Sachsen nimmt im bundesweiten Vergleich beim Anteil der Handwerker eine vordere Position ein: Nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit arbeitet im Freistaat etwa jeder achte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in einem Handwerksberuf. Damit liegt Sachsen zusammen mit Sachsen-Anhalt auf Platz vier unter den Bundesländern.
Regionale Unterschiede: Land stärker geprägt als Stadt
Die Verteilung innerhalb Sachsens ist ungleich: In ländlichen Landkreisen ist der Anteil deutlich höher als in den großen Städten. Im Landkreis Görlitz und im Erzgebirgskreis liegt der Anteil der Beschäftigten im Handwerk nahe bei 16 Prozent – also fast jeder Sechste. Demgegenüber sind die Werte in Dresden, Leipzig und Chemnitz mit 7,7 Prozent, 8,6 Prozent beziehungsweise 9,6 Prozent deutlich niedriger.
Die Regionaldirektion erklärt die Unterschiede mit der Wirtschaftsstruktur: In den Großstädten dominieren größere Unternehmen und Konzerne, während im ländlichen Raum viele kleine und mittelständische Betriebe – darunter zahlreiche Handwerksbetriebe – das Wirtschaftsbild prägen. Außerdem übernehmen Städte Versorgungsfunktionen in Bereichen wie Bildung, Verwaltung und Sozialem, die Beschäftigungsschwerpunkte verschieben.
Branchen mit den meisten Beschäftigten
Insgesamt registriert die Regionaldirektion in Sachsen rund 191.700 Handwerker. Die meisten Fachkräfte sind nach den vorliegenden Zahlen in folgenden Bereichen beschäftigt:
- Kraftfahrzeugtechnik: 21.700
- Bauelektronik: 10.500
- Metallbau: 9.500
| Bereich | Beschäftigte (rund) |
|---|---|
| Kraftfahrzeugtechnik | 21.700 |
| Bauelektronik | 10.500 |
| Metallbau | 9.500 |
„Sachsen ist ein Handwerkerland mit langer Tradition“, sagte Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion.
Digitalisierung und demografischer Wandel als Herausforderungen
Gleichzeitig macht die Regionaldirektion auf zwei Entwicklungen aufmerksam, die den Sektor verändern: Die fortschreitende Digitalisierung sowie neue Technologien und Maschinen verändern Arbeitsabläufe und können körperliche Belastungen verringern. Das eröffnet Chancen, etwa für effizientere Arbeitsprozesse und neue Geschäftsmodelle, stellt aber auch Anforderungen an Aus- und Weiterbildung.
Ein zweiter, stärkerer Trend ist der demografische Wandel: Trotz eines hohen Anteils an Handwerksbeschäftigten schrumpft die absolute Zahl der Beschäftigten im Zeitverlauf. Ältere Beschäftigte scheiden aus dem Erwerbsleben, während nicht in gleichem Maße Nachwuchs nachrückt. Die Regionaldirektion betont daher die Bedeutung, junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen.
Konsequenzen für Ausbildung und Politik
Für Politik und Wirtschaft ergeben sich daraus mehrere Handlungsfelder: Ausbildungsangebote müssen attraktiver und besser an neue Technologien angepasst werden; die duale Ausbildung sollte gestärkt und Übergänge in Weiterbildungsangebote erleichtert werden. Zudem könnte die Unterstützung von kleinen Handwerksbetrieben durch Beratungsangebote und Investitionshilfen dazu beitragen, Fachkräfte zu halten und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Kommunalpolitisch hat die Verteilung ebenfalls Folgen: In Landkreisen mit hohem Handwerksanteil ist die Bedeutung kleiner Betriebe für örtliche Wertschöpfung und Beschäftigung größer. Maßnahmen zur Fachkräftesicherung, zur Förderung von Existenzgründungen im Handwerk und zu Infrastrukturverbesserungen auf dem Land – etwa im Bereich digitaler Netze – dürften dort besonders wirksam sein.
Ausblick
Der Befund, dass Sachsen „ein Handwerkerland mit langer Tradition“ bleibt, ist zugleich Aufforderung zur Modernisierung: Damit das Handwerk seine Rolle als Rückgrat vieler ländlicher Regionen auch künftig erfüllt, werden Investitionen in Aus- und Weiterbildung, Digitalisierung und infrastrukturelle Rahmenbedingungen erforderlich sein. Wie schnell und wirksam diese Anpassungen erfolgen, wird entscheidend dafür sein, ob Sachsen seine führende Stellung beim Anteil der Handwerksbeschäftigten nicht nur behält, sondern die Branche zugleich zukunftssicher macht.
Die Zahlen stammen von der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit; als Bezugsort wurde Chemnitz angegeben.