Branche zwischen Tradition und technologischer Umstellung
Neuss. Der Landesverband Gartenbau Nordrhein-Westfalen hat anlässlich seines zehnjährigen Bestehens in der Wetthalle Neuss Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Betrieben zusammengeführt. Die Veranstaltung machte deutlich, dass die Branche vor strukturellen Herausforderungen steht, zugleich aber mit Innovationen auf veränderte Rahmenbedingungen reagiert.
Junge Betriebsübernahme als Beispiel für Wandel
Ein prägnantes Beispiel kam von Hannes Schoenges, der mit 24 Jahren den elterlichen Zierpflanzenbetrieb in Korschenbroich übernommen hat. Er berichtete von einer schnellen Umsetzung technischer Lösungen: Zur Reduktion von Handarbeit und als Reaktion auf steigende Lohnkosten setzte er einen Steckroboter ein, der nach seinen Angaben die Arbeit von rund 20 Personen ersetzt. Diese Maßnahme steht stellvertretend für einen Trend in der Branche, bei dem Automatisierung als Mittel gegen den Mangel an Arbeitskräften und wachsende Personalaufwendungen gilt.
„Wir bekommen keine Mitarbeiter mehr und der Mindestlohn steigt und steigt“,
so beschrieb der Jungunternehmer die Motivation hinter der Investition. Seine Praxisorientierung und die Kombination aus unternehmerischem Mut und Pragmatismus erklärten, warum er vom Verband zu den „Zukunftsgestaltern“ gezählt wurde und auf dem Podium Platz nahm.
Politik und Verbandsarbeit: Perspektiven für die Region
Zur Feier konnte der Verband neben dem Landespersonal auch kommunale und wirtschaftliche Akteure begrüßen. Unter den Gästen war Landesministerin Silke Gorißen, ferner wurden Franz Josef Odendahl und seine Ehefrau Claudia genannt. Verbandspräsidentin Eva Kähler-Theuerkauf moderierte die Veranstaltung und betonte die Vielschichtigkeit des Gartenbaus in Nordrhein-Westfalen: Von Zierpflanzen über Gemüseproduktion bis hin zur Saisonalität von Weihnachtsbaumkulturen reicht das Spektrum der Tätigkeiten und Herausforderungen.
- Automatisierung als Antwort auf den Arbeitskräftemangel
- Steigende Lohnkosten belasten kleinere Betriebe
- Nachwuchsförderung und Unternehmensnachfolge als kritische Punkte
Konkrete Probleme für regionale Betriebe
Die Debatte in Neuss verdeutlichte, dass viele Gartenbaubetriebe in NRW mit ähnlichen Problemen ringen: Fachkräfte fehlen, Lohnkosten steigen, und zugleich sind Investitionen in Technik nötig, um konkurrenzfähig zu bleiben. Für kleinere Familienbetriebe stellen Anschaffungen wie Verpackungs- oder Pflanzroboter eine erhebliche finanzielle Herausforderung dar, auch wenn sie langfristig Personalkosten senken können.
| Aspekt | Folgen für Betriebe |
|---|---|
| Fachkräftemangel | Erhöhte Automatisierungsinvestitionen |
| Steigende Löhne | Kostensteigerung, Wettbewerbsdruck |
| Technische Umstellung | Produktivitätsgewinne, Anfangsinvestitionen |
Vertreter der Branche wiesen auf die Notwendigkeit hin, politische Rahmenbedingungen und Förderinstrumente stärker auf die Belange kleiner und mittlerer Gartenbaubetriebe abzustimmen. Zugleich sei Aufklärung über technische Lösungen und finanzielle Hilfen erforderlich, damit Betriebe nicht nur reagieren, sondern geplant in die Zukunft investieren können.
Ausblick: Chancen und Anpassungsdruck
Die Veranstaltung in Neuss zeigte, dass der Gartenbau in NRW trotz bestehender Probleme handlungsfähig ist und Beispiele wie der Betrieb aus Korschenbroich Mut machen. Ob diese individuellen Lösungen aber flächendeckend greifen, hängt von mehreren Faktoren ab: Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte, passende Förderprogramme sowie betriebswirtschaftliche Unterstützung für die Digitalisierung und Automatisierung. Für Neusser und regionale Gartenbaubetriebe bleibt die Aufgabe, Balance zwischen Tradition und technologischem Wandel zu finden.
Die Diskussionen in der Wetthalle dienten weniger als Lobeshymne auf die Technik denn als praktischer Austausch über Wege, wie die grüne Branche in Nordrhein-Westfalen langfristig stabil und wettbewerbsfähig bleiben kann.