Ein Kunstwerk an jener Stelle, wo Protest sichtbar wurde
Am Montagnachmittag fand in Appenzell der Spatenstich für ein Denkmal zugunsten der 2010 verstorbenen Künstlerin Sibylle Neff statt. Das Werk entsteht unmittelbar vor dem Haus am Landsgemeindeplatz, von dem aus Neff 1990 Porzellanteller auf die Versammlung warf und so einen bis heute erinnerbaren öffentlichen Protest setzte. Entworfen hat das Denkmal der Appenzeller Aktions- und Konzeptkünstler Roman Signer.
Sibylle Neff, die sich zeitlebens wiederholt mit der Innerrhoder Regierung auseinandersetzte, war nicht nur künstlerisch tätig, sondern engagierte sich auch politisch. Auslöser ihres anhaltenden Konflikts mit lokalen Behörden war ein Streit mit der Feuerschaugemeinde Appenzell um ein Wegrecht auf ihrem Grundstück; der Fall ging bis vor das Bundesgericht, wo Neff Recht erhielt. In Appenzell ist besonders der Vorfall von 1990 in Erinnerung geblieben: Vor der Abstimmung über das Frauenstimmrecht warf sie Teller aus ihrem Haus und legte ein Blech auf den Boden, damit das Geräusch nicht überhört werden konnte.
Planung, Einsprachen und Finanzierung
Die Umsetzung dieses Kunstprojekts blieb nicht ohne Herausforderungen. Der Stiftungsrat der Sibylle Neff Stiftung, deren Präsidentin Bernadette Vinzent zugleich Eigentümerin des Hauses ist, beschäftigt sich seit über drei Jahren mit dem Vorhaben. Laut Vinzent herrschte über längere Zeit Ruhe um das Projekt, bis nun der Spatenstich erfolgte.
Probleme bereiteten insbesondere Einsprachen gegen das Denkmal sowie dessen Finanzierung. Die Einsprachen sind inzwischen geklärt. Ein erstes, deutlich anders konzipiertes Projekt – eine Stange mit Zylindern – konnten Einsprecher verhindern. Nunmehr trifft das von Roman Signer entworfene Werk auf den Weg zur Realisierung.
«I wess – i bi halt e ke Ringi», sagte Sibylle Neff einst über sich selbst.
Ausblick und Kontext
Das geplante Denkmal erinnert nicht allein an eine Künstlerin, sondern auch an einen Moment des politischen Widerstands in Appenzell. Die Entscheidung, das Werk genau an jener Stelle zu platzieren, an der Neff 1990 aufgetreten war, macht die Absicht deutlich, Erinnerung und lokalpolitische Geschichte sichtbar zu halten. Ob das Denkmal Debatten in der Gemeinde erneut befeuert oder zur Versachlichung beiträgt, bleibt zu beobachten.
Die Realisierung folgt einem mehrjährigen Prozess, in dem rechtliche und finanzielle Fragen geklärt werden mussten. Die Fertigstellung, weitere Details zur Ausführung und allfällige Feierlichkeiten zur Enthüllung hängen von der weiteren Planung und der Finanzierung ab.
- Künstler: Roman Signer
- Gewürdigte: Sibylle Neff (gest. 2010)
- Ort: Haus am Landsgemeindeplatz, Appenzell
- Stand: Spatenstich erfolgte am Montagnachmittag; Einsprachen geklärt
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1990 | Vorfall an der Landsgemeinde: Neff wirft Teller |
| 2010 | Tod von Sibylle Neff |
| seit ~2023 | Planung durch Stiftungsrat |
| 2026 | Spatenstich für das Denkmal |
Für Appenzell ist das Projekt ein weiterer Schritt, das kulturelle Erbe des Ortes sichtbar zu machen. Das Denkmal stellt das Wirken einer bemerkenswerten lokalen Persönlichkeit in den öffentlichen Raum und lädt damit zur Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ein.