Vor dem Landgericht Koblenz hat die Staatsanwaltschaft im Prozess um den Mord an der US-Touristin Amy Lopez die Verhängung einer lebenslangen Freiheitsstrafe gefordert. Zugleich wurde die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld verlangt. Angeklagt ist ein Mann, der nach Angaben der Anklage die 24 Jahre alte Frau im September 1994 getötet haben soll. Der 81-Jährige hat den Vorwurf zu Prozessbeginn über seinen Anwalt gestanden und sitzt seit Ende Februar 2026 in Untersuchungshaft.
Staatsanwaltschaft beschreibt Tatumstände als besonders schwerwiegend
In ihrem Plädoyer sprach die Staatsanwaltschaft von einer Tötung „zur Befriedigung des Geschlechtstriebs heimtückisch und sonst aus niedrigen Beweggründen“. Die Anklage legt dar, dass der Beschuldigte die Frau demnach im General-von-Aster-Zimmer der Festung Ehrenbreitstein gefesselt, sexuell missbraucht und mit insgesamt neun Messerstichen getötet haben soll. Kurz nach der Tat hatten spielende Kinder den Leichnam gefunden.
„Zur Befriedigung des Geschlechtstriebs heimtückisch und sonst aus niedrigen Beweggründen einen Menschen getötet zu haben.“
Die Staatsanwaltschaft bezeichnete die Beweggründe des Angeklagten als Ausdruck „abartiger sexueller Fantasien“, die er »um jeden Preis« ausleben wollte. Man sehe nach Auswertung der forensischen Befunde «keinerlei Restzweifel» an der Täterschaft des Angeklagten, erklärte die Anklage.
Aufklärung durch moderne DNA-Analyse
Der Fall blieb lange ungeklärt, bis alte DNA-Spuren mit neuen technischen Verfahren erneut untersucht wurden. Diese forensischen Fortschritte führten laut Anklage dazu, dass der inzwischen 81-jährige Mann Ende Februar 2026 in der Nähe von Koblenz festgenommen werden konnte. Seitdem befindet er sich in Untersuchungshaft. Die Anwälte der Nebenkläger, die Familie von Amy Lopez, unterstützen nach Angaben des Gerichts wesentliche Punkte der Forderung der Staatsanwaltschaft; die Verteidigung widersprach der Bewertung nicht.
- Tatzeitpunkt: September 1994
- Opfer: Amy Lopez, 24 Jahre
- Angeklagter: 81 Jahre alt, geständig
- Festnahme: Ende Februar 2026 in der Nähe von Koblenz
- Beweisführung: Reanalyse alter DNA-Spuren
Wartezeit bis zum Urteil und lokale Reaktionen
Das Gericht wird das Urteil am kommenden Freitag erwarten. Die Verhandlung über einen sehr lange zurückliegenden, aber schwerwiegenden Fall zieht in Koblenz Aufmerksamkeit auf sich, weil sie Fragen nach der Rolle moderner Forensik, nach Opferrechten und nach dem Umgang mit historischen Straftaten in die Öffentlichkeit bringt. Angehörige der Getöteten und ihre Rechtsvertreter nahmen an dem Verfahren teil; die Nebenklägerseite stimmte den wesentlichen Forderungen der Staatsanwaltschaft zu.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1994 | Tötung von Amy Lopez (September), Leiche auf Festung Ehrenbreitstein gefunden |
| 2026 | Neu-Auswertung alter DNA-Spuren, Festnahme des Beschuldigten (Ende Februar), Prozess vor Landgericht Koblenz |
Die mutmaßliche Tat an einem Ort, der zur Festung Ehrenbreitstein und damit zur historischen Topografie von Koblenz gehört, erinnert lokal an die Verletzlichkeit von Orten, die zugleich touristische Anziehungspunkte sind. Zugleich zeigt der Prozess, wie kriminaltechnische Fortschritte zur Aufklärung langjährig ungeklärter Fälle beitragen können. Über mögliche Folgen für weitere Ermittlungen oder für die Sicherheitslage in der Stadt haben Staatsanwaltschaft und Polizei bislang keine weiteren Angaben gemacht.
Die Verhandlung und das bevorstehende Urteil werden in Koblenz aufmerksam verfolgt. Es bleibt abzuwarten, ob das Gericht der Forderung nach lebenslanger Haft und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld folgt.