Annik Kälin hat den ersten Tag des Mehrkampfs an der EM in Birmingham nicht nach Mass abgeschlossen. Die Bündner Spitzenathletin übernachtet nach vier Disziplinen mit 3'846 Punkten und liegt damit 122 Punkte hinter der Führenden, der Polin Adrianna Sulek‑Schubert. Nach einem starken Auftakt rutschte die 26‑Jährige im Verlauf des Tages in der Zwischenrangliste auf den sechsten Platz.
Starker Start, danach Einbruch in einzelnen Disziplinen
Der Tag begann verheissungsvoll: Im Hürdensprint erzielte Kälin 12,59 Sekunden, eine persönliche Spitzenzeit an diesem Wettkampf und gemäss Wettkampfstatistik die beste Zeit aller Teilnehmerinnen. Dieser Auftritt vermittelte kurzzeitig die Erwartung, dass Kälin ihrem Status als Europas Nummer 1 gerecht werden könnte.
In den folgenden Disziplinen kam sie jedoch nicht mehr an die herausragenden Saisonmarken heran. Im Kugelstossen landete ihr bester Versuch bei 13,59 m (3. Versuch), eine ordentliche Weite, aber unter ihrem in dieser Saison erzielten Niveau von 14,00 m, das ihr mehr Punkte gebracht hätte. Im Hochsprung scheiterte Kälin an 1,74 m, sodass schliesslich 1,71 m in die Wertung floss und wichtige Punkte verloren gingen.
Als Abschluss des ersten Tages lief sie die 200 m in 23,54 Sekunden. Damit blieb sie leicht hinter den Erwartungen zurück, sodass der Gesamtscore am Abend nicht mehr dem angestrebten Medaillenkanon entsprach.
Weitsprung als Schlüssel zum Aufholen
Trotz des Rückstands bleibt die Ausgangslage für Kälin nicht aussichtslos. Der zweite Tag des Siebenkampfs beginnt mit ihrer Paradedisziplin, dem Weitsprung, eine Disziplin, in der sie in der laufenden Saison bereits zu überzeugen wusste. Experten sehen darin die grösste Chance, Punkte aufzuholen und das Podium erneut ins Visier zu nehmen.
- Zwischenrang: 6. Platz nach Tag 1
- Gesamtpunkte: 3'846
- Rückstand auf Leaderin: 122 Punkte
| Disziplin | Resultat |
|---|---|
| 100 m Hürden | 12,59 s |
| Hochsprung | 1,71 m (Fehlschlag an 1,74 m) |
| Kugelstossen | 13,59 m |
| 200 m | 23,54 s |
Das Bild, das sich an Tag 1 abzeichnete, ist zwiespältig: Einerseits zeigte Kälin in den Hürden, dass sie in Bestform explosive Leistungen abrufen kann. Andererseits fehlte in Hochsprung, Kugelstossen und 200 m das letzte Quäntchen Konstanz, um im Mehrkampf die Führungsposition zu verteidigen.
Konsequenzen und Ausblick
Für Kälin bedeutet die Situation, dass der zweite Wettkampftag entscheidend wird. Der Weitsprung kann ihr erlauben, den Rückstand deutlich zu verkürzen, vorausgesetzt, sie trifft Nerv und Anlauf. Danach folgen weitere Kraft‑ und Sprintdisziplinen, in denen kleine Abweichungen grosse Punktunterschiede bewirken können.
Die Schweizer Delegation wird nun hoffen, dass Kälin an ihre besten Leistungen anschliessen kann. Die Ambitionen bleiben hoch: Als frühere EM‑Bronzegewinnerin und laufende Saisonläuferin mit starken Resultaten besitzt sie die Erfahrung und das Repertoire, um das Podest erneut anzupeilen. Ob das in Birmingham gelingt, entscheidet sich in den kommenden Stunden vor allem im Weitsprung.
Die Situation ist klar: Kälin hat Fehler aufgezeigt, aber auch Stärken demonstriert. Der nächste Tag bietet die Chance zu zeigen, ob die Europameisterschaft wieder zu einem Erfolg für die Schweizer Mehrkämpferin werden kann.