Hannover. Die Finanzämter in Niedersachsen haben im vergangenen Jahr so viel Erbschafts- und Schenkungssteuer eingenommen wie nie zuvor. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik beliefen sich die dokumentierten Steuereinnahmen auf 1,83 Milliarden Euro.
Umsatzsprung bei Vermögensübertragungen
Insgesamt wurden im Berichtsjahr 20.902 Fälle erfasst, in denen Vermögen unbeschränkt steuerpflichtig übertragen wurde. Das übertragene Vermögen nach Abzügen lag bei 7,14 Milliarden Euro und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um deutlich mehr als die Hälfte. Im Vergleich zu 2024 beträgt der Zuwachs bei den Einnahmen mehr als das Doppelte.
Wer zahlt – und woher kommt das Geld?
Den größten Anteil des dokumentierten Vermögens machten Erbschaften aus. Rund drei Viertel der übertragenen Beträge stammten aus größeren Vermögen, also solchen über 500.000 Euro. Aus eben diesen großen Vermögen stammt auch der Löwenanteil der Steuereinnahmen. Insgesamt entfielen die Abgaben allerdings nicht ausschließlich auf Erbschaften: Etwa die Hälfte der eingenommenen Steuern entfiel auf Erbschaftsteuer, die andere Hälfte auf Steuern aus Schenkungen.
- Steuereinnahmen: 1,83 Milliarden Euro
- Erfasste Fälle: 20.902
- Übertragenes Vermögen (nach Abzügen): 7,14 Milliarden Euro
- Große Vermögen (>500.000 Euro): knapp 75 % des übertragenen Kapitals
Kontext und Bedeutung für Niedersachsens Haushalt
Die gestiegenen Einnahmen spiegeln laut Statistikamt vor allem wider, dass in dem Jahr mehr vererbt und verschenkt wurde. Für die Landesfinanzen bedeutet das kurzfristig höhere Einnahmen, die etwa Spielräume bei der Haushaltsplanung eröffnen können. Langfristig ist jedoch unklar, ob dieser Effekt anhält: Solche Schwankungen sind oft konjunktur- und generationsabhängig und können von Jahr zu Jahr stark variieren.
Freibeträge und nicht erfasste Übertragungen
Das Statistikamt betont, dass viele Übertragungen unterhalb der Freibeträge liegen und daher den größten Anteil der Fälle ausmachen. Diese Vorgänge werden zwar in der Statistik berücksichtigt, führen aber nicht zwangsläufig zu Steuerzahlungen. Insgesamt liegt der tatsächlich vererbte oder verschenkte Betrag daher nominal noch deutlich höher als der in der Steuerstatistik ausgewiesene Betrag, weil Freibeträge und weitere Vergünstigungen die Steuerbemessungsgrundlage reduzieren.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Steuereinnahmen (Erbs. & Schenk.) | 1,83 Mrd. € |
| Erfasste Fälle | 20.902 |
| Übertragenes Vermögen (nach Abzügen) | 7,14 Mrd. € |
Wer profitiert, wer zahlt?
Die Zahlen deuten auf eine Konzentration bei größeren Vermögen hin: Fast drei von vier übertragenen Euro stammen aus Vermögen über 500.000 Euro. Daraus folgt, dass die steuerliche Last zu einem großen Teil bei relativ wenigen, aber hohen Übertragungen liegt. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass Schenkungen insgesamt einen bedeutenden Anteil der Einnahmen stellen, auch wenn es sich dabei meist um kleinere Einzelbeträge handelt.
Praktische Hinweise für Bürgerinnen und Bürger
Für Erbende und Schenkende bleibt wichtig zu wissen, dass Freibeträge und steuerliche Begünstigungen die tatsächliche Steuerlast stark beeinflussen können. Wer Vermögen übertragen möchte, sollte sich frühzeitig steuerlich und rechtlich beraten lassen, um mögliche Freibeträge optimal zu nutzen und unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
Die Landesstatistik liefert mit den aktuellen Zahlen eine Grundlage für Debatten über Steuerpolitik, Vermögensverteilung und Haushaltsplanung in Niedersachsen. Ob sich der Anstieg bei Erbschafts- und Schenkungssteuern als dauerhafte Entwicklung erweist, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die demografische Entwicklung, Vermögensstruktur und politische Entscheidungen zu Steuerrecht und Freibeträgen.
Die vollständigen Daten und weitere Details hat das Landesamt für Statistik veröffentlicht; die hier genannten Zahlen basieren auf den dort vorgelegten Ergebnissen für das Berichtsjahr.