An der Badminton-WM in Neu-Delhi gehören asiatische Nationen einmal mehr zu den klaren Favoriten. Die Schweizer Nummer 1 Milena Schnider (24) erkennt dafür strukturelle Gründe: In vielen Ländern Asiens sei Badminton ein Volkssport, die Breite und die Konkurrenz auf Jungstufen enorm, folglich entstehe dort früh Weltklasse-Niveau.
Eine Sportkultur mit Breite
«In Asien ist Badminton ein Volkssport»
Schniders Einschätzung basiert auf offensichtlichen Beobachtungen: In Staaten wie China, Japan, Indonesien, Südkorea, Malaysia oder Indien geniessen Spielerinnen und Spieler eine Popularität, die in Europa eher Ausnahmecharakter hat. Das Umfeld stützt die Leistungsentwicklung: viele Trainingspartner, hohe Auswahldichte und eine intensive Nachwuchsförderung führen dazu, dass die Besten automatisch zur Weltklasse heranwachsen.
Als konkretes Beispiel nennt Schnider die indische Starspielerin P. V. Sindhu, die in ihrer Heimat zum Superstar geworden ist und auf Social Media grosse Reichweite hat – ein Indikator für die gesellschaftliche Bedeutung des Sports. «Sie spielt unglaublich schnell und variantenreich», sagt Schnider, und macht damit deutlich, welche spielerischen Massstäbe in Asien gesetzt werden.
Die Lage in der Schweiz
Die Schweiz schlägt sich laut Schnider besser als früher: Der Verband habe Fortschritte gemacht, die Ausbildung sei professioneller geworden und die Anzahl wirklich guter Spielerinnen und Spieler habe zugenommen. Dennoch bleibt die Auswahlbasis deutlich kleiner als in den asiatischen Hochburgen. Diese zahlenmässige Limitation hat Folgen:
- Weniger Trainingspartner auf hohem Niveau reduziert die interne Konkurrenz.
- Geringere mediale Aufmerksamkeit erschwert Sponsoring und Nachwuchsförderung.
- Talentkonzentration erfolgt langsamer, weil die Auswahl nicht so breit ist.
Trotzdem reist die Schweiz mit einer grösseren Delegation an Grossanlässe: Bei der WM in Neu-Delhi sind acht Schweizer Teilnehmerinnen und Teilnehmer dabei. Das zeigt, dass die nationale Entwicklung Früchte trägt und dass die Lücke zwar gross, aber nicht unüberbrückbar ist.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Argumentation von Schnider lässt sich in zwei Richtungen deuten: Kurzfristig wird es schwierig sein, die asiatischen Topnationen regelmässig zu schlagen, weil dort Strukturen und Spielerpools riesig sind. Mittel- bis langfristig aber sind Fortschritte möglich, wenn die Schweiz an folgenden Stellschrauben dreht:
- Intensivere Nachwuchsförderung und Talentidentifikation schon im Kindesalter.
- Bessere internationale Wettkampferfahrung für junge Spielerinnen und Spieler.
- Höhere Sichtbarkeit und Unterstützung durch Medien und Sponsoren, um Profi-Pfade attraktiver zu machen.
Milena Schnider selbst gilt in der Schweiz als Vorbild und Zugpferd für den Sport. Ihre Einschätzung, dass Vorbilder wie P. V. Sindhu eine enorme Wirkung entfalteten, zeigt, wie wichtig Identifikationsfiguren für die Popularisierung und den Nachwuchs sind.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Teilnehmer Schweiz an WM Neu-Delhi | 8 |
| Beispiele für dominierende Länder | China, Japan, Indonesien, Südkorea, Malaysia, Indien |
| Beispielstar (Indien) | P. V. Sindhu (ca. 4 Mio. Instagram-Follower) |
Die Herausforderung bleibt konkret: Solange in Asien Millionen Kinder Badminton spielen und sich ein dichtes Netz aus Vereinen und Förderprogrammen bildet, werden die dortigen Nationen oft an der Spitze stehen. Doch die Schweiz hat nach Ansicht ihrer Topspielerin Schritte gemacht, die langfristig zu noch besseren Platzierungen führen können. Für die anstehende WM in Neu-Delhi bleibt die Realität bestehen: Die Medaillenanwärter kommen überwiegend aus Asien, Schweizer Athletinnen und Athleten treten an, um Erfahrungen zu sammeln, sich zu messen und die nächste Entwicklungsstufe anzustreben.
Aus Schweizer Sicht ist der Weg klar: Breite fördern, Spitzen fordern. Ob das reicht, um das Inselreich Asiens im Badminton ernsthaft herauszufordern, wird die Zukunft zeigen – erste Fortschritte sind jedoch unverkennbar.