Die Stadt Norderstedt hat einen markanten Schritt in ihrer Immobilienpolitik vollzogen: Ein Gebäudekomplex, der zuvor von Lufthansa für mehrere Tochterunternehmen genutzt worden war, ist von der Kommune für rund 40 Millionen Euro erworben worden. Das teilt die Verwaltung mit. Die Räume am Schützenwall stehen seit dem Auszug der letzten Lufthansa-Sparte Mitte 2025 leer.
Verhandlungen und Übergang in städtischen Besitz
Die Verhandlungen mit dem bisherigen Eigentümer, dem französischen Immobilienfonds Eurovalys, seien bereits in der Phase vor dem Notartermin geklärt worden, heißt es aus dem Rathaus. Die Politik hatte dem Ankauf nach Angaben aus der Stadtvertretung bereits vor Jahren zugestimmt. Mit dem Abschluss des Kaufvertrags ist Norderstedt nun Eigentümerin und kann die weitere Nutzung der Liegenschaft selbst planen.
Amtsgericht: geplanter Umzug fällt weg
Zeitweise war in der Stadt darüber gesprochen worden, das Amtsgericht in Teile des Komplexes am Schützenwall unterzubringen. Diese Option wurde nach Informationen aus der Verwaltung inzwischen aufgegeben. Das Land Schleswig-Holstein hat sich stattdessen entschieden, das bestehende Gerichtsgebäude an der Rathausallee zu sanieren. Für diese Sanierung sind nach bisheriger Darstellung rund 21 Millionen Euro vorgesehen.
„Wenn unser Amtsgericht nach einer Sanierung am jetzigen Standort verbleibt, ist das eine wunderbare Nachricht für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Der Standort des Gerichts mitten in der Stadt ist ebenso traditionell wie bewährt.“
Dieses Zitat stammt von der Oberbürgermeisterin, die sich demnach erfolgreich dafür eingesetzt hat, das Amtsgericht in Norderstedt zu halten. Da die Entscheidung des Landes zu Gunsten einer Sanierung am bisherigen Standort fiel, entfallen die zuvor geäußerten Pläne, das Gericht an den Schützenwall zu verlagern.
Folgen für die Stadtplanung und mögliche Perspektiven
Der Ankauf eröffnet der Stadt mehrere Optionen. Würde ein Teil der Flächen an das Land oder andere öffentliche Stellen vermietet, hätte Norderstedt über längere Zeit regelmäßige Mieteinnahmen erzielen können. Da die Vorstellung, das Amtsgericht dort anzusiedeln, nicht mehr verfolgt wird, bleiben die konkreten Nutzungskonzepte zunächst offen. Die Stadtverwaltung betont, dass jetzt als Eigentümerin die weiteren Schritte geplant werden können.
- Standort: Schützenwall, Norderstedt
- Kaufpreis: rund 40 Millionen Euro
- Vorheriger Eigentümer: Eurovalys (französischer Immobilienfonds)
- Letzte Nutzung: von Lufthansa für drei Tochterunternehmen; Leerstand seit Mitte 2025
- Geplante Alternative für das Amtsgericht: Sanierung des bestehenden Gebäudes an der Rathausallee (ca. 21 Mio. Euro)
| Datum / Zeitraum | Ereignis | Finanzielle Angaben |
|---|---|---|
| bis Mitte 2025 | Nutzung durch Lufthansa-Sparten | — |
| seit Mitte 2025 | Leerstand am Schützenwall | — |
| 2026 (Kaufabschluss) | Städtischer Ankauf vom Fonds Eurovalys | rund 40 Mio. Euro |
| Planung | Sanierung Rathausallee statt Umzug des Amtsgerichts | ca. 21 Mio. Euro |
Die Entscheidung, den Komplex zu erwerben, zählt zu den größeren und kostenintensiveren Immobiliengeschäften in der jüngeren Geschichte der Stadt. Für die Bürgerinnen und Bürger stellen sich nun Fragen nach der zukünftigen Nutzung, möglichen Beschäftigungseffekten und Auswirkungen auf die städtischen Finanzen. Die Verwaltung hat angekündigt, die Pläne zur weiteren Verwendung öffentlich zu erörtern, sobald die internen Abstimmungen abgeschlossen sind.
Bislang gibt es keine verbindlichen Angaben, welche konkreten Nutzungen (öffentliche Verwaltung, Wohnen, Gewerbe oder Mischkonzepte) vorgesehen sind. Klar ist jedoch: Als Eigentümerin hat Norderstedt nun die Möglichkeit, die Entwicklung der Liegenschaft aktiv zu steuern und auf die Bedürfnisse der Stadt abzustimmen.