergebnis gestiegen, dennoch hoher Jahresverlust von 110,43 Millionen Euro.
Was nun zu erwarten ist
In den kommenden Monaten werden voraussichtlich weitere Details bekannt: Dazu zählen mögliche Veränderungen in der Unternehmensführung, strategische Pläne zur Profitabilitätssteigerung und Aussagen zur Arbeitsplatzsicherung. Da Condor erhebliche Flottenverpflichtungen hat, wird auch die Bilanzstruktur im Fokus von Marktteilnehmern und Politik stehen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Operatives Ergebnis (EBIT) 2024/25 | 151 Mio. Euro |
| Passagiere 2024/25 | > 9,6 Mio. |
| Jahresfehlbetrag 2024/25 | 110,43 Mio. Euro |
| KfW-Kredit (frühere staatliche Unterstützung) | 175 Mio. Euro |
| Veräußerte Anteile | 49 % (Bund und Land Hessen) |
Für Beschäftigte, Zulieferer und die Region ist die Entwicklung von Bedeutung. Gewerkschaften, Betriebsräte und Kommunalpolitiker werden die Ankündigung ebenso aufmerksam begleiten wie Kunden und Geschäftspartner am Flughafen Frankfurt. Attestor steht nun in der Pflicht, seine Pläne transparent zu machen, um Vertrauen bei den verschiedenen Stakeholdern zu schaffen.
Weitere Informationen und konkrete Vereinbarungen dürften in den nächsten Monaten folgen, sobald der Zeitplan für den Vollzug näher rückt und rechtliche Vorgaben geklärt sind.