Torball, ein Mannschaftssport für blinde und sehbehinderte Menschen, findet in Glarus zunehmend auch bei Sehenden Interesse. Der Sport, der vollständig auf akustische Signale setzt, lebt von konzentrierter Stille auf dem Spielfeld und von präzisem Zusammenspiel. Beim Internationalen Ziger‑Cup in Glarus setzt der veranstaltende Verein TB Glarus 11 gemeinsam mit der Reformierten Kirche Glarus auf Integration und breite Öffentlichkeitsbeteiligung.
Spielprinzip: Hören statt Sehen
Alle Spielerinnen und Spieler tragen während einer Partie lichtundurchlässige Dunkelbrillen, damit Chancengleichheit zwischen sehenden und sehbehinderten Teilnehmenden besteht. Entscheidend ist das Gehör: Der Ball enthält akustische Elemente, sodass die Spielenden dessen Position akustisch orten können. In einer Spielaktion herrscht in der Halle gespannte Ruhe, damit die Werferinnen und Werfer und die Abwehrspielerinnen und -spieler den Ball akustisch verfolgen können. Nur nach einem Tor oder einem Schiedsrichterpfiff wird gejubelt und lauter reagiert.
Organisation und Ablauf
Auf einem Spielfeld von 16 m Länge und 7 m Breite treten zwei Mannschaften mit je drei Spielerinnen oder Spielern gegeneinander an. Die angreifende Mannschaft versucht, den Ball flach und gezielt ins gegnerische Tor zu spielen; die Verteidigung muss den Wurf abwehren und danach selbst zum Gegenangriff übergehen. Eine besondere Herausforderung stellen drei über dem Boden gespannte Leinen dar: Der Ball muss diese in der Feldmitte in 40 cm Höhe unterqueren, ohne sie zu berühren.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Spielfeld | 16 m × 7 m |
| Anzahl Spieler pro Team | 3 |
| Tor | 7 m breit, 1,30 m hoch |
| Leinenhöhe | 40 cm über Boden |
Freiwillige aus der Gemeinde engagiert
Seit mehreren Jahren arbeiten TB Glarus 11 und die Reformierte Kirche Glarus zusammen. Die Kooperation hat sich laut Veranstaltern bewährt und ist «fast zu einer Institution geworden». Im Rahmen ihres Konfirmationsunterrichts übernehmen Konfirmandinnen und Konfirmanden Aufgaben wie die Funktion als Torrichterinnen und Torrichter. Damit beteiligt sich die junge Generation direkt an einem inklusiven Anlass und sammelt praktische Erfahrungen im Gemeindeleben.
Teilnahme und Zuschauen: Live‑Übertragung
Der Internationale Ziger‑Cup wird ganztägig live auf YouTube übertragen, inklusive Live‑Kommentar. Damit ermöglicht die Veranstaltung, dass auch Interessierte, die nicht vor Ort in der Halle sein können, das Geschehen verfolgen. Für den Zugang reicht ein Smartphone; Zuschauerinnen und Zuschauer können so den Turnierverlauf aus der Ferne mitverfolgen und sich über den Sport informieren.
- Inklusion: Sehende und sehbehinderte Menschen spielen unter gleichen Bedingungen dank Dunkelbrillen.
- Bildung: Konfirmandinnen und Konfirmanden übernehmen aktive Rollen als Torrichter.
- Öffentlichkeit: Livestream auf YouTube macht Turnier für ein breites Publikum zugänglich.
Was Torball für Teilnehmende bedeutet
Torball verlangt hohe Konzentration, akustische Wahrnehmung und Teamkoordination. Die Regeln und die besondere Spielführung schaffen eine Sportart, in der Menschen mit Sehbehinderung Wettkampf auf Augenhöhe erleben. Zugleich bietet Torball eine Möglichkeit für sehende Personen, Empathie zu entwickeln und praktisch Inklusion zu erleben, weil sie selbst die Dunkelbrillen tragen und sich auf das Hören verlassen müssen.
Lokaler Mehrwert
Die regelmässige Durchführung solcher Anlässe stärkt das lokale Vereinsleben in Glarus und fördert die Vernetzung zwischen Sportvereinen, kirchlichen Institutionen und der Öffentlichkeit. Die Einbindung von Jugendlichen als Torrichterinnen und Torrichter zeigt ausserdem, wie Bildungs- und Gemeindearbeit handlungsorientiert ergänzt werden kann. Für Zuschauerinnen und Zuschauer bietet der Livestream eine einfache Möglichkeit, Teil des Ereignisses zu sein und mehr über eine wenig bekannte Sportart zu erfahren.
Weitere Informationen zum Ablauf des Turniers, zu den Spielzeiten und zum Link zur Live‑Übertragung werden von TB Glarus 11 und der Reformierten Kirche Glarus veröffentlicht. Interessierte benötigen lediglich ein Smartphone, um das Turnier online mitzuverfolgen.