In Berlin sind Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft mit spezialisierten Einheiten gegen Schusswaffengewalt vorgegangen und haben bislang mehr als 50 Verdächtige in Untersuchungshaft gebracht. Behördenangaben zufolge wurden insgesamt 68 Haftbefehle erlassen (Stand: 13. August).
Schwerpunkt: Sondereinheiten Ferrum und Telum
Die Landeskriminalamt-Einheit „Ferrum“ – lateinisch für „Eisen“ – wurde vor etwa neun Monaten aufgestellt und hat seitdem mehr als 600 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Bei ihren Maßnahmen kontrollierten die Ermittler laut Polizeiangaben über 3.800 Fahrzeuge und überprüften 866 Lokale oder Geschäfte. Im Zuge der Einsätze wurden rund 280 Personen vorübergehend festgenommen.
Als Ergänzung zur polizeilichen Ermittlungsarbeit hat die Staatsanwaltschaft die Gruppe „Telum“ (lateinisch für „Angriffswaffe") eingesetzt. Telum existiert seit etwa fünf Monaten und bearbeitet Fälle, die in enger Abstimmung mit Ferrum behandelt werden. Bis zum 4. August zählte Telum 197 Verfahren, in elf Fällen wurde bereits Anklage erhoben.
„Wir versuchen möglichst viele Leute aus dem Verkehr zu ziehen und in die Strukturen hineinzukommen“, sagte Abteilungsleiter Thorsten Cloidt der Deutschen Presse-Agentur.
Zahlen und Entwicklungen
Die Behörden betonen, dass die Schusswaffengewalt in Berlin in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei 1.119 Fälle von Schusswaffengebrauch; dazu zählen auch Drohungen ohne tatsächliche Schussabgabe. Das entspricht einem Anstieg von 68 Prozent gegenüber 2024. Für das laufende Jahr meldete die Polizei bis zum 5. August bereits 62 Straftaten mit scharfen Schusswaffen.
- Haftbefehle erlassen: 68 (Stand 13. August)
- Untersuchungshaft: mehr als 50 Personen
- Ferrum-Verfahren: über 600
- Kontrollierte Fahrzeuge: mehr als 3.800
- Geprüfte Lokale/Geschäfte: 866
- Vorübergehend Festgenommene: rund 280
- Telum-Verfahren: 197 (Stand 4. August), 11 Anklagen
| Einheit | Zeitraum seit Gründung | Wesentliche Zahlen |
|---|---|---|
| Ferrum (LKA) | ~9 Monate | >600 Verfahren; >3.800 Fahrzeuge; 866 Lokale; ~280 Festnahmen |
| Telum (Staatsanwaltschaft) | ~5 Monate | 197 Verfahren; 11 Anklagen |
Ermittlungsstrategie und Folgen
Die Maßnahme zielt nach Angaben der Ermittler darauf ab, verdächtige Personen aus ihrem Umfeld zu lösen, organisierte Strukturen zu durchdringen und weitere Gewalttaten zu verhindern. Die Kombination aus polizeilichen Kontrollen, gezielten Festnahmen und strafrechtlicher Verfolgung soll sowohl kurzfristig als auch präventiv wirken.
Konkrete Angaben zu den Tatvorwürfen einzelner Beschuldigter, möglichen Tatorten oder den Hintergründen der Fälle machte die Staatsanwaltschaft in den vorliegenden Kurzinformationen nicht. Ebenso offen bleiben Details zu den gesuchten weiteren Verdächtigen, gegen die gefahndet werde.
Auswirkungen für den Alltag in Berlin
Die verstärkte Präsenz von Spezialkräften, Polizeikontrollen und Ermittlungsmaßnahmen kann in betroffenen Kiezen zu einschneidenden Maßnahmen führen: temporäre Straßensperren, Razzien in Lokalitäten und intensivere Verkehrsüberprüfungen sind mögliche Folgeerscheinungen, die Anwohner und Gewerbetreibende spüren. Die Behörden haben betont, dass die Einsätze Teil einer längerfristigen Strategie seien, um die Situation insgesamt zu stabilisieren.
Für Bürger bleiben zwei Fragen zentral: Wie sicher ist das Stadtgebiet aktuell, und wie schnell wirken die Ermittlungen? Offizielle Zahlen zeigen einen klaren Anstieg der Vorfälle mit Schusswaffen. Ob die laufenden Verfahren und die Festnahmen den Trend tatsächlich umkehren werden, lässt sich kurzfristig noch nicht beurteilen.
Die Ermittlungen laufen weiter; die Behörden fahnden nach weiteren mutmaßlichen Tätern und prüfen die eingeleiteten Verfahren. Weitere Informationen will die Staatsanwaltschaft zu gegebenem Zeitpunkt veröffentlichen.