Die Landesregierung von Schleswig-Holstein prüft den Bau einer neuen Fähre für die Schlei-Querung bei Missunde. Anlass sind anhaltende Pannen und wiederkehrende Ausfälle der im April 2026 in Betrieb genommenen solarbetriebenen Fähre „Missunde III“, die seit ihrem Startbetrieb nicht störungsfrei funktioniert hat. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) kündigte an, die Optionen für einen Neubau zu prüfen; zugleich soll der Landtag in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses über den aktuellen Stand informiert werden.
Häufige Störungen trotz klimafreundlicher Technologie
Die „Missunde III“ war als klimafreundliche E-Fähre mit Solarunterstützung geplant und sollte die Verbindung zwischen Brodersby und Missunde dauerhaft übernehmen. Seit der Inbetriebnahme Mitte 2026 wechselten sich jedoch regulärer Betrieb mit technischen Problemen und temporären Ausfällen ab. Kritiker sehen in der neuen Fähre mittlerweile ein Symbol für Fehlplanungen und mangelhafte technische Umsetzung.
Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN SH) musste daher bereits kurzfristig auf Alternativen zurückgreifen: Die zuvor stillgelegte und veräußerte Vorgängerfähre „Missunde II“ wurde reaktiviert und später teurer zurückgekauft, um die Versorgung der Querung sicherzustellen. Konkrete Zahlen zu den zusätzlichen Kosten nannte das Ministerium bislang nicht.
Bedeutung der Querung für Pendler und Verkehr
Die Schlei-Überfahrt bei Missunde ist nicht nur eine touristische Route: Laut Verkehrsministerium wird die Verbindung jährlich von rund 120.000 Fahrzeugen und etwa 50.000 Fahrrädern genutzt; hinzu kommen zahlreiche Fußgänger. Aus Sicht von Anwohnern und Pendlern haben die Ausfälle unmittelbare Folgen für tägliche Wege, Berufspendler und lokale Betriebe, die auf eine verlässliche Verbindung angewiesen sind.
- Erhebliche Nutzerzahlen: rund 120.000 Fahrzeuge pro Jahr
- Fahrradverkehr: circa 50.000 Fahrräder jährlich
- Fahrzeugbegrenzung der „Missunde III“: bis zu 7,5 Tonnen
Rückblick: Verzögerungen und technische Defizite
Das Projekt war bereits vor der Inbetriebnahme mehrfach verschoben worden. Ursprünglich war ein Beginn zu einem früheren Zeitpunkt vorgesehen, doch notwendige Nachrüstungen und Anpassungen an den Anlegern verzögerten den Betrieb. Bei Tests zeigte sich, dass die Fähre bei starkem Wind Probleme beim sicheren Anlegen hatte. Die Herstellungskosten des Neubaus lagen bei rund 3,9 Millionen Euro.
| Meilenstein | Zeitraum / Angabe |
|---|---|
| Beschluss zum Neubau | 2020 |
| ursprünglich geplanter Start | Januar 2024 (verschoben) |
| Inbetriebnahme „Missunde III" | Ende April 2026 |
| Investitionsaufwand | ca. 3,9 Mio. Euro |
Landtagsdebatte und politische Nachfrage
SPD und SSW haben Berichtsanträge zum Zeitplan und zu den aus der Pannenserie zu ziehenden Konsequenzen gestellt. Der Wirtschaftsausschuss des Landtages soll einen Sachstandsbericht des Verkehrsministeriums erhalten; dort werden auch Fragen zur weiteren Sicherstellung der Querung und zu möglichen Kostenfolgen behandelt.
Vertreter der betroffenen Gemeinden und Nutzergruppen erwarten konkrete Aussagen dazu, ob die bestehende Technik nachgerüstet werden kann oder ob ein kompletter Neubau die sicherere und wirtschaftlichere Lösung darstellt. Minister Madsen begründete die Prüfung mit dem Ziel, die Verlässlichkeit der Verbindung wiederherzustellen.
Praktische Folgen für Nutzer
Für Reisende und Berufspendler bedeutet die Situation, sich auf kurzfristige Änderungen bei Fahrzeiten und mögliche Umleitungen einzustellen. Bislang hat der LKN sporadisch alternative Verkehrsangebote organisiert; Details zu einem langfristigen Ersatzkonzept stehen noch aus. Betroffene werden gebeten, aktuelle Hinweise des LKN und der örtlichen Behörden zu beachten.
Ob ein Neubau tatsächlich kommen wird und welche technischen Vorgaben dieser erfüllen müsste, bleibt offen. Die kommende Ausschusssitzung des Landtages soll Klarheit über den weiteren Fahrplan und mögliche finanzielle Folgen bringen.