Weinlese beginnt früher als üblich in Radebeul und Meißen
In Sachsen ist die Weinlese eingeläutet worden: Auf dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul und beim Weingut Schloss Proschwitz in Meißen wurden die ersten Trauben geerntet. Die Winzer bewerten die Lage überwiegend positiv und erwarten einen guten Jahrgang, obwohl das Jahr durch ungewöhnlich hohe Temperaturen geprägt war.
Das Staatsweingut Wackerbarth bezeichnete die Ausgangslage als „wirklich gut“. Entscheidend für die Hoffnungen der Winzer seien nicht allein die Sommerhitze, sondern das Zusammenspiel von Reife, Gesundheit der Trauben und Niederschlägen in den vergangenen Wochen.
„Wir sind in einer wirklich guten Ausgangsposition“, sagte der Weinbauleiter vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth, Till Neumeister.
Auch das Weingut Schloss Proschwitz äußerte sich zuversichtlich: Die jüngsten Niederschläge hätten zu einem zufriedenstellenden Ertrag und zu Trauben mit hoher Güte geführt. Der Weingutsleiter Björn Probst betonte, dass weitere gesunde und ausgereifte Trauben die Erwartungen für einen guten Herbst stützen.
Wenig Rebschäden trotz extremer Temperaturen
Die Hitzewelle Mitte Juni hatte in den sächsischen Weinbergen Spitzentemperaturen von bis zu 42 Grad erreicht. Nach Einschätzung der Winzer blieben größere Sonnenbrandschäden an den Beeren jedoch aus. Ein wichtiger Grund dafür sei der Zeitpunkt der Hitzebelastung: Die Trauben befanden sich damals im frühen Entwicklungsstadium („Erbsenstadium“), in dem sie weniger sonnenbrandanfällig sind.
Zum Vergleich wurde das Jahr 2018 genannt, das bislang als Rekordjahr für Hitzetage in den sächsischen Weinbergen galt. In diesem Jahr wurden nun 30 Hitzetage registriert, womit 2018 mit seinen 27 Tagen übertroffen wurde. Entscheidend für den Erhalt der Vitalität der Reben war laut den Winzern aber auch der Niederschlag während der Vegetationsperiode, der teils doppelt so hoch ausfiel wie in früheren Jahren.
Organisation der Lese auf Staatsweingut Wackerbarth
Auf dem Staatsweingut übernehmen eine feste Mannschaft und Handlese die Arbeit: Rund 90 Hektar Rebfläche werden dort von einer Gruppe von 30 festangestellten Mitarbeitern betreut und gelesen. Der Beginn der Lese liegt etwa eine Woche vor dem Vorjahr und damit vor dem langjährigen Mittel.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Rebfläche Staatsweingut | 90 Hektar |
| Festangestellte Lesequipe | 30 Personen |
| Hitzetage (dieses Jahr) | 30 |
| Hitzetage (2018) | 27 |
Sorten und Strategien: Goldriesling als Auftakt
Der Auftakt erfolgte mit dem Goldriesling, einer Rebsorte, die in Sachsen eine besondere Rolle spielt und ausschließlich im Bundesland angebaut wird. Die frühe Lese dieser Sorte unterstreicht die Strategie vieler Winzer, die Reifegrade sorgfältig zu beobachten und Erntetermine anzupassen, um Qualität und Aromatik zu sichern.
Für die Winzer bedeutet die frühe Lese organisatorischen Mehraufwand: Erntepläne, Personal- und Maschineneinsatz sowie die Logistik zur Verarbeitung der Trauben müssen kurzfristig koordiniert werden. Die festangestellten Teams auf den größeren Gütern erleichtern diesen Prozess und schaffen Kontinuität in der Weinbergsbetreuung.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Weinbau in Sachsen hat neben wirtschaftlicher Bedeutung auch einen hohen kulturellen Stellenwert. Ein gelungener Jahrgang kann lokale Tourismusangebote, Straußenwirtschaften und Direktvermarkter in den kommenden Monaten stärken. Mit Blick auf die Klimaentwicklung bleibt die Lage jedoch wachsam: Die Kombination aus Hitzeperioden und ungleich verteilten Niederschlägen stellt die Winzer vor neue Herausforderungen.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die derzeit positive Einschätzung Bestand hat. Entscheidend bleibt das Wetter bis zur Vollreife weiterer Sorten und die sorgfältige Auswahl des Lesezeitpunkts, um das beste Gleichgewicht zwischen Ertrag und Qualität zu erreichen.
- Ort: Radebeul, Meißen
- Wichtigste Sorte zum Start: Goldriesling
- Wichtigste Kennzahlen: 90 Hektar Rebfläche, 30 feste Lesehelfer
Für die sächsischen Winzer beginnt nun die entscheidende Phase der Ernte: gute Beobachtung, zügiges Handeln und eine Portion Glück mit dem weiteren Spätsommerwetter.