Worms. Die Stärkung der Pflegeausbildung in Rheinland-Pfalz stand im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen dem SPD-Landtagsabgeordneten Dirk Beyer und der Leitung sowie Lehrkräften der Zentralen Ausbildungsstätte für Pflegeberufe für Rheinhessen und die Pfalz in Worms. Im Fokus lagen die aktuellen Probleme der Ausbildung, die Gewinnung dringend benötigter Pflegefachkräfte sowie organisatorische und strukturelle Hemmnisse.
Kapazitäten und Auslastung
Die Pflegeschule verfügt insgesamt über 250 Ausbildungsplätze an den Standorten Worms, Frankenthal und Grünstadt. Davon entfallen 170 Plätze auf Worms, von denen derzeit 157 besetzt sind. Die reguläre Ausbildung zur Pflegefachkraft dauert drei Jahre, die Ausbildung zur Pflegehelferin beziehungsweise zum Pflegehelfer ein Jahr.
| Standort | Plätze (gesamt) | Besetzt (Worms) |
|---|---|---|
| Worms | 170 | 157 |
| Gesamt (Worms, Frankenthal, Grünstadt) | 250 | — |
Schulsozialarbeit als Präventionsinstrument
Ein zentrales Anliegen der Pflegeschule ist die Einführung von Schulsozialarbeit an Pflegeschulen. Wie die Schulleitung darlegte, stehen viele Auszubildende neben der anspruchsvollen schulischen und praktischen Ausbildung vor persönlichen, familiären oder finanziellen Herausforderungen. Schulsozialarbeit könne helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und Abbrüche zu vermeiden.
„170 Plätze … 157 besetzt“
Besonders hervorgehoben wurde die Situation von Auszubildenden mit Kindern. Die Vereinbarkeit von Unterrichts- und Praxiseinsätzen mit Betreuungszeiten in Kindertagesstätten wird als weiterer Handlungsbedarf gesehen.
Bürokratie, Anerkennungsverfahren und Digitalisierung
Diskussionsbedarf besteht zudem bei den Anerkennungsverfahren durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Verzögerungen und bürokratische Hürden erschwerten teilweise den Schulbetrieb und die Integration von extern anerkannten Abschlüssen in die Ausbildungsplanung.
- Anerkennungsverfahren: Verzögerungen durch bürokratische Hürden;
- Digitalisierung: Bedarf an Fachkräften für technische Betreuung der Lernplattformen;
- Lehrkräftebelastung: Systemadministrative Aufgaben können nicht dauerhaft übernommen werden.
Die Pflegeschule betont, dass digitale Lehr- und Lernangebote inzwischen selbstverständlich zur Ausbildung gehören. Gleichzeitig fehle es an Fachkräften, die die technische Infrastruktur dauerhaft betreuen könnten. Aktuell würden diese Aufgaben zeitweise zusätzlich von Lehrkräften wahrgenommen – eine Lösung, die auf Dauer nicht tragbar sei.
Konsequenzen für Region und Ausbildungspraxis
Die diskutierten Themen berühren mehrere Ebenen: Für die Ausbildungsstätte bedeuten bürokratische Verzögerungen und fehlende technische Betreuung einen erhöhten organisatorischen Aufwand. Für Auszubildende sind unzureichende soziale Unterstützung und unpassende Kinderbetreuungszeiten Risiken für den Ausbildungsabschluss. Für die regionale Pflegeversorgung wiederum ist die erfolgreiche Ausbildung von Fachkräften von zentraler Bedeutung.
Die Gespräche mit dem Abgeordneten zeigen, dass neben Investitionen in digitale Infrastruktur und personelle Ausstattung auch strukturelle Anpassungen in der Ausbildungs- und Betreuungspraxis nötig sind. Maßnahmen wie die institutionalisierte Schulsozialarbeit, eine bessere Abstimmung mit der Kinderbetreuung sowie vereinfachte Anerkennungsverfahren könnten die Ausbildungssituation stabilisieren und dazu beitragen, mehr Absolventinnen und Absolventen in den regionalen Pflegebereich zu bringen.
Wie die Beteiligten betonten, sind weitere Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern und zuständigen Behörden notwendig, um konkrete Lösungen zu erarbeiten und zeitnah umzusetzen.
Korrespondent Rheinland-Pfalz