Stuttgart – Die Württembergischen Staatstheater fordern einen verbindlichen Beschluss von Stadt und Land zur Zukunft der Stuttgarter Oper. Angesichts der hohen Kosten und der laufenden öffentlichen Debatte um Sanierung oder Neubau sei ein gemeinsamer Konsens unabdingbar, sagte der geschäftsführende Intendant Marc‑Oliver Hendriks gegenüber der dpa. Ohne eine gemeinsame Haltung von Land und Kommune lasse sich das Vorhaben nicht erfolgreich umsetzen.
„Die Opernsanierung ist eine Jahrhundertaufgabe, die nur im Konsens von Stadt und Land gemeinsam gelingen kann.“
Hintergrund: Gebäude, Kosten und Zeitplan
Der 1912 eröffnete Littmann‑Bau neben dem Landtag gilt als dringend sanierungsbedürftig. Konkrete, aktuelle Kostenschätzungen für die komplette Instandsetzung liegen nicht vor; eine frühere Kalkulation von 2019 ging von rund einer Milliarde Euro aus. Stadt und Land würden die Ausgaben gemeinsam tragen.
| Parameter | Angabe |
|---|---|
| Baujahr Littmann‑Bau | 1912 |
| Frühere Kostenschätzung | ca. 1 Milliarde Euro (2019) |
| Geplante Interimsspielstätte | Etwa 10 Jahre als Ausweichquartier |
| Ursprünglicher Baubeginn Interim | 2026 (geplant) |
| Aktuell diskutierter Baubeginn | 2028 |
| Erste Aufführungen im Interim | Geplant ab 2033 |
Özdemir: Expertenanhörung statt Schnellschluss
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) hat vorgeschlagen, das Projekt grundsätzlich auf den Prüfstand zu stellen. Er regte an, Experten in einer Anhörung zu beraten, ob der bestehende Bau saniert oder ein Neubau errichtet werden sollte. Aus Sicht der Staatstheater wäre eine solche Anhörung ein folgerichtiger Schritt, um Vertrauen und breite Zustimmung zu sichern, erklärte Hendriks.
Was steht auf dem Spiel?
Für die Kulturlandschaft Stuttgarts geht es nicht nur um ein Gebäude, sondern um Betriebsfähigkeit, Spielpläne und Personalplanung für Oper, Schauspiel und Ballett. Ein langjähriges Ausweichquartier ist erforderlich, damit künstlerische Arbeit und Probenbetrieb während der Sanierung erhalten bleiben. Geplant ist ein Interim, das rund zehn Jahre genutzt werden soll; die Unwägbarkeiten bei Planung und Finanzierung erhöhen jedoch die Belastung für die betroffenen Sparten.
- Kultureller Wert: Die Oper als Identifikationsort für Stadt und Region.
- Finanzielle Dimension: Noch unklare Gesamtkosten, frühere Schätzung 2019: rund 1 Mrd. Euro.
- Betriebliche Folgen: Notwendigkeit eines Übergangsquartiers für rund ein Jahrzehnt.
Praktische Folgen für Publikum und Beschäftigte
Für die Besucherinnen und Besucher bedeuten Bauphasen veränderte Spielorte, längere Wege und mögliche Einschränkungen im Angebot. Für die Beschäftigten der Staatstheater sind vorübergehende Standortverlagerungen, logistische Herausforderungen und zusätzliche Planungsaufwände zu erwarten. Welche Kosten letztlich auf Stadt und Land zukommen, hängt vom Ergebnis der Prüfung ab und davon, ob Sanierung oder Neubau favorisiert wird.
Weg zur Entscheidung
Eine unabhängige Expertenanhörung könnte technische, denkmalpflegerische, finanzielle und betriebswirtschaftliche Aspekte zusammenführen. Ziel wäre es, die Varianten Sanierung versus Neubau vergleichbar zu machen und Handlungsempfehlungen für die politisch Verantwortlichen zu formulieren. Die Staatstheater betonen, dass eine solche externe Evaluation zur Wiederherstellung von Vertrauen beitragen könne.
Obwohl der Diskurs in den vergangenen Monaten lauter geworden ist, bleibt offen, wie schnell konkrete Beschlüsse getroffen werden. Der Umgang mit diesem Projekt wird die Zusammenarbeit zwischen Land und Landeshauptstadt in den kommenden Jahren sichtbar prägen – sowohl in haushalterischer als auch in kultureller Hinsicht.
Wolfgang Maier, Korrespondent Baden‑Württemberg