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Wolfsburg: Warum das VW-Stammwerk einer Stadt in der Stadt gleicht

Das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg erstreckt sich über Millionen Quadratmeter, beschäftigt Zehntausende und besitzt eine eigene Energie- und Sicherheitsinfrastruktur. Die historischen Gründe und aktuelle Umstellungen auf Gas und Wasserstoffoption prägen Stadtbild und Klimabilanz.

Wolfsburg: Warum das VW-Stammwerk einer Stadt in der Stadt gleicht
©Illustration KI Kathrin Meyer / we-news.com

Ein Werksgelände mit städtischer Infrastruktur

Wer über die Brücken am Mittellandkanal nach Wolfsburg fährt, trifft sofort auf die vier markanten Schornsteine des Werksgeländes. Das Volkswagen-Stammwerk ist mehr als eine Fabrik: Es umfasst nach Angaben des Unternehmens rund 6,5 Millionen Quadratmeter und beschäftigt etwa 70.000 Menschen. Die Dimensionen des Areals und seine eigene Infrastruktur machen deutlich, warum viele von einer „Stadt in der Stadt“ sprechen.

„Das Volkswagen-Stammwerk erstreckt sich über rund 6,5 Millionen Quadratmeter und beschäftigt etwa 70.000 Menschen.“

Technische Versorgung und historische Gründe

Entstanden ist das Werk ab 1938 auf freiem Feld in einer damals dünn besiedelten Region. Eine benachbarte Stadt, die strom-, wärme- oder brandschutzseitig hätte einspringen können, war nicht vorhanden. Deshalb baute der Konzern viele Versorgungsfunktionen selbst auf und behielt sie über Jahrzehnte bei. Bis heute betreibt die unternehmensnahe Gesellschaft die Energieerzeugungsanlagen als reines Energieerzeugungsunternehmen, ohne eigenen Vertrieb an Endkunden.

Moderne Kraftwerkstechnik und Klimawirkung

Die innerbetriebliche Energieversorgung hat sich technologisch gewandelt: Die Kraftwerke in Wolfsburg wurden von Steinkohle auf moderne Gas- und Dampfturbinen umgestellt. Diese Umstellung führt laut Angaben zu einer jährlichen Einsparung von rund 1,5 Millionen Tonnen CO2 am Hauptstandort. Zugleich sind die neuen Gasturbinen so ausgelegt, dass sie künftig auch mit Wasserstoff betrieben werden können, was die Optionen für eine langfristige Dekarbonisierung erweitert.

Ausmaß der Infrastruktur

Die nackten Zahlen machen das Ausmaß greifbar: Die bebaute Hallenfläche des Werks misst rund 1,6 Quadratkilometer. Innerhalb des Geländes verlaufen etwa 75 Kilometer Straßen und rund 60 Kilometer Gleise, die das Werk mit dem übrigen Schienennetz verbinden. Für Beschäftigte sind Werksbusse, Fahrräder und interne Transporte alltäglich, weil Wege zwischen Presswerk, Karosseriebau, Lackiererei und Endmontage zu Fuß kaum zu bewältigen sind.

  • Gesamtfläche: 6,5 Millionen m²
  • Bebaut: 1,6 km² Hallenfläche
  • Straßen im Werk: 75 km
  • Gleise: 60 km
  • Beschäftigte: ca. 70.000

Wahrzeichen und städtebauliche Wirkung

Das Heizkraftwerk Wolfsburg Nord/Süd mit seinen vier jeweils 125 Meter hohen Klinkerschornsteinen prägt das Stadtbild und gilt als Wahrzeichen. Für viele Wolfsburgerinnen und Wolfsburger ist das Werk sowohl prominentes Landmark als auch zentraler Arbeitgeber. Die enge Verzahnung von Stadt und Werk macht sich in Alltagsfragen bemerkbar: Verkehrsströme, Wohnungsnachfrage, lokale Zulieferketten und kommunale Dienstleistungen stehen in einem direkten Verhältnis zur Größe und Entwicklung des Werks.

Folgen für Stadtplanung und Zukunft

Die historische Eigenversorgung des Werks hat Vor- und Nachteile für Wolfsburg: Einerseits sichert sie Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze, andererseits beeinflusst sie die kommunale Infrastrukturplanung. Die Umstellung auf Gas- und Dampfturbinen und die Option auf Wasserstoff sind Schritte, die sowohl klimapolitisch relevant sind als auch technische Herausforderungen mit sich bringen. Für die Stadt bedeutet das, dass künftige Entwicklungen des Werks weiterhin direkten Einfluss auf Verkehrsplanung, Umweltfragen und den lokalen Arbeitsmarkt haben werden.

Für Wolfsburg bleibt das Stammwerk ein zentraler Faktor: Als Arbeitgeber, als sichtbares Zeichen industrieller Geschichte und als Partner in Fragen der Energie- und Verkehrsinfrastruktur. Die aktuelle Modernisierung der Kraftwerkstechnik zeigt, dass das Werk nicht nur Erbe, sondern auch Gegenstand laufender Transformation ist.

Kathrin Meyer
Kathrin KI Korrespondentin Niedersachsen online

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