In Rheinland‑Pfalz haben sich DAK‑versicherte Erwerbstätige in den ersten sechs Monaten des Jahres etwas seltener krankschreiben lassen als im Vorjahr. Das ergab eine Auswertung des Berliner IGES Instituts für die Krankenkasse DAK. Demnach sank der Krankenstand um etwa 0,3 Prozentpunkte auf 5,5 Prozent.
Was der Wert konkret bedeutet
Der genannte Krankenstand von 5,5 Prozent entspricht im Mittel 55 von 1.000 Beschäftigten, die an einem durchschnittlichen Tag im Zeitraum Januar bis Juni arbeitsunfähig waren. Die durchschnittliche Erkrankungsdauer lag bei 9,9 Tagen und damit marginal über dem Vorjahreszeitraum (erste Jahreshälfte 2025: 9,8 Tage).
Verschiebung bei den Hauptursachen
Deutlich veränderten sich laut DAK auch die führenden Krankheitsursachen, die zu Fehltagen führen. Auffällig ist dem Bericht zufolge ein deutlicher Rückgang bei Atemwegserkrankungen; die dadurch verursachten Fehltage gingen um knapp ein Viertel zurück und lagen bei 176 Tagen je 100 Beschäftigte.
„Besonders auffällig ist der Rückgang bei den Atemwegserkrankungen“, schrieb die DAK.
Demgegenüber haben Erkrankungen des Muskel‑Skelett‑Systems sowie psychische Leiden an Bedeutung gewonnen. Für beide Krankheitsgruppen notiert die DAK nun jeweils 187 Fehltage je 100 Beschäftigte. Damit stiegen die Fehltage durch Muskel‑Skelett‑Erkrankungen um 9 Prozent, für psychische Erkrankungen verzeichnete die Kasse einen Anstieg um 1 Prozent.
Auswertung und Datengrundlage
Für die Analyse hat das IGES Institut die Daten von etwa 130.000 erwerbstätigen DAK‑Versicherten in Rheinland‑Pfalz ausgewertet. Damit stützt sich die Auswertung auf einen erheblichen Datensatz, der jedoch nur DAK‑versicherte Personen umfasst und nicht direkt auf Gesamtbevölkerung oder Beschäftigtenzahlen aller Kassen übertragbar ist.
Regionale und betriebliche Folgen
Die Verschiebung von Atemwegsinfekten hin zu Rückenproblemen und psychischen Erkrankungen hat mehrere Folgen für Arbeitgeber, Beschäftigte und die regionale Gesundheitsversorgung. Mögliche Auswirkungen sind:
- Ein veränderter Bedarf an Präventionsangeboten in Betrieben, etwa ergonomische Maßnahmen und psychische Gesundheitsförderung.
- Anpassungen in der ambulanten Versorgung: weniger akute Infekttage, aber mehr Bedarf an Reha, Physiotherapie und psychotherapeutischen Angeboten.
- Langfristige Belastungen der Arbeitsfähigkeit, weil Muskel‑Skelett‑ und psychische Erkrankungen häufig mit wiederholten oder länger dauernden Ausfällen verbunden sind.
Einordnung und mögliche Ursachen
Konkrete Ursachen für den Rückgang von Atemwegserkrankungen nennt die DAK nicht detailliert. Möglich sind saisonale Effekte, veränderte Infektionsverläufe oder auch Verhaltensänderungen in der Bevölkerung. Hingegen entsprechen Zunahmen bei Muskel‑Skelett‑Beschwerden und psychischen Erkrankungen einem überregionalen Trend, der bereits in anderen Analysen beobachtet worden ist und auf Faktoren wie sitzende Tätigkeiten, Stress und steigende psychische Belastungen zurückgeführt wird.
Was Betroffene und Arbeitgeber jetzt tun können
Auf Grundlage der vorliegenden Zahlen lassen sich pragmatische Maßnahmen ableiten, ohne dass die Auswertung spezifische Handlungsempfehlungen gibt:
- Arbeitgeber sollten ergonomische Arbeitsplätze und präventive Bewegungsangebote fördern.
- Programme zur betrieblichen Gesundheitsförderung sollten psychische Gesundheit stärker in den Fokus nehmen, etwa durch Schulungen, niedrigschwellige Beratungsangebote oder flexible Arbeitsmodelle.
- Beschäftigte mit wiederkehrenden Rückenproblemen oder psychischen Beschwerden sollten frühzeitig ärztliche Beratung in Anspruch nehmen, um Chronifizierung zu verhindern.
Fazit
Die DAK‑Auswertung zeigt für Rheinland‑Pfalz im ersten Halbjahr 2026 einen leichten Rückgang des Krankenstands, zugleich aber eine Verschiebung der Krankheitslast: Atemwegsinfekte haben an Bedeutung verloren, während Muskel‑Skelett‑ und psychische Erkrankungen häufiger Ursache für Ausfälle sind. Für Betriebe und das Gesundheitswesen bedeutet dies eine Verschiebung der Prioritäten in Prävention und Versorgung — eine Entwicklung, die auch langfristig beobachtet werden sollte.
Quelle: DAK‑Analyse auf Basis der Auswertung durch das IGES Institut; Datenbestand: rund 130.000 erwerbstätige DAK‑Versicherte in Rheinland‑Pfalz, Zeitraum: erstes Halbjahr 2026.