Im Kreis Neuwied ist eine neue digitale Komponente der Rettungskette in Betrieb gegangen: Die Ersthelfer-App „ProHerzschlag“ soll bei Herz-Kreislauf-Stillständen zusätzliches Hilfe-Personal mobilisieren und damit die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes verkürzen. Landrat Achim Hallerbach stellte das System gemeinsam mit Projektpartnern aus Rettungsdiensten und der Gesundheitsregion Köln-Bonn im Max-zu-Wied-Saal des Kreishauses vor.
Technische Umsetzung und Zweck
Nach Angaben des Landratsamtes ist ProHerzschlag das Produkt intensiver Entwicklungsarbeit und seit Mitte Juli 2026 im Live-Betrieb. Die App alarmiert registrierte Ersthelfer, wenn im Umkreis ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet wird, sodass vor Eintreffen des professionellen Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden kann. Das Projekt versteht sich ausdrücklich als Ergänzung, nicht als Ersatz für den Rettungsdienst.
Erste Einsätze und Demonstration
Bereits seit dem Start wurden laut Pressekonferenz erste reale Alarmierungen ausgelöst. Bei der Vorstellung im Kreishaus wurde zusätzlich eine simulierte Alarmierung demonstriert, um den Ablauf und die Integration in die bestehende Rettungskette zu veranschaulichen.
„Unser neues Ersthelfersystem ist ein Pilotprojekt zur zeitgemäßen Ergänzung der bestehenden Rettungskette im Kreis Neuwied“,
erklärte Landrat Achim Hallerbach während der Präsentation.
Ausbaupläne und regionale Einbindung
Die Verantwortlichen betonten, dass der Start nicht als Abschluss, sondern als Beginn des Aufbaus eines flächendeckenden Ersthelfer-Netzwerks im Landkreis zu verstehen sei. Geplant ist nach Angaben der Projektpartner eine schnelle Einführung des Systems auch in den Kreisen Altenkirchen, Westerwald und dem Rhein-Lahn-Kreis.
- Start des Live-Betriebs: Mitte Juli 2026
- Ziel: Alarmierung von Ersthelfern bei Herz-Kreislauf-Stillstand
- Rolle: Ergänzung, nicht Ersatz des Rettungsdienstes
- Geplante Ausweitung: benachbarte Landkreise
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Inbetriebnahme | Mitte Juli 2026 (Live-Betrieb) |
| Vorstellung | Max-zu-Wied-Saal, Kreishaus Neuwied |
| Projektpartner | Rettungsdienste, Gesundheitsregion Köln-Bonn |
Bedeutung für die Notfallversorgung im Kreis
Bei Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidet jede Minute über die Überlebenschancen und das Risiko bleibender Schäden. Die App setzt genau an diesem Zeitfenster an: Durch die Alarmierung ortsnaher Ersthelfer können lebensrettende Maßnahmen wie Herz-Lungen-Wiederbelebung oder das Anlegen eines automatisierten externen Defibrillators (AED) schneller begonnen werden. Dr. Christian Voigt, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst für den Bereich Montabaur, betonte bei der Vorstellung, dass das System den Rettungsdienst nicht ersetzen, sondern die sogenannte therapiefreie Zeit möglichst kurz halten solle.
Für die Bevölkerung stellt sich damit die Frage, ob und wie sie Teil des Netzwerks werden kann. Konkrete Hinweise zur Registrierung, zu Voraussetzungen für Ersthelfer und zu Datenschutzmaßnahmen wurden auf der Pressekonferenz nicht im Detail wiedergegeben; die Projektpartner sehen den Start dennoch als Grundlage für den systematischen Ausbau einer lokalen Ersthelferstruktur.
Der Kreis Neuwied positioniert sich mit dem Pilotprojekt als Vorreiter in der regionalen Ergänzung der Rettungskette. Ob und in welchem Umfang die App das Überleben von Menschen mit Herz-Kreislauf-Stillstand tatsächlich verbessert, wird sich an der Zahl der registrierten Ersthelfer, an der Reaktionszeit und an der praktischen Verzahnung mit den Rettungsleitstellen zeigen. Die angekündigte Ausweitung auf benachbarte Kreise deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen das System mittelfristig als festen Baustein der notfallmedizinischen Versorgung etablieren wollen.