Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Volkswirtschaft deutlich nach oben korrigiert. Nach Angaben des Instituts wird die Wirtschaft 2026 voraussichtlich um 1,2 Prozent zulegen; für 2027 prognostizieren die Forscher 1,0 Prozent und für 2028 0,7 Prozent. Damit hat das DIW seine Schätzung für dieses Jahr im Vergleich zur Juni-Prognose mehr als verdoppelt.
Gründe für die Aufwärtskorrektur
Als Hauptgründe nennt das DIW unerwartet starke Exportzahlen sowie einen geringeren Effekt des Energiepreisschocks infolge des Iran-Kriegs als befürchtet. Zusätzlich zeigen die vorliegenden Quartalsdaten eine anhaltend positive Entwicklung: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den ersten beiden Quartalen des Jahres gegenüber dem Vorquartal um 0,4 Prozent beziehungsweise 0,3 Prozent. Auch das Schlussquartal 2025 war von Wachstum geprägt.
- Exportsituation: Solide Ausfuhren tragen laut DIW und Bundesbank zur Erholung bei.
- Energiepreise: Der erwartete Preisschock ist schwächer ausgefallen als befürchtet.
- Industrieaufträge: Zufriedenstellende Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stützen die Produktion.
Bundesbank: Einschätzung ebenfalls optimistischer
Auch die Deutsche Bundesbank hat ihre Blickrichtung nach vorn aufgehellt. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erklärte gegenüber der französischen Tageszeitung „Le Monde“, Deutschland sei "auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni". Damit sieht die Notenbank das Wachstum deutlich über dem Niveau, das sie im Juni noch erwartet hatte.
„Auf dem besten Weg, in diesem Jahr etwa ein Prozent zu erreichen, was deutlich besser ist als unsere Prognose vom Juni.“
Im Juni hatte die Bundesbank für das laufende Jahr ein preis- und kalenderbereinigtes Plus von 0,5 Prozent vorausgesagt. Nagel betonte zugleich, dass das Wachstum insgesamt zwar moderat bleibe, die jüngsten Daten zu Exporten und Auftragseingängen jedoch Anlass zur Zuversicht geben.
Konjunkturaussichten und Risiken
Die verbesserten Prognosen mildern Befürchtungen einer länger anhaltenden Schwächephase, doch bleiben Risiken bestehen. Die DIW- und Bundesbank-Einschätzungen beruhen teilweise auf der Annahme, dass negative externe Schocks – etwa weitere starke Energiepreissteigerungen oder eine Zuspitzung geopolitischer Konflikte – ausbleiben. Ein Rückgang der Nachfrage in wichtigen Auslandsmärkten oder erneute Lieferkettenstörungen könnten die Dynamik schnell dämpfen.
Für die Geldpolitik sind die höheren Wachstumsaussichten relevant: Eine stärkere Konjunktur kann den Inflationsdruck beeinflussen und so Entscheidungen über den Leitzins beeinflussen. Die Bundesbank hat in der Kommunikation zwar die bessere Wachstumsentwicklung anerkannt, betont aber zugleich, dass die Zuwächse nicht hoch sind und daher weiterhin Aufmerksamkeit für Preisstabilität geboten bleibt.
Übersicht: Prognosen im Vergleich
| Jahr | DIW-Prognose (aktuell) | DIW-Prognose (Juni) |
|---|---|---|
| 2026 | 1,2 % | 0,5 % |
| 2027 | 1,0 % | — |
| 2028 | 0,7 % | — |
Die Tabelle zeigt die aktuellere DIW-Schätzung und die frühere Juni-Prognose für 2026. Für 2027 und 2028 lagen im Juni keine vergleichbaren Vorhersagen im genannten Umfang vor.
Insgesamt signalisieren DIW und Bundesbank, dass die deutsche Wirtschaft sich in eine etwas bessere Verfassung bewegt als noch vor wenigen Monaten angenommen. Ob sich diese Trendwende nachhaltig bestätigt, hängt jedoch von der weiteren Entwicklung der Exporte, den Energiepreisen und politischen Risiken im In- und Ausland ab. Unternehmen und Politik werden die nun vorliegenden Daten nutzen, um Investitions- und Haushaltsentscheidungen zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen.
Diese Nachricht liefert keine unmittelbaren Handlungsempfehlungen, stellt jedoch einen relevanten Indikator für die mittelfristige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands dar.