Giftnotruf in Göttingen meldet höhere Fallzahlen
Das Giftinformationszentrum Nord (GIZ‑Nord) an der Universitätsmedizin Göttingen hat für das Jahr 2025 eine deutliche Zunahme bei den Beratungsanfragen gemeldet. Insgesamt beantwortete das Team laut Jahresbilanz 23.148 Anfragen in Niedersachsen. Damit setze sich ein Trend fort, den das Zentrum schon seit einigen Jahren beobachte: Die Zahl der Beratungen steige, vor allem Fälle im Zusammenhang mit Drogen rücken stärker in den Fokus.
Welche Fälle dominieren die Anfragen?
Am häufigsten suchten Anrufer Rat bei Fragen zu Arzneimitteln: Etwa 8.000 Eingänge entfielen auf diese Kategorie. Danach folgten Anfragen zu Reinigungs- und Putzmitteln sowie zu Pflanzen mit jeweils knapp untereinanderliegenden Fallzahlen, insgesamt rund 2.000 Anfragen für Pflanzen. Drogenbezogene Verdachtsfälle machten 461 der Anfragen aus; innerhalb dieser Gruppe bildeten Kokain, Amphetamine sowie Vergiftungen durch Cannabis und synthetische Cannabinoide die Hauptthemen.
- Gesamtanfragen 2025: 23.148
- Arzneimittel: ca. 8.000
- Pflanzen: ca. 2.000
- Drogenverdacht: 461
Besonderheiten bei Cannabis
Im ersten vollen Kalenderjahr nach der teilweisen Legalisierung von Cannabis verzeichnete das GIZ‑Nord rund 17 Prozent mehr Vergiftungsanfragen, die sich konkret auf Cannabiskonsum bezogen. Die Experten am Giftnotruf führen diese Zunahme nicht allein auf eine höhere Konsumentenzahl zurück; vielmehr zeige die Statistik, dass Beratungsbedarf und Unsicherheit im Umgang mit den Substanzen gestiegen seien. Zur Klärung dieser Entwicklung betreibt das GIZ‑Nord bereits wissenschaftliche Forschung, unter anderem im Rahmen einer Promotion.
„Die steigende Zahl von Anfragen zeigt, wie groß der Bedarf an qualifizierter Beratung im Vergiftungsnotfall ist.“
— Prof. Dr. Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrums Nord
Konsequenzen für Göttingen und die Region
Die erhöhte Nachfrage beim Giftnotruf hat direkte Bedeutung für die Gesundheitsversorgung in Göttingen. Das GIZ‑Nord berät sowohl Privatpersonen als auch medizinisches Fachpersonal; die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liefern zeitnah Einschätzungen zu Symptomen, Wirkstoffen und notwendigen Maßnahmen. Für Eltern von Kleinkindern bleibt die Warnung vor Haushaltschemikalien aktuell: Viele Vergiftungsfälle entstünden im häuslichen Umfeld.
Neben der telefonischen Beratung kam es im Jahr 2025 laut Bilanz zu einem Fall, in dem eine betroffene Person zur weiteren Untersuchung in der Einrichtung vorstellig wurde. Insgesamt stieg die Anzahl der Anfragen und Beratungen im Vergleich zu 2024 um rund 10 Prozent.
Was das für Ratsuchende bedeutet
Die Zahlen verdeutlichen den Bedarf an verlässlicher, fachlicher Auskunft in akuten Vergiftungssituationen. Das GIZ‑Nord bleibt eine zentrale Anlaufstelle für die Region; zugleich unterstreichen die Trends den Bedarf an Präventionsarbeit, Information über Risiken von Suchtmitteln und an Aufklärung über sichere Aufbewahrung von Chemikalien und Medikamenten im Haushalt.
| Kategorie | Ungefährer Anteil / Fälle 2025 |
|---|---|
| Arzneimittel | ~8.000 |
| Reinigungs- und Putzmittel | nicht exakt genannt (nach Arzneimitteln) |
| Pflanzen | ~2.000 |
| Drogenverdacht (u. a. Cannabis) | 461 |
| Gesamtanfragen | 23.148 |
Für Göttingerinnen und Göttinger bedeutet das: Im Verdachtsfall sollte der Giftnotruf frühzeitig kontaktiert werden, um mögliche Risiken richtig einzuschätzen und unnötige Eskalationen zu vermeiden. Die Auswertung des GIZ‑Nord wird zudem voraussichtlich in die laufenden Forschungen und Empfehlungen zur Prävention und Aufklärung einfließen.