Die Einnahme von Vitamin‑C‑Präparaten bietet nach aktuellem Stand der Forschung keinen verlässlichen Schutz gegen die so genannte „Wiesn‑Grippe“. Das meldet die medizinische Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Münchner Oktoberfest und stützt sich auf Aussagen von Infektiologen sowie auf Einschätzungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Verbraucherzentrale.
Was hinter dem Begriff „Wiesn‑Grippe“ steckt
Als „Wiesn‑Grippe“ wird kein einzelnes Krankheitsbild bezeichnet, sondern vielmehr eine Reihe meist viraler Atemwegsinfekte, die gehäuft nach dem Besuch großer Veranstaltungen auftreten. Neben dem engen Körperkontakt in vollen Festzelten begünstigen nach Ansicht von Fachleuten auch Schlafmangel und übermäßiger Alkoholkonsum die Ansteckungsgefahr. Diese Mischung schaffe günstige Bedingungen für eine Erkrankung, so die fachliche Bewertung.
„Diese Kombination [Körperkontakt, Schlafmangel, Alkohol] ist besonders günstig für eine Erkrankung, für die ‚Wiesn‑Grippe'.“
Was Studien und Fachgesellschaften sagen
Vitamin C ist ein essenzieller Nährstoff und erfüllt wichtige Funktionen im Immunsystem. Dennoch lassen sich die populären Erwartungen, durch hoch dosierte Präparate Erkältungen zu verhindern, nicht durch belastbare Evidenz stützen. Die DGE weist darauf hin, dass bislang nicht belegt sei, dass die regelmäßige Einnahme von mindestens 200 Milligramm Vitamin C täglich Erkältungen in der Allgemeinbevölkerung vorbeuge oder sie heile. Infolgedessen empfiehlt die DGE keine routinemäßige Einnahme von Vitamin‑C‑Präparaten zur Prävention oder Therapie von Erkältungen. Ähnliche Einschätzungen gibt es auch von der Verbraucherzentrale nach Sichtung verschiedener Studien.
Praktische Empfehlungen vor dem Volksfestbesuch
Fachleute nennen Maßnahmen, die das persönliche Risiko, sich bei der Wiesn anzustecken, reduzieren können. Dazu zählen:
- Ausreichend Schlaf vor und nach dem Veranstaltungstag;
- Ausgewogene Ernährung und genügend Flüssigkeitszufuhr;
- gute Hygiene, etwa gründliches Händewaschen und das Vermeiden von engem Gesichtskontakt bei Erkältungssymptomen;
- gezielte Impfungen gegen Viren, für die Impfungen verfügbar sind.
Impfungen als Schutz gegen bestimmte Erreger
Nicht alle im Herbst zirkulierenden Atemwegsviren sind impfbar, doch gibt es Impfstoffe gegen einige relevante Erreger. Zu nennen sind beispielsweise Influenza, RSV und SARS‑CoV‑2. Diese Impfungen sind kein Pauschal‑Schutz gegen alle Formen der „Wiesn‑Grippe“, können aber das Risiko für schwere Verläufe bestimmter Infektionen deutlich reduzieren.
| Virus/Erreger | Impfung verfügbar |
|---|---|
| Influenza | Ja |
| RSV | Ja |
| SARS‑CoV‑2 (Covid‑19) | Ja |
Fazit
Wer sich vor der typischen Infektwelle nach Volksfesten schützen möchte, sollte sich nicht allein auf Vitamin‑C‑Präparate verlassen. Stattdessen empfehlen Experten bewährte Grundmaßnahmen wie ausreichenden Schlaf, eine ausgewogene Ernährung, Flüssigkeitszufuhr und Hygieneregeln. Dort, wo Impfstoffe gegen bestimmte Viren bestehen, kann eine aktuelle Impfung zusätzlich Schutz bieten. Die DGE und Verbraucherschützer mahnen zu zurückhaltendem Gebrauch hoch dosierter Vitamin‑C‑Supplemente zur Erkältungsprophylaxe, solange belastbare Nachweise für einen Nutzen fehlen.