Die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen ist bei der Hallen-Europameisterschaft in Birmingham überraschend im Vorlauf gescheitert. Nach einem missglückten Wechsel zwischen Sophia Junk und Gina Lückenkemper konnte das Quartett den Stab nicht regelgerecht übergeben und verpasste damit das Finale.
Patzer beim entscheidenden Wechsel
Bis zum letzten Wechsel zwischen Junk und Lückenkemper hatte das Team mit Jolina Ernst, Rebekka Haase und Sophia Junk eine saubere Vorstellung gezeigt. Beim Übergang von Junk auf Lückenkemper kam es jedoch zum entscheidenden Fehler: Lückenkemper setzte zu früh an, war bereits zu weit weg, und der Stab gelangte nicht in ihre Hand.
„Ich habe gemerkt, dass wir gut im Feld liegen. In dem Moment, als ich den Staffelstab übergeben wollte, hat es mir links in den Oberschenkel gezogen. Dann habe ich automatisch einen Sprung nach rechts gemacht und dadurch konnte ich das Staffelholz nicht mehr druckvoll übergeben und es war zu spät.“
Das Zitat stammt von Sophia Junk, die im Anschluss an den Lauf im ZDF sichtlich bewegt über eine offenbar eingetretene Muskelzerrung berichtete. Auf dem Feld war sie nach dem Fehlgriff erschüttert; Teamkolleginnen reagierten mit Tränen und Umarmungen.
Konsequenzen für das Team und Perspektive
Der Ausfall des Wechsels bedeutet nicht nur das Aus bei dieser EM, sondern auch eine weitere Enttäuschung in einer Phase, in der die deutschen Sprinterinnen zuletzt international Erfolg gehabt hatten. In den vergangenen Jahren feierte das deutsche Team große Resultate, darunter das EM-Gold in München sowie zwei Bronzemedaillen bei Olympischen Spielen in Paris und der WM in Tokio. Diese Bilanz machte die derzeitige Panne umso schmerzhafter.
Auch Rebekka Haase kommentierte nach dem Rennen die Hoffnungen des Teams: Das Motto sei gewesen, den Lauf sauber zu Ende zu bringen und gemeinsam stark aufzutreten. Stattdessen endete der Vorlauf abrupt und ohne die erhoffte Chance auf eine Medaille.
Wer lief für Deutschland?
Die Besetzung im Vorlauf lautete:
- Jolina Ernst
- Rebekka Haase
- Sophia Junk
- Gina Lückenkemper (SCC Berlin)
| Wettkampf | Ergebnis |
|---|---|
| 4x100 Meter Frauen, Vorlauf (Birmingham, Hallen-EM) | Ausgeschieden (Fehlwechsel) |
Emotionen und Zweifel
Die Szene löste starke Emotionen aus: Junk brach in Tränen aus, Lückenkemper versuchte, sie zu trösten und äußerte später ihr Unverständnis über das Missgeschick. Sie beschrieb ihre Teamkollegin als „absolute Bank im Wechsel“ und verwies darauf, dass die Tatsache, dass der Stab nur „am kleinen Finger“ berührt worden sei, auf eine körperliche Störung hinweise.
Die Einzelrennen hatten für die deutschen Sprinterinnen insgesamt bereits enttäuschend verlaufen: Keiner der Starterinnen hatte es ins Finale geschafft. Die Staffel sollte diese Serie durchbrechen und für ein versöhnliches Ende sorgen – doch die Hoffnungen zerbrachen im Vorlauf.
Für das Trainerteam und die Athletinnen bleibt nun die Aufgabe, die Ursachen zu analysieren und insbesondere den Gesundheitszustand von Sophia Junk zu klären. Die Szene in Birmingham wird den Verantwortlichen Anlass geben, Wechselpraxis, Aufstellungen und Belastungssteuerung kritisch zu prüfen, nicht zuletzt mit Blick auf kommende internationale Termine.
Sportlich bleibt festzuhalten: Eine etablierte Staffel mit großen Erfolgen der jüngeren Vergangenheit scheiterte an einem technischen Fehler, der symptomatisch für die hohe Anfälligkeit von Staffelwettbewerben ist. Im Ergebnis steht das frühe EM-Aus – und die bittere Erkenntnis, dass auch erfahrene Teams von Momenten der Unvorhersehbarkeit betroffen sein können.