Die Zukunft des Chiquitano-Trockenwaldes steht nach Auffassung von Menschenrechts- und Umweltorganisationen nicht nur in Bolivien, sondern auch in Europa auf dem Spiel. Am Rande des bolivianischen Gedenktags für den Chiquitano-Trockenwald mahnen die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und mehrere indigene Organisationen, dass politische Entscheidungen und Konsum in Europa direkte Folgen für indigene Territorien und die globale Klimastabilität haben.
Ein Ökosystem mit globaler Bedeutung
Der Chiquitano-Trockenwald ist laut den beteiligten Organisationen der größte intakte Trockenwald der Erde. Am 12. August 2026 wurde der von indigenen Jugendgruppen angestoßene Gedenktag begangen; die Regionalregierung Santa Cruz hatte den Tag 2025 gesetzlich eingeführt. Anlass für die Erinnerung war nicht nur die kulturelle Bedeutung, sondern vor allem die zunehmende Gefährdung des Gebiets durch Ausweitung der Agrarindustrie und neue Investitionsprojekte.
„Der Chiquitano-Trockenwald ist sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für das Weltklima von großer Bedeutung“,
so Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV, der damit die Position der zivilgesellschaftlichen Akteure zusammenfasst.
Wer warnt – und wovor?
Gemeinsam mit der GfbV meldeten sich lokale Akteure zu Wort: das Comité de Gestión des Naturschutzgebiets Tucabaca de Roboré, das Comité Cívico der Bewegung zum Schutz des Tucabaca-Tals und die indigene Gemeinschaft Qituquiña aus San José de Chiquitos. Sie betonen, dass die staatliche Förderung der Agrarindustrie und neue Investitionsvorhaben die Grundlage für weitere Rodung, Wasserkrisen, Dürren und vermehrte Waldbrände legt.
- Betroffene: Indigene Gemeinschaften und lokale Autoritäten in Santa Cruz.
- Treiber: Ausweitung agrarindustrieller Produktion, Investitionsprojekte in indigenen Gebieten.
- Folgen: Entwaldung, Wasserknappheit, erhöhte Waldbrandgefahr, Verlust traditioneller Landnutzungen.
Warum Europa mitentscheidet
Die GfbV macht deutlich, dass europäische Konsumentscheidungen und Handelspolitik Teil der Druckkette sind: Rohstoffe und Agrarprodukte, die über internationale Lieferketten abfließen, beeinflussen die ökonomische Dynamik vor Ort. Staatliche Förderungen und größere Investitionsvorhaben in Bolivien können durch Nachfrage und Handelsabkommen aus Europa indirekt begünstigt werden — mit unmittelbaren Auswirkungen auf Wälder und indigene Lebensräume.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 2025 | Einführung des Chiquitano-Gedenktags durch die Regionalregierung Santa Cruz |
| 12. August 2026 | Gedenktag und erneute Warnungen von GfbV und indigenen Organisationen |
Für Österreich und die EU bedeutet das: Entscheidungen in Handelsfragen, Importregeln oder Förderinstrumenten haben nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und menschenrechtliche Konsequenzen weit jenseits des Kontinents. Aktivistinnen und Aktivisten fordern daher verbindlichere Sorgfaltspflichten in Lieferketten sowie stärkere Beteiligung indigener Akteurinnen bei Projektgenehmigungen.
Konkrete Forderungen und nächste Schritte
Die GfbV und die lokalen Komitees plädieren für Naturschutzmaßnahmen, Wiederherstellung beschädigter Flächen und gemeinschaftlich organisierte Formen der Landbewirtschaftung. Gleichzeitig wird vor der staatlichen Politik gewarnt, die durch Förderung der Agrarindustrie den Druck auf Wälder erhöhe und damit langfristig die Lebensgrundlagen vor Ort untergrabe.
Für die heimische Debatte ist die Botschaft klar: Klimagerechtigkeit endet nicht an Staatsgrenzen. Europäische Handelspolitik und Konsumverhalten tragen Verantwortung für den Schutz sensibler Ökosysteme und für die Rechte indigener Gemeinschaften. Wie diese Verantwortung konkret erfüllt werden soll, bleibt Teil laufender politischer Auseinandersetzungen in Brüssel und in den Mitgliedstaaten.
Die Erinnerung an den Chiquitano-Trockenwald am 12. August hat in diesem Jahr die Diskussion neu entfacht — und stellt die Frage, ob internationale Kooperation und verbindliche Regeln den Druck auf weltweit bedeutende Ökosysteme reduzieren können.