Die Zahl der Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg ist erstmals seit längerer Zeit wieder leicht gestiegen. Ende Juni waren nach Angaben des Landeshandwerkspräsidenten insgesamt 145.266 Betriebe eingetragen. Gegenüber Jahresbeginn erhöhte sich der Bestand damit um 942 Betriebe beziehungsweise 0,7 Prozent.
Unterschiedliche Entwicklungen in den Gewerken
Die aktuelle Entwicklung zeigt klare Unterschiede zwischen dem zulassungsfreien und dem zulassungspflichtigen Handwerk. Vor allem im zulassungsfreien Bereich hat sich ein deutlicher Zuwachs eingestellt: Hier stieg die Zahl der Betriebe seit Jahresanfang um 3,5 Prozent. Besonders stark wuchsen dem Verband zufolge die Gruppen der Gebäudereiniger und Kosmetiker, gefolgt von bodenlegerähnlichen Berufen und Fotografen.
„Dass mehr Betriebe hinzukommen und zugleich weniger vom Markt verschwinden, ist ein gutes Signal.“
Diese Einschätzung stammt von Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold, der die Zahlen in Stuttgart vorstellte.
Rückgang im zulassungspflichtigen Handwerk
Anders als beim zulassungsfreien Segment weist das zulassungspflichtige Handwerk einen Rückgang auf. Zum Stichtag waren 88.476 Betriebe in diesem Bereich registriert, das sind 596 Betriebe oder 0,7 Prozent weniger als zu Jahresbeginn. Allerdings fiel der Rückgang nach Angaben des Verbands schwächer aus als im Vorjahreszeitraum.
Trotz des Gesamtrückgangs gibt es auch im zulassungspflichtigen Handwerk positive Ausnahmen: So legten die Elektrotechniker um 99 Betriebe zu. Die Friseure verzeichneten mit einem Plus von 35 Betrieben erstmals seit drei Jahren wieder Zuwachs. Auch im Bereich der Kraftfahrzeugtechnik stieg die Zahl der Betriebe um 30.
Auswirkungen und Einschätzung
Die leichte Zunahme der Betriebszahlen ist aus wirtschaftlicher Sicht ein positives Zeichen für das Handwerk in Baden-Württemberg. Sie deutet darauf hin, dass Gründer und bestehende Unternehmer momentan bessere Bedingungen sehen, um Betriebe zu eröffnen oder zu halten. Gleichzeitig macht die unterschiedliche Dynamik zwischen zulassungsfreien und zulassungspflichtigen Gewerken deutlich, dass Strukturveränderungen und Qualifikationsanforderungen das Bild prägen.
Für Kommunen und regionale Wirtschaftsförderer hat diese Entwicklung praktische Bedeutung: Ein Anstieg bei Gebäudereinigern, Kosmetikern und ähnlichen Diensten kann etwa Nachfrage nach Gewerbeflächen, Ausbildungsplätzen und Unterstützungsangeboten erzeugen. Umgekehrt benötigen zurückgehende Zahlen in klassischen zulassungspflichtigen Handwerken gegebenenfalls gezielte Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und Existenzgründungsförderung.
Kurzinformationen im Überblick
- Gesamtzahl Betriebe (Ende Juni): 145.266
- Veränderung seit Jahresbeginn: +942 Betriebe (+0,7 %)
- Zulassungsfrei: +3,5 % (starke Zuwächse bei Gebäudereinigern, Kosmetikern, Bodenlegern, Fotografen)
- Zulassungspflichtig: 88.476 Betriebe (-596; -0,7 %); positive Ausnahmen: Elektrotechniker +99, Friseure +35, Kraftfahrzeugtechniker +30
| Bereich | Betriebe (Zahlen) | Veränderung |
|---|---|---|
| Gesamt | 145.266 | +942 (+0,7 %) |
| Zulassungspflichtig | 88.476 | -596 (-0,7 %) |
| Zulassungsfrei | — | +3,5 % |
Ausblick
Ob sich die jüngste Erholung fortsetzt, hängt von mehreren Faktoren ab: der konjunkturellen Lage, der Entwicklung der Nachfrage nach Dienstleistungen, der Verfügbarkeit von Fachkräften sowie regulatorischen Rahmenbedingungen – beispielhaft die Meisterpflicht oder Aus- und Weiterbildungsangebote. Landeshandwerkspräsident Reichhold wertete die Zahlen als positives Signal, mahnte aber zugleich, die unterschiedlichen Trends in den Blick zu nehmen.
Die Zahlen basieren auf den Angaben des Handwerksverbands für Baden-Württemberg und wurden in Stuttgart präsentiert. Ein stärkeres Plus als das aktuelle gab es zuletzt im ersten Halbjahr 2021.