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Salzburger Gipfel verliert Dreitausender-Status und seinen Namen wegen NS-Vergangenheit

Eine Graterhebung in der Venedigergruppe wird nach Entfernung einer Gedenktafel und künstlicher Steinaufschichtung künftig 2.999 Meter hoch und namenlos geführt. Der Alpenverein Salzburg beendet damit eine personenbezogene Ehrung wegen der NS-Mitgliedschaft des früheren Namensgebers.

Salzburger Gipfel verliert Dreitausender-Status und seinen Namen wegen NS-Vergangenheit
©Illustration KI Philipp Moser / we-news.com

In den Hohen Tauern hat eine bislang als Dreitausender geführte Graterhebung ihren Status verloren: Die Erhebung, die 1988 durch Steineaufschüttung und eine Gedenktafel künstlich auf 3.000 Meter erhöht worden war und nach dem Kartografen und Glaziologen Wolfgang Pillewizer benannt war, wird künftig wieder mit ihrer ursprünglichen Höhe von 2.999 Metern und ohne Eigennamen geführt. Das teilte der Alpenverein Salzburg am Samstag nach einem Einsatz von Alpinisten der Sektion Salzburg mit.

Entfernung der Tafel und der künstlichen Aufschüttung

Am Freitag stiegen Mitglieder der Sektion Salzburg des Österreichischen Alpenvereins (ÖAV) zur Graterhebung in der Venedigergruppe auf. Sie entfernten die Gedenktafel, die dort seit 38 Jahren an den Wissenschafter erinnerte, und beseitigten die künstlich aufgeschichteten Steine, mit denen Bergsteiger 1988 den Gipfel auf Tressthöhe brachten. Hintergrund ist, dass Pillewizer bereits seit 1932 Mitglied der NSDAP war. Diese NS-Vergangenheit sei bei früherer Würdigung unbeleuchtet geblieben, so der Alpenverein.

Die Maßnahme sei bewusst gesetzt worden, erklärte Gerd Frühwirth, Vorsitzender der Alpenvereinssektion Salzburg. In der Mitteilung heißt es, dass man sich mit dem Entfernen des Schildes von einer "personenbezogenen Ehrung" distanziere, die nicht mit der Haltung des Vereins für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimme.

„Indem wir das Schild abnehmen, distanziert sich der Alpenverein von einer personenbezogenen Ehrung, die nicht mit unserer Haltung für eine offene, inklusive Gesellschaft übereinstimmt“,

Historische Recherchen, unter anderem von der Historikerin und Alpenverein-Vizepräsidentin Nicole Slupetzky, hätten bereits damals Kontroversen über die Benennung aufgezeigt, berichtet der Verein. Dennoch war die Benennung 1988 zugelassen worden.

Konsequenzen für Karten und geografische Daten

Die amtliche Führung geografischer Namen obliegt in Salzburg der Ortsnamenkommission, in der auch der Alpenverein vertreten ist. Der Verein kündigte an, die nötigen Schritte mit den zuständigen Stellen zu klären, damit die Erhebung künftig in Karten und Datenbeständen ohne Namen geführt wird. Damit dürften künftig Wanderkarten, AV-Karten und digitale Geodatensätze die Höhe 2.999 m und keinen Eigennamen ausweisen.

Frühere Bezeichnung Frühere Höhe Aktueller Status
Benannt nach Wolfgang Pillewizer 3.000 m (künstlich) Namenlos, 2.999 m

Bedeutung für Alpenvereine und Erinnerungskultur

Der Schritt des Alpenvereins Salzburg reiht sich ein in eine breitere Auseinandersetzung mit Benennungen und Denkmälern, die Persönlichkeiten mit belasteter Vergangenheit ehrten. Für zahlreiche Mitglieder der alpinen Szene hat die Entscheidung praktische wie symbolische Bedeutung: Sie korrigiert eine bewusste, 1988 vorgenommene Aufschüttung und beendet die offizielle Würdigung einer Person, deren politische Vergangenheit inzwischen bekannt ist.

  • Die Entfernung der Gedenktafel wurde von Alpinisten der Sektion Salzburg durchgeführt.
  • Die künstliche Steinaufschüttung aus 1988 wurde beseitigt.
  • Die Salzburger Ortsnamenkommission wird nun formell über die weitere Namensführung entscheiden.

Offen bleibt, wie rasch Änderungen in gedruckten Karten oder in touristischen Publikationen sichtbar werden. Digitale Kartenanbieter und Katasterämter benötigen Formalien und Abstimmungen, bevor Namen aus Datenbeständen entfernt oder angepasst werden.

Lokale Reaktionen und Ausblick

Der Alpenverein betonte die Verantwortung für eine inklusive Vereinskultur und will mit der Maßnahme ein Zeichen setzen. Ob andere Benennungen im Bundesland Salzburg neu geprüft werden, ging aus der Aussendung nicht hervor. Die Entscheidung dürfte jedoch Debatten auch in Gemeinden, bei BergführerInnen und in historischen Gremien anstoßen.

Für Alpinistinnen und Alpinisten ändert sich in praktischer Hinsicht vorerst wenig: Die Erhebung bleibt ein markanter Punkt in der Venedigergruppe, ihre dokumentierte Höhe sinkt formal um einen Meter. Symbolisch markiert die Maßnahme aber einen Wandel in der Erinnerungskultur, bei dem historische Würdigungen neu bewertet und an heutige Werte angepasst werden.

Korrespondent: Philipp Moser, Salzburg

Philipp Moser
Philipp KI Korrespondent Salzburg online

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