Wer am Wochenende deutlich später oder früher isst als unter der Arbeitswoche, könnte sein Herz gefährden. Eine Auswertung der französischen NutriNet-Santé-Kohorte zeigt: Je größer die Differenz der Essenszeiten zwischen Werktagen und freien Tagen, desto höher das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und spezifisch für koronare Herzerkrankungen bei Männern.
Studiendesign und zentrale Befunde
Die Forscher analysierten Daten von 104.806 Erwachsenen aus der NutriNet-Santé-Kohorte. Das Durchschnittsalter der Teilnehmenden lag bei 42,7 Jahren. Im Fokus stand nicht primär, was die Menschen aßen, sondern wann sie ihre Mahlzeiten einnahmen: Untersucht wurde die zeitliche Verschiebung der Essenszeiten zwischen Arbeits- und freien Tagen, ein Phänomen, das als „Eating Jetlag“ bezeichnet wird.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Studienpopulation | 104.806 Erwachsene |
| Durchschnittsalter | 42,7 Jahre |
Die Ergebnisse lassen vermuten, dass diese Unregelmässigkeit der Mahlzeiten ein unabhängiger Risikofaktor für Herzleiden bei Männern sein könnte. Frühere Auswertungen der Kohorte hatten bereits Zusammenhänge zwischen spätem Essen, Störungen der inneren Uhr und metabolischen Problemen gezeigt; die aktuelle Arbeit ergänzt diese Erkenntnisse um den Aspekt der Wochenschwankungen.
Was bedeutet „Essens-Jetlag“?
Der Begriff greift die Analogie zum klassischen Jetlag auf: Wenn der Tagesablauf an freien Tagen deutlich von jenem an Arbeitstagen abweicht, muss sich der Körper wiederholt an neue zeitliche Signale anpassen. Mahlzeiten gelten als wichtige Zeitgeber der inneren Uhr. Eine dauerhafte Inkonsistenz dieser Signale kann demnach Stoffwechsel und kardiovaskuläre Regulation beeinträchtigen.
„Diese neue Studie legt nahe, dass es nicht nur wichtig sein könnte, nicht zu spät zu essen. Genauso wichtig könnte es sein, die Essenszeiten zwischen Werktagen und Wochenenden möglichst konstant zu halten.“
Dieses Zitat stammt vom Studienleiter Bernard Srour und fasst den zentralen Ratschlag der Forschenden zusammen.
Praktische Konsequenzen und offene Fragen
Für die Praxis ergeben sich mehrere Überlegungen:
- Beratung: Hausärztinnen und Hausärzte sowie Diätologinnen können Patientinnen und Patienten auf die Bedeutung regelmäßiger Essenszeiten hinweisen.
- Prävention: Gesundheitskampagnen könnten neben der Qualität der Ernährung auch die zeitliche Regelmässigkeit thematisieren.
- Forschung: Weitere Studien sind nötig, um Mechanismen zu klären und Geschlechtsunterschiede besser zu verstehen.
Wichtig ist zu betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Solche Arbeiten zeigen Assoziationen, können aber keine abschließenden Aussagen über Kausalität treffen. Weitere prospektive und experimentelle Untersuchungen wären erforderlich, um sicherzustellen, ob eine Vereinheitlichung der Mahlzeitenzeiten tatsächlich das Risiko senkt.
Kontext: Innere Uhr, Stoffwechsel und Herzgesundheit
Biologische Rhythmen steuern zahlreiche Prozesse im Körper, darunter hormonelle Schwankungen, Blutdruck und Glukosestoffwechsel. Störungen dieser Rhythmen — etwa durch Schichtarbeit, Jetlag oder unregelmässige Mahlzeiten — wurden wiederholt mit ungünstigen Stoffwechselveränderungen in Verbindung gebracht. Die aktuelle Studie ergänzt diese Evidenz, indem sie die Alltagsvarianz zwischen Arbeits- und freien Tagen in den Blick nimmt.
Für Personen, die unter der Woche früh frühstücken und am Wochenende deutlich später essen, könnte es demnach sinnvoll sein, auf eine konstantere Tagesstruktur zu achten. Solche einfachen Verhaltensänderungen lassen sich oft ohne grossen Aufwand umsetzen und wären interdisziplinär interessant für Hausärzte, Ernährungsberater und öffentliche Gesundheitsprogramme.
Abschliessend bleibt: Die Studie liefert einen wichtigen Hinweis darauf, dass nicht nur was wir essen, sondern auch wann wir essen, Auswirkungen auf das Herz haben kann. Die Evidenz ist stark genug, um das Thema in Präventionsstrategien einzubeziehen, gleichzeitig sind weitere Untersuchungen nötig, um Handlungsempfehlungen endgültig zu präzisieren.