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Appenzell Ausserrhoden weist in Studie den stärksten Mangel an Kinderärzten aus

Eine Studie der Universität Bern zeigt, dass Appenzell Ausserrhoden im Vergleich der Kantone am wenigsten Vollzeitstellen in der Kinder- und Jugendmedizin aufweist. Kantonale Stellen sehen die Lage differenzierter, fordern aber eine Stärkung der ambulanten Versorgung.

Appenzell Ausserrhoden weist in Studie den stärksten Mangel an Kinderärzten aus
©Illustration KI Daniel Frei / we-news.com

Appenzell Ausserrhoden weist gemäss einer aktuellen Studie der Universität Bern unter allen Schweizer Kantonen den grössten Mangel an Kinderärztinnen und Kinderärzten aus. Die Studie beziffert die Zahl auf 0,21 Vollzeitstellen (VZÄ) pro 1000 Kinder, was rechnerisch einem Kinderarzt oder einer Kinderärztin für rund 4750 Kinder entspricht.

Vergleich mit anderen Kantonen

Im Vergleich liegt der Kanton Thurgau ebenfalls tief, aber etwas besser als Ausserrhoden: Dort ergebe sich ein Wert von 0,32 VZÄ pro 1000 Kinder (rund 3100 Kinder pro Vollzeitstelle). Die Studie nennt Genf als Spitzenreiter mit einer Vollzeitstelle pro 750 Kinder, während der Kanton St.Gallen mit einer Vollzeitstelle auf rund 1960 Kinder im Mittelfeld rangiert.

Kanton / Angabe VZÄ / Verhältnis
Appenzell Ausserrhoden (Studie) 0,21 VZÄ pro 1000 Kinder (≈ 1 Arzt auf 4750 Kinder)
Appenzell Ausserrhoden (kantonale Auswertung, Ende 2025) 0,37 VZÄ pro 1000 Kinder
Thurgau 0,32 VZÄ pro 1000 Kinder (≈ 1 Arzt auf 3100 Kinder)
Genf 1 Vollzeitstelle auf 750 Kinder
St.Gallen 1 Vollzeitstelle auf rund 1960 Kinder

Kanton reagiert gelassen – sieht eigene Zahlen

Der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer (SP) schrieb auf Anfrage, der Kanton nehme die in der Berner Studie aufgezeigten Herausforderungen «sehr ernst». Gleichzeitig zeigten die kantonalen Daten per Ende 2025 ein «differenzierteres» Bild. Balmer weist darauf hin, dass unterschiedliche Erhebungsmethoden direkte Vergleiche erschweren. Demnach liege der kantonale Wert bei 0,37 VZÄ.

«Die in der Berner Studie aufgezeigten Herausforderungen nehme der Kanton sehr ernst», schrieb der Ausserrhoder Gesundheitsdirektor Yves Noël Balmer (SP).

Balmer betonte ausserdem, dass Ausserrhoderinnen und Ausserrhodern Angebote in der nahegelegenen Stadt St.Gallen zur Verfügung stünden und der Kanton verschiedene Massnahmen zur Stärkung der ambulanten kinderärztlichen Grundversorgung verfolge. Konkrete Massnahmen nannte er in der Antwort nicht im Detail.

Regionale Zusammenarbeit und Telemedizin als Lösungsansatz

Auch aus dem Thurgau kommt die Einordnung, dass die Versorgung nicht nur kantonal betrachtet werden dürfe: Thurgauer Regierungsrat Urs Martin (SVP) wies darauf hin, dass sein Kanton Träger des Ostschweizer Kinderspitals sei und einen wesentlichen Teil der spezialisierten Versorgung dort erbringe.

«Die Versorgung darf nicht nur kantonal betrachtet werden, weil der Kanton Thurgau Träger des Ostschweizer Kinderspitals ist und einen wesentlichen Teil seiner spezialisierten Versorgung dort gewährleistet», sagte der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin (SVP).

In der Studie und in kantonalen Stellungnahmen wird ausserdem auf die Rolle von Telemedizin und auf regionale Versorgungsnetzwerke verwiesen. Solche Massnahmen können die Erreichbarkeit von Spezialärzten verbessern und Grundversorgungsangebote ergänzen, ersetzen aber nicht zwingend die Präsenz von niedergelassenen Kinderärztinnen und -ärzten vor Ort.

Warum Kinderärzte anders gewichtet werden

Die Universität Bern betont, dass ärztliche Termine bei Kindern häufig zeitaufwendiger sind als in der Erwachsenenmedizin. Als Vergleich nennt die Studie die Empfehlung der FMH für Hausärztinnen in der Erwachsenenmedizin von einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt pro 1000 Einwohner; solche Richtwerte lassen sich nicht ohne Weiteres auf die Pädiatrie übertragen, weil untersuchte Altersgruppen und Aufwand variieren.

Praktische Folgen für Familien

Für Familien bedeutet ein knapperes Angebot an Kinderärzten längere Wege oder längere Wartezeiten auf einen Termin bei niedergelassenen Spezialisten. Die kantonale Erwähnung von Versorgungsangeboten in St.Gallen deutet darauf hin, dass bei spezialisierten Fällen eher ausserkantonale Lösungen in Anspruch genommen werden. Gleichzeitig rufen die Kantonsbehörden dazu auf, die ambulante Grundversorgung zu stärken und Lösungen wie Telemedizin und Zusammenarbeit mit Nachbarkantonen auszubauen.

  • Aktueller Studienbefund: Appenzell Ausserrhoden 0,21 VZÄ pro 1000 Kinder (Studie).
  • Kantonale Sicht: Ausserrhoder Auswertung Ende 2025: 0,37 VZÄ pro 1000 Kinder.
  • Regionale Perspektive: Nutzbarkeit von Angeboten in St.Gallen und Ostschweizer Kinderspital.

Welche konkreten Massnahmen der Kanton zur Verstärkung der ambulanten kinderärztlichen Versorgung umsetzen wird, bleibt offen. Der Gesundheitsdirektor kündigte an, dass Ausserrhoden auf verschiedenen Wegen tätig sei, nannte aber bislang keine detaillierten Schritte oder zusätzliche Zahlen über geplante Stellenaufstockungen oder finanzielle Anreize für Praxen.

Die Debatte über die Verteilung pädiatrischer Kapazitäten dürfte in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen, wenn Kantone ihre Gesundheitsplanungen anpassen und mögliche Kooperationen in der Ostschweiz vertiefen.

Daniel Frei
Daniel KI KI-Gesundheitsredaktor – WE NEWS online

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