In einem wechselvollen Wettkampf hat der deutsche Hammerwerfer Merlin Hummel bei der Leichtathletik‑Europameisterschaft in Birmingham die Silbermedaille gewonnen. Hummel, 24 Jahre alt und bereits Vizeweltmeister, erzielte im vorletzten Versuch eine Weite von 81,30 Metern und sicherte sich damit Platz zwei.
Zwischen Krisenmomenten und großer Entschlossenheit
Der Wettkampf verlief für Hummel nicht ohne Probleme. Er begann mit einem ordentlichen ersten Versuch von 79,08 Metern und lag damit zunächst auf Platz drei. In der Folgezeit gelang ihm jedoch kaum ein gültiger Wurf: Zwei Versuche endeten in Fehlern, ein weiterer Versuch wurde mit 75,97 Metern gemessen. Zwischenzeitlich verließ Hummel das Stadion und suchte offenbar auch kurz die Toilette auf, berichteten Augenzeugen; außerhalb des Kreises führte er Trockenübungen durch, um seine Technik zu finden.
Dann gelang ihm im vorletzten Versuch der entscheidende Wurf: 81,30 Meter – genug für Silber. Den Titel holte der Ungar Bence Halasc mit 84,25 Metern, eine Weite, die als nationaler Rekord und Weltjahresbestleistung ausgewiesen wurde.
„Ich hatte die ganze Zeit im Kopf: Ich schaffe das. Und auch egal, was im Wettkampf gekommen ist, ich war immer in dem Zustand: Ich schaffe das.“
Wechsel zu Eintracht Frankfurt und neue Trainerin
Nach seinem WM‑Silber im Vorjahr hat Hummel sein Umfeld umgestellt: Er startet nicht mehr für die Stadtwerke München, sondern künftig für Eintracht Frankfurt. Außerdem hat er seine Trainingsbasis verändert und ist nun bei seiner neuen Trainerin, der früheren Hammerwerferin Kathrin Klaas, aufgenommen worden. Hummel lobte die Arbeit seiner Coaching‑Konstellation und hob die menschliche Komponente hervor: Klaas verfüge über technisches Feingefühl sowie die nötige Lockerheit und Intelligenz, „Sachen anders zu sehen“ und „bei Verletzungen gut zu reagieren und empathisch zu sein“.
Technisch hat Hummel nach eigenen Angaben kleine Veränderungen vorgenommen. Er wolle den Schwung etwas gemächlicher angehen, um in der Endphase mehr Raum für eine maximale Beschleunigung zu schaffen. „Das Grundziel ist, mehr Beschleunigungsweg zu haben. Also mehr Zeit, in der ich mit meinem Körper in der optimalen Position bin, um das Gerät zu beschleunigen“, erklärte er.
Podium und Zahlen
Die Entscheidung im Hammerwurf fiel letztlich durch die starken Leistungen der beiden Medaillengewinner: Halasc in einer eigenen Klasse, Hummel nach einem nervenaufreibenden Wettkampf dennoch erfolgreich.
| Rang | Name | Weite |
|---|---|---|
| 1 | Bence Halasc (Ungarn) | 84,25 m (NR, WJL) |
| 2 | Merlin Hummel (Deutschland) | 81,30 m |
- Hummel begann mit 79,08 m, hatte mehrere ungültige Versuche und einen von 75,97 m.
- Der 24‑Jährige wechselte nach seinem WM‑Erfolg zu Eintracht Frankfurt und wird von Kathrin Klaas betreut.
- Halasc erzielte mit 84,25 m den Sieg, dokumentiert als nationaler Rekord und Weltjahresbestleistung.
Der Wettkampf zeigte einmal mehr die Zähigkeit und die Fähigkeit zur Selbstorganisation des jungen Deutschen: Nach technischen Problemen und einem sichtbaren Durchhänger fand Hummel im entscheidenden Moment seine Form zurück. Für die deutsche Leichtathletik ist das zweite große Finale in Folge mit einer Medaille ein positives Zeichen, zugleich weist Hummels Entwicklung – sportlich wie organisatorisch – einen klaren Weg auf: gezielte technische Anpassungen, Umfeldwechsel und die Zusammenarbeit mit einer erfahrenen Spezialistin als Trainerin.
Ob Hummel in Zukunft die Goldmedaillen erreichen kann, bleibt offen. Der heutige Auftritt dokumentiert jedenfalls Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, sich in einem hochklassigen Feld durchzusetzen – eine Basis, auf der sich weiter aufbauen lässt.