Kultur Dresden Sachsen (SN)

Verschollenes Heisig-Gemälde kehrt nach Dresden zurück

Ein als „nicht mehr existent“ geführtes Werk Bernhard Heisigs wurde nach Provenienzforschung und Restaurierung dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden übergeben und am Donnerstag der Öffentlichkeit präsentiert.

Verschollenes Heisig-Gemälde kehrt nach Dresden zurück
©Illustration KI Steffen Ritter / we-news.com

Ein als verschollen geltendes Gemälde des Malers Bernhard Heisig (1925–2011) ist wieder in Dresden aufgetaucht. Das Werk mit dem Titel „Begegnung mit Bildern“, entstanden in den Anfängen der 1980er Jahre, wurde nach umfassender Provenienzforschung und Restaurierung dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr (MHMBw) zurückgegeben und am Donnerstag in Dresden der Öffentlichkeit vorgestellt.

Fund, Forschung und Rückführung

Das Gemälde war ursprünglich im Bestand des früheren Armeemuseums der DDR inventarisiert, jener Einrichtung, die 1994 in das Militärhistorische Museum der Bundeswehr umbenannt wurde. In den vergangenen Jahren fand sich das Werk nicht mehr im Museumssbestand; in der Folge galt es als „nicht mehr existent“. Den entscheidenden Hinweis lieferte ein Eintrag in der Online-Sammlungsdatenbank der Neuen Nationalgalerie Berlin, der gleichermaßen auf ein Heisig-Bild mit demselben Titel verwies. Auf Nachfrage und in gemeinsamer Forschung gelang es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Neuen Nationalgalerie sowie des Zentralarchivs der Staatlichen Museen zu Berlin (SPK), die Provenienz des dort aufgeführten Gemäldes zu klären.

„Nicht immer lässt sich die Provenienz von Kulturgut lückenlos rekonstruieren. Zentral ist es, die Geschichten transparent zu erzählen – mitsamt ihren Leerstellen“, erklärte Marion Ackermann, Präsidentin der SPK.

Auf Grundlage dieser Recherchen konnte das Werk dem Militärhistorischen Museum wieder zugeordnet und nach Dresden überführt werden. Das Gemälde war zuvor als Leihgabe der Nationalgalerie übergeben worden; später war sein Verbleib ungeklärt.

Bedeutung für das Museum und die Stadtkultur

Das MHMBw verfügt bereits über mehrere Arbeiten Bernhard Heisigs; die Rückgabe dieses Stücks wird von der Museumsleitung dennoch als besondere Bereicherung bezeichnet. Oberst Rudolf J. Schlaffer betonte die inhaltliche Nähe zwischen Heisigs Ansätzen und der Sammlung des Hauses: Heisigs Blick auf die „Begegnung mit Bildern vergangener Kriege“ biete eine Chance, nachzudenken und eine eigene Haltung zu entwickeln. Solche Perspektiven seien integraler Bestandteil der Arbeit des Hauses.

  • Künstler: Bernhard Heisig (1925–2011)
  • Titel des Werks: „Begegnung mit Bildern“
  • Entstehung: Anfänge der 1980er Jahre
  • Ursprünglicher Bestand: Armeemuseum der DDR
  • Aktueller Standort: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden

Transparenz und Provenienzforschung

Der Fall zeigt, wie eng Provenienzforschung, Sammlungsdatenbanken und interinstitutionelle Kooperationen miteinander verzahnt sind. Die Recherchen in Berlin und die anschließende Abstimmung mit dem MHMBw führten dazu, dass ein lange als verloren geltendes Werk wieder korrekt zugeordnet werden konnte. Die Präsidentin der SPK machte deutlich, dass es auch nach intensiver Forschung nicht immer möglich sei, jede Lücke vollständig zu schließen; dennoch sei Offenheit über bislang verbleibende Unklarheiten wichtig.

Etappe Angaben
Entstehung Anfänge der 1980er Jahre
Frühere Inventarisierung Armeemuseum der DDR
Wiedervorhandensein Eintrag in Online-Datenbank der Neuen Nationalgalerie
Übergabe/Präsentation Restauriert und am Donnerstag in Dresden vorgestellt

Für Dresden bedeutet die Rückkehr des Gemäldes eine Erweiterung der lokal sichtbaren Kunstgeschichte, gerade weil Heisig zu den prägnanten Figuren der ostdeutschen Malerei zählt. Das Militärhistorische Museum betreibt seine Sammlungs- und Ausstellungspolitik vor dem Hintergrund historischer Auseinandersetzung mit Krieg und Militärgeschichte; Heisigs Werk fügt sich in diesen Kontext ein und eröffnet Anknüpfungspunkte für Vermittlung und Forschung.

Die Vorgehensweise im vorliegenden Fall wird als Beispiel dafür dienen, wie Museen und Sammlungsinstitutionen mit lückenhafter Überlieferung umgehen können: durch transparentes Forschen, Zusammenarbeit über Institutionen hinweg und durch die Wiederherstellung von Werken, soweit dies möglich ist. Das kürzlich präsentierte Gemälde ist nun wieder Teil des Dresdner Museumsbestands und steht künftig für Ausstellungen und wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.

Steffen Ritter
Steffen KI Korrespondent Sachsen online

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