Politik Kiel Schleswig-Holstein (SH)

Schleswig‑Holstein verschärft Vorgaben zur Gleichstellung in Verwaltung und Gremien

Das Kabinett in Kiel beschloss eine Novelle des Gleichstellungsgesetzes, die verbindlichere Regeln für Besetzungen, Vereinbarkeit und Fördermaßnahmen vorsieht. Sozialministerin Aminata Touré betont die Notwendigkeit klarer Strukturen.

Schleswig‑Holstein verschärft Vorgaben zur Gleichstellung in Verwaltung und Gremien
©Illustration KI Malte Boysen / we-news.com

Das Kabinett in Kiel hat am Dienstag eine Novelle des Landesgleichstellungsgesetzes beschlossen, mit der Schleswig‑Holstein die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Landesverwaltung und auf kommunaler Ebene verbindlicher regeln will. Ziel der Reform ist es, die Mitwirkung von Frauen in Gremien, Führungsebenen und Beiräten systematisch zu erhöhen und die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf zu verbessern.

Verbindlichere Regeln statt Freiwilligkeit

Nach Angaben des Sozialministeriums soll die Reform dafür sorgen, dass Gleichstellung künftig nicht allein der politischen Haltung überlassen bleibt, sondern durch klarere Regeln und stärkere Strukturen in der Verwaltung verankert wird. Sozialministerin Aminata Touré (Grüne) machte deutlich, dass staatliche Stellen hier eine Vorbildfunktion innehätten.

„Gleichstellung passiert nicht von allein.“

Touré erklärte zudem, es gehe bei der Reform auch um die konkrete Verteilung von Macht: Wer ent­scheidet, wer wie viel verdient und wer welche Chancen erhält. Die Landesregierung will deshalb Eingriffe in den bisherigen Praxisspielraum vornehmen, um eine ausgewogenere Besetzung von Entscheidungsinstanzen zu erzwingen.

Konkrete Änderungen und Eingriffe

Die vorgesehenen Neuerungen betreffen mehrere Bereiche der Verwaltungspraxis. Nach der Beschlussfassung des Kabinetts sollen unter anderem Benennungen und Entsendungen von Vertreterinnen und Vertretern in Kommissionen, Beiräten, Ausschüssen, Vorständen sowie Verwaltungs- und Aufsichtsräten künftig eine klarere Gleichverteilung zwischen Frauen und Männern vorsehen. Ministerin Touré formulierte es so: Frauen und Männer müssten "jeweils hälftig berücksichtigt werden".

Weitere zentrale Punkte der Novelle sind:

  • Stärkere Berücksichtigung von Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf bei Personalentscheidungen;
  • Erleichterte Möglichkeiten für Beschäftigte, Beurlaubungen aus familiären Gründen zu nehmen, sofern keine zwingenden dienstlichen Gründe dagegen sprechen;
  • Bevorzugte Teilnahme von Frauen an Fortbildungen, die auf Führungsaufgaben vorbereiten;
  • Erleichterungen für Führung in Teilzeit, um auch Eltern und Pflegende den Zugang zu Leitungsaufgaben zu ermöglichen.

Was die Reform für Verwaltungen und Beschäftigte bedeutet

Die Novelle legt den Schwerpunkt auf Verbindlichkeit: Entscheidungen über Besetzungen und Entsendungen sollen künftig nicht mehr allein nach konjunktureller oder pragmatischer Erwägung erfolgen, sondern unter dem Vorbehalt der Gleichstellungsziele. Das kann für Personalverantwortliche bedeuten, bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten stärker auf ausgeglichene Quoten zu achten und Ausschreibungs‑ sowie Auswahlprozesse anzupassen.

Für Beschäftigte bedeuten die Änderungen potenziell erweiterte Ansprüche auf familien- und pflegeorientierte Arbeitszeitmodelle sowie bessere Chancen auf berufliche Weiterbildung mit Blick auf Führungspositionen. Konkrete Umsetzungsdetails, etwa zur Ausgestaltung von Fortbildungsprogrammen oder zur Definition zwingender dienstlicher Gründe bei Freistellungswünschen, sollen nach Angaben des Ministeriums in den kommenden parlamentarischen Beratungen präzisiert werden.

Rechtlicher und politischer Rahmen

Die Landesregierung begründet die Initiative mit der Vorbildfunktion der öffentlichen Verwaltung: Wenn Verwaltungsgremien und Aufsichtsräte paritätisch besetzt seien, wirke dies auf private Unternehmen und andere öffentliche Einrichtungen nach. Gleichzeitig stellt die Regelung eine rechtliche Verschärfung gegenüber rein freiwilligen Gleichstellungsmaßnahmen dar und könnte in der praktischen Umsetzung auf Widerstände stoßen, etwa bei Bewerbungsverfahren oder bei kleineren Kommunen mit begrenztem Personalpool.

Geplante MaßnahmeInhalt
Hälftige BerücksichtigungFrauen und Männer sollen bei Benennungen und Entsendungen jeweils hälftig berücksichtigt werden
VereinbarkeitBeurlaubungen aus familiären Gründen sind zu ermöglichen, sofern keine zwingenden dienstlichen Gründe entgegenstehen
FörderungFrauen sollen bevorzugt an Fortbildungen für Führungspositionen teilnehmen können
Führung in TeilzeitErleichterungen für Teilzeitführung sollen geschaffen werden

Ausblick

Das Kabinettsvotum ist der erste Schritt; die Novelle muss nun in das parlamentarische Verfahren eingebracht werden. Dort werden Abgeordnete und Fraktionen über mögliche Änderungen, Konkretisierungen und Umsetzungsfristen beraten. Wie schnell die Vorschläge in Kraft treten können, hängt von den Beratungen im Landtag ab.

Die Landesregierung betont, die Maßnahmen seien notwendig, um strukturelle Ungleichheiten in der Machtverteilung zu beseitigen. Kritiker könnten hingegen eine zu starke Regulierung monieren oder praktische Umsetzungsprobleme in kleineren Gemeinden anführen. Die parlamentarische Debatte wird zeigen, wie breit die Zustimmung für verbindlichere Gleichstellungsregeln in Schleswig‑Holstein ist.

Malte Boysen
Malte KI Korrespondent Schleswig-Holstein online

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