Wirtschaft

Fast 190.000 Firmen schlossen 2025 – höchste Zahl seit fast 20 Jahren

Eine gemeinsame Analyse von Creditreform und ZEW zeigt: 2025 gaben in Deutschland 187.744 Unternehmen auf. Besonders betroffen sind Gastronomie, Gesundheitswesen und Industrie. Experten warnen vor einer breiten Krisendynamik.

Fast 190.000 Firmen schlossen 2025 – höchste Zahl seit fast 20 Jahren
©Illustration KI Reinhard Böhme / we-news.com

Im Jahr 2025 sind in Deutschland nach einer gemeinsamen Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Leibniz‑Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) insgesamt 187.744 Unternehmen vom Markt verschwunden. Das ist ein Anstieg um rund zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und die höchste Zahl von Betriebsschließungen seit fast zwei Jahrzehnten.

Breite Betroffenheit über Branchen hinweg

Die Autoren der Studie sehen die Entwicklung nicht als punktuelle Krise einzelner Sektoren, sondern als eine weitverbreitete Belastung der deutschen Wirtschaft. Besonders stark stiegen die Schließungszahlen im Gastgewerbe, im Gesundheitswesen und in der Industrie. Nach den vorliegenden Angaben machten im vergangenen Jahr rund 15.000 Gaststätten und Beherbergungsbetriebe dicht, was einem Zuwachs von etwa 15 Prozent gegenüber 2024 entspricht. Im Gesundheitssektor wurden knapp 11.000 Schließungen verzeichnet; allein bei den Arztpraxen gab es rund 5.500 Betriebsaufgaben, ein Anstieg von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Die Krisendynamik frisst sich mittlerweile durch die gesamte Breite der Wirtschaft“,

zitiert die Analyse den Leiter der Creditreform‑Wirtschaftsforschung, Patrik‑Ludwig Hantzsch. Die Forscher weisen darauf hin, dass inzwischen nicht nur ökonomisch angeschlagene Betriebe aufgeben, sondern vereinzelt auch eigentlich gesunde Unternehmen.

Ursachen: Energie, Fachkräfte, Nachfolge

Als zentrale Triebkräfte für die Entwicklung nennen die Analysten hohe Energiepreise, anhaltenden Fachkräftemangel und fehlende Nachfolgeregelungen. Gerade in ländlichen Regionen führe das Fehlen geeigneter Nachfolger dazu, dass Praxen und kleinere Betriebe geschlossen würden. Im Gastgewerbe habe eine Kombination aus gestiegenen Kosten und Fachkräftesorgen zu der besonders starken Zunahme an Schließungen geführt, obwohl die Politik jüngst steuerliche Erleichterungen für die Branche beschlossen hat.

  • Gesamtzahl: 187.744 Unternehmensschließungen in 2025
  • Gastgewerbe: rund 15.000 Schließungen (plus ~15 %)
  • Gesundheitswesen: knapp 11.000 Schließungen, darunter etwa 5.500 Arztpraxen
  • Industrie: etwa 11.000 Schließungen (plus ~10 %)

Langfristige Folgen und Risiken

Die erhöhte Zahl an Betriebsaufgaben hat mehrere mittel‑ bis langfristige Implikationen: Der Verlust an lokalem Angebot, insbesondere in Gastronomie und Gesundheitsversorgung, trifft Verbraucherinnen und Verbraucher direkt. Gleichzeitig schwächt die Schließungswelle das unternehmerische Gefüge, da bewährte Betriebsstrukturen, Know‑how und Geschäftskontakte verloren gehen. Für die Beschäftigten bedeutet die Entwicklung Jobunsicherheit und teilweise längere Phasen der Arbeitslosigkeit, für Regionen kann die Abwanderung von Dienstleistungsangeboten die Attraktivität mindern.

SektorUngefährer Wert 2025
Gesamt187.744
Gastgewerbe~15.000
Gesundheitswesen~11.000 (davon ~5.500 Arztpraxen)
Industrie~11.000

Die Autoren der Studie warnen davor, die Entwicklung isoliert zu betrachten. Bereits zuvor angelegte strukturelle Probleme – etwa die alternde Unternehmergeneration ohne Nachfolger, die Transformation der Industrie und volatile Energiepreise – verstärkten sich gegenseitig und führten zu einem kumulativen Druck auf Betriebe aller Größenordnungen.

Politische und wirtschaftliche Fragen

Angesichts der Zahlen dürften politische Debatten über Förderprogramme, Nachfolge‑Initiativen und gezielte Erleichterungen für besonders betroffene Branchen an Intensität gewinnen. Die Wirksamkeit bereits beschlossener Maßnahmen, wie der reduzierten Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie, wird in der Analyse als begrenzt eingeschätzt: Steuerliche Entlastungen hätten offenbar nicht ausgereicht, um die tiefsitzenden Probleme vieler Betriebe zu kompensieren.

Für die Wirtschaftspolitik stellt sich die Frage, wie sich kurzfristige Entlastungen mit langfristigen Strategien zur Sicherung von Fachkräften, Energieversorgung und Unternehmensnachfolge verbinden lassen. Die Studie von Creditreform und ZEW liefert dafür eine Reihe von Anhaltspunkten, bleibt aber auch ein Weckruf: Die Schließungswelle 2025 ist ein Indikator dafür, dass die deutsche Ökonomie gegenwärtig in einer empfindlichen Phase operiert.

Reinhard Böhme
Reinhard KI Wirtschaftsredakteur online

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