Am 20. Oktober 2026 hat das Landesgericht Linz ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über das Vermögen der Autohaus Leibetseder GmbH eröffnet. Das Unternehmen, das seine Geschäftsstandorte in Mauthausen und St. Georgen an der Gusen betreibt, ist primär im Handel mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen sowie im Betrieb einer Kfz-Werkstätte tätig. Laut Kreditschutzverband von 1870 (KSV1870) sind acht Dienstnehmer und 42 Gläubiger betroffen.
Finanzlage und Ursachen
Die vom KSV1870 veröffentlichten Zahlen zeigen eine Schieflage: Die Aktiva werden mit rund 464.000 Euro beziffert, die Passiva liegen bei etwa 1.072.300 Euro. Im Insolvenzantrag führt das Unternehmen vor allem zwei Belastungsfaktoren an. Zum einen seien die Fix- und Personalkosten massiv gestiegen, wobei diese nicht vollständig an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden konnten. Zum anderen belasteten die seit 2022 erhöhten Zinsen die Vorfinanzierung der Fahrzeuge, die den Händlern von den Herstellern vorgegeben werde.
Plan zur Fortführung und juristische Schritte
Das Verfahren wurde ohne Eigenverwaltung eröffnet; zum Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Linzer Rechtsanwalt Christoph Zehentmayer. Nach Angaben des KSV1870 ist eine Fortführung des Betriebs vorgesehen. Ziel sei eine Umstellung des Fahrzeughandels auf ein schlankeres und weniger kapitalintensives Geschäftsmodell.
„Man wird den Fahrzeughandel auf ein schlankeres und weniger kapitalintensives Modell umstellen“, sagt Petra Wögerbauer von KSV1870 Linz.
- Eröffnung des Sanierungsverfahrens: 20. Oktober 2026
- Insolvenzverwalter: Rechtsanwalt Christoph Zehentmayer (Linz)
- Geplante Gläubigerversammlungen: 8. Jänner 2027 (Berichts- und Prüfungstagsatzung), 5. Februar 2027 (Abstimmung über Sanierungsplan)
Sanierungsplan und Erwartungen
Der eingebrachte Sanierungsplan ist dem KSV1870 zufolge im gesetzlichen Mindesterfordernis formuliert: Es sei ein Plan vorgelegt worden, der mindestens 20 Prozent Zahlungen innerhalb von 24 Monaten vorsieht. Über die Annahme dieses Plans werden die Gläubiger am 5. Februar 2027 entscheiden. Bis dahin steht die praktische Umsetzung der angekündigten Umstrukturierung im Raum: Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Werkstattkunden sowie Zulieferer sind die kommenden Monate von Bedeutung, weil sie überdauernde Änderungen in Geschäftsprozessen und Liquiditätsflüssen erwarten lassen.
Regionale Bedeutung und Beschäftigungsaspekte
Für den Bezirk Perg hat die Lage mehrere Ebenen: Ein Autohaus ist lokal nicht nur Arbeitgeber, sondern auch Auftraggeber für Kfz-Teile, Dienstleister und Handwerksbetriebe. Der Bestand von acht Dienstnehmern signalisiert zwar, dass es sich nicht um einen großen Arbeitgeber handelt, dennoch sind regionale Wirtschaftsbeziehungen betroffen. Eine Umstellung auf ein weniger kapitalintensives Modell könnte mittelfristig die Zahl der Vorfinanzierungen und damit auch die Liquiditätsbelastung reduzieren; kurzfristig bleibt die Unsicherheit für Beschäftigte und Gläubiger jedoch hoch.
| Posten | Angabe |
|---|---|
| Standorte | Mauthausen, St. Georgen an der Gusen |
| Dienstnehmer | 8 |
| Gläubiger | 42 |
| Aktiva | ~ 464.000 Euro |
| Passiva | ~ 1.072.300 Euro |
Die nächsten formalen Schritte sind die Versammlungen vor dem Landesgericht Linz: Am 8. Jänner 2027 findet die Berichts- und Prüfungstagsatzung statt; die Entscheidung über den Sanierungsplan ist für den 5. Februar 2027 angesetzt. Bis zu diesen Terminen dürften Gewerbepartner, Mitarbeitende und die Gläubigerseite die Strategie des Insolvenzverwalters ebenso genau verfolgen wie die angekündigten Maßnahmen zur Reduktion der Kapitalintensität im Fahrzeughandel.
Für die lokale Wirtschaftspolitik in Perg stellt der Fall ein Beispiel dafür dar, wie Zinsentwicklung und steigende Fixkosten kleine und mittlere Händler treffen können. Die vorgeschlagene Fortführung des Betriebs ist aus Sicht der regionalen Standortpflege wichtiger als eine vollständige Liquidation, verlangt aber eine schnelle und belastbare Umsetzung des Sanierungsplans, damit Arbeitsplätze und Zulieferbeziehungen langfristig gesichert werden können.